Paris Hilton bei Larry King Geläutert, beseelt, blondiert

Paris Hilton und kein Ende: Die Erbin gab bei Talk-Ikone Larry King gestern das erste TV-Interview seit ihrer Freilassung aus dem Gefängnis. Sie bemühte sich um das Image einer geläuterten Madonna. Leider ging das am Ende dann doch schief.

Von , New York


New York - Na also, nun ist es amtlich: Gefängnis ist "ein ziemlich traumatisches Erlebnis". Schon die Zelle, zweieinhalb mal dreieinhalb Meter ("Ich hasse es, alleine zu sein."), das Essen "schrecklich", außerdem "kein Fernsehen, nichts". Und doch, es gab auch Lichtblicke: "Es war nett, mal für eine Weile den ganzen Blitzlichtern zu entkommen." Doch jetzt ist sie wieder mittendrin im Rummel, im Blitzlichtgewitter und vor der TV-Kamera - freiwillig: Paris Hilton, Erbin, Entertainerin, Party-Girl, Sexsymbol, Ex-Knacki, neuer Mensch.

Paris Hilton bei Larry King: "Ich will die Menschen einfach nur wissen lassen, was ich durchgemacht habe"
REUTERS

Paris Hilton bei Larry King: "Ich will die Menschen einfach nur wissen lassen, was ich durchgemacht habe"

Gestern ließ sie sich zum "ersten TV-Interview seit ihrer Entlassung" herab, ein Quotengarant, dem die Sender seit Wochen entgegenfieberten, um den es sogar eine Bieterschlacht der Networks gegeben hatte, bis sie dem handzahmen Schmuse-Talker Larry King auf CNN den Zuschlag gab.

Für die meisten war es das erste Mal, dass sie das stumme Abziehbild überhaupt sprechen hörten. Und sie sprach, eine Stunde lang.

Warum? "Ich will die Menschen einfach nur wissen lassen, was ich durchgemacht habe." Eine Art öffentliche Dienstleistung also, Info direkt von der Quelle anstelle des "verrückten" Geschwätzes in der Presse: "Die Sachen, die ich da sehe, und die Sachen, die ich da lese, das ist nicht die Person, die ich wirklich bin."

"Das war nicht so lecker"

Die Person, die in Kings Studio in Hollywood saß, war höflich, sanft und charmant, spürbar nervös, schüchtern fast, die Hände stoisch verschränkt. Motiv: Geläuterte Madonna. Dezentes Make-up, dezente Ohrringe, den umflorten Blick immer wieder hilfesuchend ins Abseits wandernd, wo das PR-Team saß.

Sicher, tiefsinnig war sie nicht. Doch dumm auch nicht, und immerhin gab sie sich Mühe. "Ich bin wirklich gewachsen", beteuerte sie, den Kopf in antrainierter Neckpose. "Ich habe einen neuen Ausblick aufs Leben." Und einen neuen Draht zum Schöpfer, geknüpft mittels Gefängnisbibel, die sie sich dort gekauft haben will: "Gott richtet alles mit gutem Grund." Etwa diesem: "Ich werde nie wieder trinken und Auto fahren." Auch wenn sie auf einem beharrte: "Ich glaube nicht, dass ich es verdiente, dafür ins Gefängnis zu wandern." Was sie aus all dem gelernt habe? Was wolle sie ändern? Was gefalle ihr an ihr selbst heute nicht mehr? Sie grübelte kurz. "Wenn ich nervös oder schüchtern bin, wird meine Stimme echt hoch." Das würde sie gerne als Allererstes ändern.

Hart war's im Knast. Hilton erzählt vom ekligen "Rätsel-Fleisch", "das war nicht so lecker". (Trotzdem habe sie, allen Gerüchten zum Trotz, "nur ein paar Pfund" abgenommen.) Die Leibesvisitation, "das erniedrigendste Erlebnis meines Lebens". Die knappen Besuchszeiten, je eine halbe Stunde samstags und sonntags. Die Albträume. Und: die mysteriöse Krankheit.

"Ehrlich gesagt, ich bin's leid"

Ja, was war das bloß, weshalb sie vorzeitig entlassen wurde, für eine Nacht, die in die Mediengeschichte eingehen wird? Hilton lüftet das Geheimnis: "Ich habe mein ganzes Leben lang an Klaustrophobie gelitten." Außerdem habe sie ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), die Modekrankheit dieser Generation. In der ersten Nacht in der Zelle habe sie "schwere Panikattacken" gehabt, "ich schlief nicht, ich aß nicht". Willkommen in der schönen Welt von 2,3 Millionen US-Häftlingen! Sie vertrieb sich die leere Zeit mit Meditieren, Schreiben, Lesen.

Briefe von Fans, Briefe "von vielen Irak-Soldaten". Sie trug Kostproben ihrer Gefängnispoesie vor, verewigt auf gelben Notizzetteln: "Es ist kein Niedergang, kein Versagen, sondern ein neuer Anfang." Und: "Es ist nicht von Bedeutung, wie du hier hinkamst, sondern, was du als nächstes machst." Haft ist oft ein Auslöser für derlei New-Age-Ergüsse.

Insasse Nr. 9818783 war sie. Das steht jedenfalls auf den Quittungen des Gefängniskiosks, die hier natürlich längst kursieren. Deren Posten zeigen, wie sie sich dort sonst über Wasser hielt: Zeichentafel (4,30 Dollar), Hautcreme (1,55 Dollar), Augenbrauenstift, braun (1,75 Dollar), Vaseline (2,20 Dollar). Eine Bibel findet sich aber nicht.

Geläutert habe sie das Horrorerlebnis der 23 Tage. "Ich war in der Vergangenheit unreif und habe falsche Entscheidungen getroffen." Ja, sie liebe es auch weiter noch, auszugehen und zu feiern. Doch: "Ich sehe ein, dass es im Leben viele wichtigere Dinge gibt." Und dann: "Ehrlich gesagt, ich bin's leid. Es wird nicht mehr die Grundfeste meines Lebens sein."

"100 Prozent Hilton-frei"

Stattdessen wolle sie sich nun um Bedürftige kümmern. Etwa junge Mütter, die aus dem Gefängnis kommen und keine Bleibe haben. Ein Wohnheim vielleicht? Oder eher doch öffentliches Engagement gegen Trunkenheit am Steuer, die eigene Sünde? "Im Rampenlicht habe ich eine Plattform, mit der ich das Bewusstsein auf so viele tolle Sachen lenken kann statt auf Oberflächliches wie Ausgehen." Auf jeden Fall möchte sie jetzt so richtig in sich gehen. Beten und - sie betont das mehrere Male - noch mehr die Bibel lesen als bisher. "Ich bin immer religiös gewesen", und "jetzt noch mehr". Echte Neugeburt - oder übliches Läuterungsgeschwafel? Am Ende fragte King sie nach ihrer "Lieblingspassage in der Bibel". Da stutzte sie. Dachte nach.

Schielte zu den PR-Beratern. Seufzte. Nein: "Ich habe keine." Und damit verpuffte das neue Image schon wieder. Wobei inzwischen ja selbst die US-Klatschpresse langsam die Nase voll hat von der Saga.

"People" setzt Hilton zwar noch aufs Cover ("Meine Zeit hinter Gittern"), demütig und "mit erneuerten, blonden Hair Extensions".

Doch "Us Weekly", Hiltons bisher schrillste Fan-Postille, trägt morgen am Kiosk das böse Trotz-Logo: "100 Prozent Hilton-frei!" Die "arbeitsscheue" Dame sei out, postuliert die Redaktion: "'Us Weekly' gönnt Paris (und Ihnen) mal eine Pause. Vom Titelblatt bis zur letzten Rubrik wird es keine Erwähnung, kein Bild und nicht ein einziges 'That's hot' geben."

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