Ohne Arme und Beine Schwimmer quert Meere zwischen fünf Kontinenten

Das Vorhaben klang schier unmöglich, doch Philippe Croizon hat es geschafft: Obwohl ihm Arme und Beine fehlen, durchschwamm der Franzose vier Meerengen zwischen allen fünf Kontinenten. Die letzte Etappe meisterte er gegen starke Strömungen im nahezu eiskalten Wasser der Beringstraße.

AFP

Paris - Vier Kilometer gegen starke Strömung und bei extrem kalten Wassertemperaturen von vier Grad Celsius - das ist selbst für nichtbehinderte und trainierte Schwimmer eine extreme Herausforderung. Philippe Croizon hat diese Leistung vollbracht, obwohl ihm alle Gliedmaßen fehlen: Der vierfach amputierte Ausdauerschwimmer durchquerte am Freitag die Beringstraße zwischen Alaska und Russland. Für die Strecke von der US-Insel Little Diomede in Alaska und der russischen Ratmanow-Insel benötigte der Franzose rund 80 Minuten.

Mit diesem letzten Teilstück schloss Croizon sein Vorhaben erfolgreich ab: Er hat innerhalb nur weniger Monate alle Meerengen zwischen den Kontinenten durchquert. Begleitet wurde Croizon, der zum Schwimmen speziell angefertigte Prothesen und Schwimmflossen trägt, auf der gesamten Tour vom Langstreckenschwimmer Arnaud Chassery. Croizon dankte dem 35-Jährigen: "Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft."

Dabei waren die Bedingungen für den erfolgreichen Abschluss des Vorhabens alles andere als ideal. Wegen heftiger Stürme musste der Start in Alaska um einige Tage verschoben werden. "Das war die härteste Schwimmstrecke meines Lebens", sagte er nach seiner Ankunft auf der Ratmanow-Insel.

"Alles ist machbar, wenn man den Willen hat"

Croizon sagte, so wie Meerengen die Kontinente verbinden, wolle er die Menschen zusammenbringen. Er habe zudem bewiesen, dass es zwischen Menschen mit und ohne Behinderung keinen Unterschied geben müsse. Seine Weltumrundung sei daher eine Botschaft an alle Behinderten in der Welt: "Ich sage ihnen, alles ist möglich, alles ist machbar, wenn man den Willen hat, über sich selbst hinauszuwachsen."

Im Mai hatte Croizon gemeinsam mit Chassery die erste Etappe von Ozeanien nach Asien in Angriff genommen. Auch damals musste der Franzose gegen widrigere Bedingungen ankämpfen als befürchtet. Wegen starker Gegenströmungen brauchte er zermürbende siebeneinhalb Stunden für die 20 Kilometer lange Strecke von Papua-Neuguinea nach Indonesien.

Anschließend schwammen die Männer durch das Rote Meer zwischen Ägypten und Jordanien, um von Afrika nach Asien zu gelangen. Durch die Straße von Gibraltar von Spanien nach Marokko führte danach die Strecke zwischen Europa und Afrika.

Auch den Ärmelkanal hat Croizon durchquert

Croizon hatte seine Gliedmaßen 1994 mit 26 Jahren nach einem Unfall verloren: Der frühere Stahlarbeiter wollte auf dem Dach seines Hauses die Fernsehantenne austauschen und bekam dabei einen Stromschlag aus einer 20.000-Volt-Hochspannungsleitung ab. Angesichts der Verletzungen mussten die Ärzte nach und nach amputieren. Als letztes nahmen sie ihm das linke Bein ab. "Ich wollte sterben", sagte der Familienvater einmal der BBC.

Im Krankenbett sah er damals eine TV-Dokumentation über eine Frau, die den Ärmelkanal durchquert hatte. Er fasste neuen Mut und entschloss sich, trotz seiner Behinderung zu schwimmen - mit Erfolg: 2010 durchschwamm er als erster Mann ohne Gliedmaßen den Ärmelkanal.

fdi/dpa/AFP/sid

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
privado 18.08.2012
1. Was für eine Leistung
Es ist wirklich bewundernswert, was dieser Mann trotz seiner Behinderung vollbracht hat. Ein tolles Beispiel für alle Behinderten und ein wertvoller Beitrag zu einer besseren Akzeptanz behinderter Mitbürger.
ostborn 18.08.2012
2. Wenn Croizon das lesen sollte:
Hut ab ! Bin gleich in den Swimming Pool gesprungen.
MrSnoot 18.08.2012
3.
Zitat von privadoEs ist wirklich bewundernswert, was dieser Mann trotz seiner Behinderung vollbracht hat. Ein tolles Beispiel für alle Behinderten und ein wertvoller Beitrag zu einer besseren Akzeptanz behinderter Mitbürger.
Ich kann so etwas nicht so viel abgewinnen. Wieso muss er's jetzt als Behinderter allen beweisen? Ich vermute (weiß es aber nicht), dass er vor seinem Unfall nichts mit so einem Vorhaben am Hut hatte. Wieso muss er es dann jetzt tun? Wäre er als Gesunder die Strecke in "Normalzeit" geschwommen, wäre es genau so "bewundernswert". Aber da hätten ihn dann keine Kamerateams begleitet und überall über ihn berichtet. (P.S.: nein, ich würde es wohl auch mit zwei Armen und zwei Beinen nicht schaffen)
erdbeertoertchen 18.08.2012
4. Tolle Leistung ...
.. wenngleich die mächtigen Flossen beim Langstreckenschwimmen natürlich die fehlenden Beine überkompensieren. Dennoch, Hut ab vor seiner Willensstärke!
Selsya 18.08.2012
5. ...
Es ist absolut nicht in Abrede zu stellen, dass das eine Höchstleistung ist, aber trotzdem habe ich persönlich bei derartigen Berichten immer ein bischen Bauchschmerzen. Ich weiß ja nicht wie es anderen Menschen mit Behinderung geht, aber mich motivieren derartige Berichte nicht. Ich bin MS-Patientin und soweit noch ganz fit, ich kann einigermaßen normal laufen, auch ausreichend weit, wenn der Bus schneller war als ich auch mal 50 Meter rennen und ich traue mich ans Steuer meines Kfz. Sportlich wars das dann aber auch. Ich frage mich, warum immer nur der Sport herhalten muß wenn es darum geht Behinderten und Nichtbehinderten zu vermitteln, dass das Leben mit Behinderungen nicht weniger lebenswert und nicht weniger lustig sein muß als ohne - und der Wert des Einzelnen für die Gesellschaft nicht geringer. Gerade die DMSG transportiert dieses Bild in "Mutmach"-Geschichten auch häufig. Wie komme ich mir denn da vor? Ich war noch nicht auf dem Mount Everest, habe keine Meerengen durchschwommen obwohl ich noch alle Körperteile habe, bin nicht Weltmeisterin im Hiphoptanz oder im Rollstuhltanz, mache nicht trotz Seuche Parkour oder sonstwas (Beispiele aus dem Gedächtnis zitiert). Gehe ich nicht richtig mit meiner Krankheit um, weil sie mich noch nicht zu Höchstleistungen angestachelt hat? Soll man diesen Eindruck gewinnen? Denkt jemand über den Eindruck nach, den man von solchen Geschichten gewinnen KANN? Sollte man nicht normalere Beispiele wählen, wie ein erfülltes Leben mit Behinderung aussehen kann? Ich renne jeden Tag auf die Schaff. Vollzeit auf dem Jobcenter. Ein unspektaktulärer, aber notwendiger Job, der mir aber Spaß macht. Und stressig ist. Nach Feierabend begeistere ich mich für MMOs. Sowas dürfte man auf einer sich der Gesundheit widmenden Seite wohl gar nicht sagen, denn auf seinem Hintern zu sitzen, kann ja nicht gesund sein. Ich besuche Freunde, koche Essen, lese Bücher, sehe fern, gehe ab und an feiern. So normal. So unspektakulär. Und keine News. Auf dass sich jeder Behinderte weiter schlecht fühlen mag, weil er nicht Weltmeister in Irgendwas ist.
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