Polizistenbeleidigung Bushido muss Geldstrafe zahlen

Bushido muss 10.500 Euro Strafe zahlen: Der Rapper hatte zwei Polizisten beschimpft und als "Hampelmann" und "Affe" tituliert. Seine Pöbeleien gegenüber Teilnehmern einer Alternativdemonstration zum Christopher Street Day kosteten ihn dagegen keinen Cent.

Bushido bei der Film-Promo: Wegen Beleidigung muss er 10.500 Euro zahlen
DPA

Bushido bei der Film-Promo: Wegen Beleidigung muss er 10.500 Euro zahlen


Berlin - Ungewohnt kamerascheu gab sich der ansonsten wenig schüchterne Rapper Bushido am Freitag vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin. Der Prozess gegen ihn hatte längst begonnen, als der 31-Jährige verspätet den Gerichtssaal betrat, um dem Blitzlichtgewitter der wartenden Pressefotografen zu entgehen. In Bluejeans, rotem T-Shirt und Kapuzenjacke nahm der Musiker vor seinem Verteidiger Platz.

Der wegen seiner rüpelhaften und teils auch schwulenfeindlichen Texte umstrittene Musiker setzte sich vor Gericht gegen einen Strafbefehl juristisch zu Wehr. Wegen vierfacher Beleidigung sollte er 18.000 Euro zahlen. Der Deutsch-Tunesier wurde beschuldigt, Ende Mai vergangenen Jahres zwei Polizisten in Kreuzberg bei einer Verkehrskontrolle als "Hampelmann" und "Affe" beleidigt zu haben. In einem weiteren Fall ging es um angebliche sexistische Beschimpfungen zweier Teilnehmer einer Alternativdemonstration zum Christopher Street Day (CSD) Ende Juni vergangenen Jahres in Kreuzberg.

Seinen Einspruch gegen die Geldstrafe hatte Bushido wenige Tage vor Prozessbeginn allerdings teilweise zurückgenommen. Die Strafe für die beleidigenden Äußerungen gegenüber den Beamten hatte er akzeptiert und muss daher nun 10.500 Euro zahlen. "Den anderen Fall konnte ich nicht auf mir sitzenlassen. Das war keine Frage des Geldes, sondern der Ehre", erklärte Bushido dazu.

Nach vierstündiger Verhandlung wurde das Verfahren im zweiten Beleidigungsfall am Freitag im Hinblick auf die andere Strafe eingestellt. Bushido hatte vor Gericht eingeräumt, dass "das eine oder andere Schimpfwort" am Rande der Alternativ-Demo gefallen sei, weil er mit Bechern beworfen worden sei.

"Jeder Becher, der flog, wurde wie ein Tor im Fußballstadion bejubelt"

Der Musiker hatte eigenen Angaben nach mit weiteren sieben Personen beim Essen in einem Imbiss an der Schlesischen Straße gesessen, als sich der Demonstrationszug näherte. "Der Redeführer hat mich dann erkannt und fing an, mich vorzustellen", berichtete Bushido. Dabei seien Schimpfwörter wie "Arschloch", "Nazi" und "homophober Gangsterrapper" gefallen. Schließlich habe der Zug gestoppt, mehrere Teilnehmer der Demonstration für Rechte von Homosexuellen hätten ihn umkreist und er sei mit Getränken beworfen worden.

"Jeder Becher, der flog, wurde wie ein Tor im Fußballstadium bejubelt", sagte der Musiker. Er habe eine Eskalation befürchtet. Das sei letztlich auch der Grund gewesen, warum er "mit geschwollener Brust" vom Platz aufgestanden sei. Er habe dann auch geschrien. Dabei könnten durchaus Schimpfwörter gefallen sein, räumte Bushido ein. Die Beleidigung hätte sich aber nicht an eine bestimmte Person gerichtet. Er sei einfach aufgebracht gewesen.

Zwei Organisatoren der Demonstration, die in diesem Moment auf den bekannten Rapper zukamen, gaben im Prozess an, sie hätten ihn beruhigen wollen. Dabei seien "schlimme, diskriminierende und extrem frauenfeindliche Ausdrücke gefallen". Beide Zeugen fühlten sich von dem Rapper persönlich angesprochen und hatten daher Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. Zur Vorgeschichte konnten sie allerdings keine Angaben machen. Von den Provokationen hatten sie eigenen Worten zufolge erst im Nachhinein gehört. Ein Kollege Bushidos bestätigte allerdings dessen Angaben vor Gericht. Auch sein Verteidiger hatte zum Beweis aus Internetberichten zur Demonstration zitiert.

In der Vergangenheit war Bushido mit seinen schwulenfeindlichen Liedtexten aufgefallen. Homosexuelle hatten deswegen im Sommer 2007 gegen einen Auftritt des Musikers am Brandenburger Tor demonstriert, was der Rapper mit ausgestrecktem Mittelfinger und obszönen Äußerungen quittierte.

Auf Nachfrage betonte Bushido allerdings nach Verhandlungsende: "Natürlich habe ich nichts gegen Schwule und Lesben. Ich bin zufrieden, dass dieses Missverständnis im Prozess aufgeklärt werden konnte."

jjc/dpa/ddp

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