Premiere "Playboy" zeigt erstmals Frau mit Hidschab

Noor Tagouri ist jung, sexy und mag ihren Hidschab. Jetzt ließ sie sich für den "Playboy" in den USA ablichten - und erntete nicht nur Lob.

Hidschab-Aktivistin Noor Tagouri
Getty Images

Hidschab-Aktivistin Noor Tagouri


Schwarze Lederjacke, weiße Converse-Sneaker und ein grünlich schimmerndes Kopftuch: So präsentiert sich die 22-jährige Noor Tagouri in einer aktuellen Sonderausgabe des "Playboy". Die US-Journalistin posiert lässig und frech, sie will mit den Fotos laut eigener Aussage gängige Klischees aus dem Weg räumen.

Weil sie die erste Frau mit Hidschab in einer Sonderausgabe des Männermagazins ist, sorgt ihr Einsatz für Aufmerksamkeit - obwohl sie schon 2012 mit einem Post als erste Hidschab tragende Nachrichtensprecherin beim Sender ABC 7 für Furore gesorgt hatte. Unter dem Hashtag #LetNoorShine fordert sie seitdem ihre Follower auf, die eigene Identität nicht zu verleugnen und persönliche Träume zu verfolgen.

Mit dem US-"Playboy" sprach sie über anti-muslimische Tendenzen in der Gesellschaft und die Rolle der Frauen. "Tagouri bringt uns dazu, uns die Frage zu stellen, warum wir noch immer Probleme haben, uns daran zu gewöhnen, dass es junge Frauen gibt, die bewusst ihren Kopf verhüllen", schreibt das Männermagazin, das seit 2015 in den USA keine Nacktfotos mehr abdruckt.

Die Journalistin hat libysche Wurzeln und an der Universität von Maryland ihren Abschluss gemacht. Neben viel Lob gab es auch jede Menge Kritik für ihre Awareness-Kampagne. Frauenrechtsaktivisten warnten vor naiver Kopftuch-PR und erinnerten daran, dass es auch Musliminnen gebe, die mit Gewalt von Vätern, Brüdern und Ehemännern gezwungen würden, den Hidschab zu tragen. Konservative Muslime hingegen verunglimpften Tagouri in den sozialen Netzwerken als "Schlampe".

Die 22-Jährige versucht, solche Kommentare zu ignorieren: "Das ist nur negative Energie und ungesund. Ich sorge dafür, dass ein großer Kreis von Leuten um mich ist, die mich erden", sagte sie.

Auf Instagram gab sich Tagouri kämpferisch: "Wir müssen für die 10.000 leben, die vor uns gekommen sind, die es einfacher gemacht haben für uns, dahin zu kommen, wo wir heute sind. Aber auch für die 10.000, die nach uns kommen, damit wir Grenzen einreißen und unsichtbare Barrieren durchbrechen können und unsere Macht beanspruchen."



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