Papst in Kuba bejubelt Franziskus fordert religiöse "Freiräume"

Tausende Kubaner jubelten dem Papst auf den Straßen von Havanna zu. Gleich nach der Ankunft forderte Franziskus mehr Religionsfreiheit in dem kommunistischen Karibikstaat.

AFP

Bei der Ankunft von Franziskus in Kuba hat Staatspräsident Raúl Castro dem Papst für seine Bemühungen um die diplomatische Annäherung zwischen Kuba und den USA gedankt. Franziskus antwortete, indem er die Versöhnung zwischen den einstigen Erzfeinden als Beispiel für die Welt pries.

Allerdings forderte der Papst auch mehr religiöse Freiheiten in dem kommunistischen Karibikstaat. Die Kirche wolle das kubanische Volk mit seinen Hoffnungen und seinen Sorgen begleiten, "in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen", sagte der 78-Jährige.

Anschließend fuhr das Oberhaupt der Katholischen Kirche im Papamobil durch Havanna. Auf dem Weg vom Flughafen zur Botschaft des Vatikans in Kuba, wo der Papst während seines Besuchs wohnt, jubelten ihm Tausende Kubaner zu. Vielfach wurden die Flaggen des Vatikans und von Kuba geschwenkt. Auf dem Schild einer Frau war zu lesen: "Franziskus, du bringst uns Hoffnung."

Franziskus hält sich in Kuba auf, um dort für mehr religiöse Freiheit und für die weitere Annäherung der einstigen Erzfeinde USA und Kuba zu werben. Seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im jeweils anderen Land. Franziskus macht sich zudem für die vollständige Aufhebung des seit rund 55 Jahren bestehenden US-Handelsembargos stark.

Seit dem ersten Papstbesuch von Johannes Paul II. im Jahr 1998 hat sich die Lage für die nach der Revolution von 1959 lange unterdrückte Katholische Kirche in Kuba deutlich gebessert. 80 vom Staat konfiszierte Kirchen sollen ihr zurückgegeben werden.

Am Sonntag werden 300.000 Menschen zu einer großen Messe auf dem Platz der Revolution in Havanna erwartet. Weitere Stationen des Papstes in Kuba sind Holguín und Santiago. Am Dienstag reist er in die USA weiter. Mit neun Tagen ist es Franziskus' längste Auslandsreise, am 27. September fliegt er zurück nach Rom.

Der Vatikan vermittelte zwischen Havanna und Washington

Kuba bereitet sich seit Tagen auf den Besuch des Papstes vor: In mehreren Städten haben Straßenprozessionen und Stadtteil-Feiern zu Ehren des Oberhauptes der katholischen Kirche stattgefunden.

Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und Kuba waren bis vor wenigen Jahren noch schwer belastet. Nach der Revolution 1959 schloss Regierungschef Fidel Castro katholische Schulen, verstaatlichte Krankenhäuser und verwies zahlreiche Priester des Landes. Von 1975 bis 1992 definierte sich Kuba offiziell als atheistischer Staat.

Erste Annäherungen folgten nach dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 17 Jahren. Zuletzt sorgte Papst Franziskus für Entspannung, indem er Briefe an die Präsidenten von Kuba und den USA schrieb und dadurch zur historischen Annäherung zwischen Havanna und Washington beitrug.

mka/dpa/AFP

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ftb7 19.09.2015
1. Das letzte
was Kuba braucht ist Religionsfreiheit. Die Plage kann ihnen erspart werden. Viel wichtiger als religiöses Gelaber ist, dass sich die Beziehung zu den USA normalisiert.
ozoli 19.09.2015
2. Grotesk
Der Papst fordert mehr Freiheit, gleichzeitig wirbt er fuer seine religioese Organisation; wie grotesk. Kuba ist gerade dabei sich der Welt zu oeffnen und schon stehen die Katholiken mit Ihren weltfremden Ansichten parat.
rudi63wilhelm 19.09.2015
3. Fragliche Gesinnung
wenn der heilige Vater sich seit Jahren für eine kommunistische Diktatur einsetzt und alles dafür tut, das der wirtschaftliche Kolaps der Planwirtschaft vermieden wird,nun aber religiöse Freiräume im socialusmo tropical einfordert,dann wird das die Castro-Diktatur nicht wirklich beunruhigen und die zahlreichen Unterdrückten auf Kuba können sich über das Verhalten dieses Papstes nur enttäuscht von der katholischen Kirche abwenden... Warum die drei letzten Päpste alle dieses Unrechtssystem mit deren Besuchen aufwertete, weiß nur der liebe Gott....
neanderspezi 20.09.2015
4. Papst Franziskus ist sehr tüchtig in der Förderung religiöser Zuneigung für die römisch-katholische Kirche
Nun kann Papst Franziskus Raul und Fidel in Kuba ins Gebet nehmen, sie freundschaftlich dazu auffordern, dass die Kirchen wieder ihrer ursprünglichen Funktion übergeben werden, die Priester ihre Aufklärung von der Kanzel herunter gegen Unglauben, Kommunismus und andere Verirrungen vornehmen und die Gläubigen ihre kirchlichen Fiestas feiern können mit Feuerwerk, Umzügen und allem was dazu gehört. Der katholische Glaube wird eine glanzvolle Renaissance erleben und einen herrlichen Einzug in die Städte und Dörfer halten. Alle dem sich verflüchtenden Kommunismus nicht nachtrauernden Kubaner werden in innigem Gebet ihre neu gewonnenen religiösen Freiräume entzückt in Anspruch nehmen und wie es so geht, werden sich auch Raul und Fidel diesen Freiräumen nicht versagen wollen. Der alte abgehangene Kommunismus wird wie eine lange Zeit die Gegend verschandelnde Vogelscheuche aus dem Verkehr gezogen und auch den Brüdern wird ein weit tönendes Halleluja mit großer Erleichterung ihren noch ungeübten Kehlen entrinnen. Schade, dass der Papst diesem Akt der inneren Befreiung in Kuba nicht mehr segnend beiwohnen kann, aber vielleicht kann er in Zukunft, wenn er Muselmanen einen Besuch abstattet, eine ähnliche Zeremonie für die Errichtung religiöser Freiräume in Szene setzen.
gandhiforever 20.09.2015
5. Tempora mutantur
Die Zeiten haben sich geaendert. Frueher stand die RKK auf der Seite der Ausbeuter/Unterdruecker. Das Volk sollte sein Schicksal erdulden, auf den Messias warten, mit dem Tod vom Boesen erloest werden. Deshalb hatte Fidel nicht viel uebrig fuer die Kirche und nahm eine antiklerikale Haltung ein. Doch der heutige Papst scheint es eher mit der Befreiungstheologie zu halten. Er vertritt Ansichten, die in die gleiche Richtung zielen wie die der kubanischen Regierungspartei. So kann er und die RKK in Kuba zum Partner werden. Deshalb werden die geforderten Freiraeume auch kein unueberbrueckbarer Gegensatz sein. Sein Besuch in Kuba wird jedenfalls weit weniger Widerstand mit sich bringen als der anschliessende in den USA. Dem sehen etliche halbkatholische Politiker (und nicht nur die) schon mit Skeptizismus entgegen, denn sie vermuten (zu Recht), dass der Suedamerikaner ihnen in vielen Dingen die Leviten lesen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.