Pikante Memoiren Prostituierte packt über Berlusconi aus

Für Silvio Berlusconi geht es ans Eingemachte: Seine einstige Gespielin Patrizia D'Addario, ein Callgirl aus Süditalien, hat ihre Memoiren verfasst. Darin berichtet sie von ausschweifenden Partys im Regierungspalast, geklauten BHs und inwieweit sie von Berlusconi betrogen wurde.

AP

Rom - Dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gelingt es nicht, die langen Schatten seiner Eskapaden abzuschütteln: Seit Dienstag sind in Italien die Memoiren seiner angeblichen Ex-Geliebten Patrizia D'Addario im Handel. In dem Buch "Gradisca, Presidente" (ironisch übersetzbar als "Mit besten Grüßen, Herr Präsident" oder auch "Genießen Sie es, Herr Präsident") rückt das ehemalige Callgirl auf 242 Seiten dem 73 Jahre alten Medienmogul zu Leibe.

Neben der eigenen wilden Lebensgeschichte erzählt die Süditalienerin detailliert von Partys im Regierungspalast, ihrer Nacht mit dem Premierminister und erhebt schwere Anschuldigungen gegen diesen. Berlusconi habe sie betrogen, schreibt das ehemalige Callgirl.

Bereits im Juni hatte die 42-Jährige in einem Interview und später auch vor Ermittlern berichtet, dass sie im vergangenen Herbst gemeinsam mit dem mit Berlusconi befreundeten Unternehmer Gianpaolo Tarantini zu zwei Partys in Berlusconis Privatresidenz Palazzo Grazioli eingeladen worden sei.

Dafür seien ihr 2000 Euro versprochen worden. Da sie bei Berlusconi nicht übernachtet hatte, wurden ihr angeblich nur 1000 Euro gezahlt. Ein zweites Mal habe sie bei Berlusconi die Nacht verbracht, aber dafür kein Geld bekommen.

Zudem sei sie seit Bekanntwerden des Skandals gezielt eingeschüchtert worden und fühle sich bedroht. Sogar ihre Wohnung sei geplündert worden, berichtet sie. Erst kürzlich habe sie "merkwürdige" Drohungen erhalten. "Ich habe jetzt wirklich Angst", berichtet d'Addario. Ihre Wohnung sei von Unbekannten geplündert worden. Diese hätten sogar Unterwäsche, BHs, Schuhe und ihre Tagebücher mitgenommen.

"Ich habe ihm meinen Körper gegeben, er (gab mir) nichts"

D'Addario hatte mit ihren Enthüllungen bereits im Vorfeld des Buches einen Skandal in Italien ausgelöst, als sie von einer Nacht mit Berlusconi in dessen römischer Residenz berichtete. Als Beweis führte sie eine Tonbandaufnahme aus jener Nacht an. Der 73-jährige Regierungschef bestreitet, d'Addario bezahlt zu haben. Das erklärt nun auch die Edel-Prostituierte. Allerdings soll ihr Berlusconi Hilfe bei der Eröffnung eines Hotels in ihrem Heimatort zugesagt haben. "Ich habe ihm meinen Körper gegeben, er (gab mir) nichts", schreibt d'Addario.

Aufgelegt wurden mittlerweile 15.000 Exemplare des Buchs, das D'Addario mit der Journalistin Maddalena Tulanti geschrieben hat. "Die ganze Wahrheit der berühmtesten Escort Lady der Welt", heißt es auf der Titelseite, auf dem ein Foto der blonden und attraktiven Edelprostituierten zu sehen ist. Gedruckt wird sie vom italienischen Verlag Aliberti, der sofort eine zweite Auflage veröffentlichen will, sollte das Buch erfolgreich sein. "D'Addario ist kein Callgirl, sie ist viel mehr. Ihr Leben ist eine symbolische Geschichte rund um das Thema der Rolle der Frauen, ihres Körpers und ihrer Würde im heutigen Italien", sagte Tulanti.

"Jemand wird behaupten, dass ich meinen Körper benutzt habe, um die Gunst eines Mächtigen zu erhalten. Ich fühle mich mit meinem Gewissen im Reinen", schrieb D'Addario.

Aus dem Buch soll zudem auch ein Film werden. Die Dreharbeiten werden Ende dieses Monats in der süditalienischen Hafenstadt Bari, der Heimatstadt D'Addarios, beginnen. Das Callgirl soll darin sich selbst spielen. Weitere Frauen, die zu Berlusconis Partys eingeladen wurden, sollen im Film auftreten. Produziert wird der Film vom größten privaten TV-Kanal Süditaliens, Telenorba. D'Addario hatte kürzlich betont, sie hoffe auf eine TV-Karriere.

Berlusconi hatte in den vergangenen Monaten zugegeben, kein Heiliger zu sein, jedoch stets bestritten, jemals für Sex bezahlt oder ein amouröses Verhältnis mit Minderjährigen gehabt zu haben, was ihm ebenfalls vorgeworfen wurde. Seine Frau Veronica Lario hat sich im Frühjahr wegen dessen Vorliebe für junge Frauen von dem Medienunternehmer getrennt und will sich scheiden lassen.

jjc/dpa/AP

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.