Pleiteskandal Franjo Pooth übertrug Grundstück auf Verona

Anrüchiger Deal: Wenige Monate vor dem Insolvenzantrag hat Franjo Pooth ein auf drei Millionen Euro geschätztes Grundstück an seine Frau Verona übertragen. Dabei sollte das Gelände am Düsseldorfer Rheinufer laut Ermittlern ursprünglich als Sicherheit für Kredite an seine Pleitefirma Maxfield dienen.


Düsseldorf - Die Überschreibung des Rheinufergrundstücks im Düsseldorfer Vorort Meerbusch soll Ende August 2007 erfolgt sein. Zu dem Zeitpunkt war das Unternehmen Maxfield nach Angaben des Insolvenzverwalters schon überschuldet. Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sagte, ursprünglich habe das Grundstück wohl als Sicherheit für Kredite für Maxfield dienen sollen - dann allerdings habe Pooth es auf seine Ehefrau übertragen.

Strafrechtlich sei dies nicht zu beanstanden, da man als Gesellschafter einer GmbH nur mit seiner Einlage hafte - das Grundstück aber zu Pooths Privatvermögen gehört habe. Die Maxfield-Gläubiger seien dadurch nicht geschädigt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb gegen Pooth zwar wegen des Verdachts der Bestechung und der Insolvenzverschleppung, allerdings nicht wegen des Grundstücks. "Wir sehen in der Übertragung keinen Anlass für Ermittlungen, weil es sich nicht um Firmenvermögen gehandelt hat", sagte der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und bestätigte damit einen "Focus"-Bericht.

Ob die Übertragung zivilrechtlich angegriffen werden kann, blieb am Freitag zunächst unklar.

Ein Sprecher Verona Pooths äußerte sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bis zum Abend nicht zu den Vorgängen.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Pooth bei seinen Gläubigern offenbar tiefer verschuldet ist, als die Öffentlichkeit bisher wusste. Maxfield-Insolvenzverwalter Michael Bremen berichtete, insgesamt hätten 461 Parteien Forderungen von knapp 27 Millionen Euro angemeldet. Nach vorläufiger Prüfung seien Forderungen von mehr als 19 Millionen Euro berechtigt.

Die Forderungen umfassen Millionenkredite von Banken ebenso wie Schadenersatzforderungen von 356 Kleingläubigern wegen defekter MP3-Spieler. Derzeit hätten die Gläubiger aber nur die Aussicht auf Zahlung einer "marginalen Quote", berichtete Bremen anlässlich der Gläubigerversammlung in Düsseldorf. Sie dürften also kaum etwas von ihrem Geld wiedersehen.

Sein Hauptaugenmerk will der Insolvenzverwalter auf die Verwertung des vorhandenen Vermögens unter Einschluss der Markenrechte und die Durchsetzung gesellschafts- und insolvenzrechtlicher Haftungsforderungen legen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage, wann die Zahlungsunfähigkeit der Elektronikfirma eintrat.

"Die Ertrags- und Vermögenslage der Maxfield GmbH ist in den Jahren 2006 und 2007 von erheblichen Verlusten und einer bilanziellen Überschuldung gekennzeichnet", teilte der Anwalt mit. Die bisher gewonnen Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die Insolvenzreife schon Mitte 2007 eingetreten sei. Tatsächlich angemeldet wurde die Pleite aber erst im Januar dieses Jahres.

Dies könnte nicht zuletzt von strafrechtlicher Bedeutung sein. Der Insolvenzverwalter rechnet mit einer Verfahrensdauer von mindestens zwei Jahren.

jdl/dpa/AP



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