Französischer Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot

Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Er galt als Pionier der Prêt-à-porter-Mode und visionärer Designer.
Pierre Cardin (2016)

Pierre Cardin (2016)

Foto: FRANCOIS GUILLOT / AFP

Pierre Cardin ist tot. Wie die Familie des französischen Modeschöpfers der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, starb er am Dienstagvormittag im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus in Neuilly westlich von Paris.

Der Sohn italienischer Einwanderer galt als Pionier der Prêt-à-porter-Mode und visionärer Designer. Cardin gründete bereits 1950 sein eigenes Modehaus, in den folgenden Jahrzehnten baute er ein weltweites Unternehmensimperium auf. Dazu zählten auch mehrere Nobelrestaurants. Er erfuhr zahlreiche Ehrungen wie etwa die Aufnahme in die französische Ehrenlegion.

Cardin galt neben Paco Rabanne und André Courrèges als Erfinder der futuristischen Mode. So schickte er Anfang der Sechzigerjahre seine Mannequins in astronautenähnlichen Anzügen und mit Helm über den Laufsteg.

Als Erster seiner Branche hat Cardin Mode für die Masse entworfen – und wie kein anderer seinen Namen weltweit vermarktet. Bis ins hohe Alter hinein entwarf er Kollektionen. Zu seinen erfolgreichsten Kreationen gehörten geometrisch geschnittene Minikleider mit Schießscheibenmustern und Röcke mit Vinylstreifen.

Der Designer wurde am 2. Juli 1922 in Italien geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging er nach Paris und begann als Modezeichner im Haus Paquin. Nur kurze Zeit später wechselte er zu Christian Dior, wo er 1947 bei der Kreation des legendären »New Look« mitwirkte. Drei Jahre später schon gründete er sei eigenes Haute-Couture-Unternehmen.

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Pierre Cardin – Visionär mit Geschäftssinn

Foto: JOSEP LAGO / AFP

Cardin wurde damit zu einem der reichsten Männer Frankreichs. Der Nachwelt hinterlässt er ein Modeimperium aus Hunderten Fabriken und Lizenzen weltweit. Aus seinem Reichtum hat er nie einen Hehl gemacht: Er könne sich alles leisten, wie er einst in einem Interview erklärte.

Und so kaufte er im Mai 2001 das Schloss des freidenkenden Grafen und Schriftstellers Marquis de Sade im südfranzösischen Lacoste, ließ sich das futuristische Ferienhaus Palais Bulles an der Côte d'Azur erbauen, eine der teuersten Villen Frankreichs, und eröffnete in Paris sein eigenes Museum. Denn für den steinreichen Schneidermeister war Mode zwar ein Handwerk, vor allem aber Kunst.

»Ich wache auf, mache das Licht an, zeichne und schreibe.«

Pierre Cardin

Cardin war ein Arbeitstier, dem die Ideen nie ausgingen. »Wenn es Nacht ist, sehe ich Formen, Materialien, Farben. Ich wache auf, mache das Licht an, zeichne und schreibe.«

Allerdings nutzte sich Cardins klangvoller Name durch die zahlreichen Lizenzverträge ab. Als der Designer 2011 versuchte, sein Modelabel zu verkaufen, fand er keinen Käufer.

Dennoch bleibt Cardin für seinen kreativen und unternehmerischen Erfindungsreichtum in Erinnerung. »Wir sind alle stolz auf seinen hartnäckigen Ehrgeiz und den Wagemut, den er sein ganzes Leben lang bewiesen hat«, erklärte seine Familie zum Abschied. Cardin sei ein moderner Mann »mit zahlreichen Talenten und unerschöpflicher Energie« gewesen.

Cardin hinterlässt keine Kinder. Er hatte sowohl zu Frauen als auch zu Männern Beziehungen. Vier Jahre lang verband ihn eine Liebesgeschichte mit der französischen Filmikone Jeanne Moreau.

bbr/wit/AFP/Reuters/dpa
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