Zum Tod von Peaches Geldof Die Gejagte

Sie stand bei Partys ganz oben auf der Gästeliste, wurde von Paparazzi bis aufs Schulklo verfolgt: Peaches Geldof war lange das wichtigste britische It-Girl. Die Eskapaden ließen nach, das Image blieb. Nun ist sie mit 25 Jahren gestorben.

AFP

Von Gesa Mayr


Hamburg - "Warum geben Reiche und Berühmte ihren Kindern eigentlich so lächerliche Namen", schrieb Peaches Honeyblossom Geldof vor zehn Jahren in einer Kolumne für den "Daily Telegraph". Ihr Leben sei nämlich nicht immer so süß wie ein Pfirsich verlaufen. "Mein Name hat mich mein ganzes Leben verfolgt."

Peaches Geldof war eine Gejagte im britischen Promi-Zirkus, das It-Girl Großbritanniens, eine britische Paris Hilton. Ihr Job: was It-Girls eben so machen, DJane, Moderatorin, Kolumnistin. Daneben: viele Partys, viel Aufmerksamkeit, viele Skandale. Die Briten wuchsen mit Geldof in den Klatschspalten auf, und Geldof mit einem Paparazzi-Heer, das ihr bis auf die Schultoilette folgte, immer in der Hoffnung, sie möge im nächsten Moment etwas Ungezogenes tun.

Und Geldof lieferte einige Jahre zuverlässig, pöbelte gegen Victoria Beckham und Lily Allen, bestellte angeblich beim selben Drogendealer wie Amy Winehouse. Ladendiebstahl, Blitzhochzeiten, immer öfter waren es Leute wie Pete Doherty, die morgens mit ihr aus den Londoner Nachtlokalen stolperten. "Wild child" nennen die Briten jemanden von diesem Umtriebigkeitskaliber. Wildes Kind.

Tatsächlich war sie offenbar jedoch vor allem ein traumatisiertes Kind. In einem Interview mit "Elle" spricht sie 2012 von einer "erschreckenden und traurigen Kindheit". Nach der öffentlichen Scheidung ihrer Eltern, dem Musiker Sir Bob Geldof und der Moderatorin Paula Yates, lebt sie seit 1996 bei ihrer Mutter und deren neuem Partner, dem australischen Sänger der Band INXS, Michael Hutchence.

Hausaufgaben, Abendessen, schlafen

Als Peaches Geldof acht Jahre alt ist, wird der Stiefvater unter ungeklärten Umständen tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Knapp drei Jahre später stirbt ihre Mutter an einer Überdosis Heroin. "Meine Mutter, die wunderbar war, Erziehungsbücher schrieb und uns eine idyllische Kindheit in Kent ermöglichte, verwandelte sich in diese todunglückliche Hülle einer Frau, die Medikamente nahm, um durch den Tag zu kommen." Ruhig bleiben und weitermachen - das sei die Trauermentalität ihres Vaters in dieser Zeit gewesen. Nach dem Tod ihrer Mutter sei sie zur Schule gegangen. Ihr Leben habe aus Hausaufgaben, Abendessen, schlafen bestanden.

Später als Teenager begibt sich Geldof selbst auf die Jagd, sie scheint ständig auf der Suche. Nach der nächsten Party, dem nächsten Mann, dem nächsten kurzweiligen Anker in ihrem Leben. Nachdem sie angeblich jahrelang Scientology zugehörig ist, wird sie zeitweilig offenbar Anhängerin der Sekte Ordo Templi Orientis. Nachdem sie mit 17 Jahren offenbar einen Atemstillstand erleidet, prophezeit die britische Presse einmal mehr: Sie wird so enden wie ihre Mutter.

All das ändert sich, als Geldof mit 23 Jahren den drei Jahre jüngeren Rockmusiker Tom Cohen heiratet. Es scheint, als habe sich das It-Girl auf die glücklichen Jahre ihrer Kindheit besonnen. Sie heiraten christlich in der Kirche, in der ihre Eltern sich das Jawort gaben und die Trauerzeremonie für ihre Mutter stattfand. Sie ziehen nach Kent, ihr erstes Kind kommt zur Welt. Es sei wie eine Wiedergeburt gewesen, sagt Geldof über die Geburt ihres Sohnes Astala. "Ich dachte wirklich, in meinem Leben würde niemals etwas gut werden." Etwa ein Jahr später wird ihr zweiter Sohn Phaedra geboren. Das Paar erzieht die Kinder im jüdischen Glauben.

Schwieriges Erbe der Eltern

Doch trotz des neuen Lebenswandels bleibt das öffentliche Interesse an ihr, genau wie die Paparazzi. Ihr Erziehungsstil wird kritisiert, Geldof beginnt, sich in sozialen Netzwerken zu rechtfertigen. Gleichzeitig postet sie Hunderte Fotos von sich und ihrer Familie auf Instagram und Twitter. Privates nach außen sichtbar machen, so ist es Geldof gewohnt.

Eines der wenigen Dinge, denen sie treu bleibt, sind ihre scharfsinnigen Kolumnen. "Eines Tages werden wir auf das Verbot der Homosexuellen-Ehe zurückblicken, wie wir heute auf die Apartheid zurückschauen", schreibt sie 2012 im "Independent". Dass Homosexuelle nicht heiraten dürften, sei eine ebenso sinnlose Diskriminierung. Erst vor wenigen Wochen hatte sie als Autorin beim Magazin "Mother & Baby" angefangen. "Mutter zu werden, war, als würde ich endlich ich selbst", zitiert die "Daily Mail" aus einem nicht veröffentlichten Interview mit dem Magazin. Sie fühle sich endlich im Leben verankert.

In neueren TV-Interviews sieht sie allerdings nicht wirklich fit aus. Abgemagert und blass öffnet sie 2013 Reportern die Türen zu ihrem Haus in Kent, während der Aufnahmen wirkt sie fahrig. Die 25-Jährige stirbt am 7. April, laut Polizei ist es ein "ungeklärter und plötzlicher Tod". "Peaches Geldof hatte nie die Chance, dem Erbe ihrer Eltern zu entkommen", schreibt daraufhin der "Telegraph". Ein Schicksal, das Geldof offenbar bereits als 15-Jährige kannte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Geldof heiße mit vollem Namen Peaches Honeyblossom Michelle Charlotte Angel Vanessa Geldof. Ganz so viele Namen sind es nicht, wir haben dies korrigiert.



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