Missbrauchsvorwürfe Prinz Andrew will sich Geschworenenprozess in den USA stellen

Zuletzt war er mit dem Versuch gescheitert, eine Zivilklage zu stoppen – nun lenkt Prinz Andrew ein und will sich in den USA vor Gericht verantworten. Eine außergerichtliche Einigung ist aber offenbar nicht ausgeschlossen.
Prinz Andrew mit seinem mutmaßlichen Opfer Virginia Giuffre sowie Ghislaine Maxwell (undatiertes Foto)

Prinz Andrew mit seinem mutmaßlichen Opfer Virginia Giuffre sowie Ghislaine Maxwell (undatiertes Foto)

Foto: US District Court / SDNY / AFP

Der britische Prinz Andrew will sich im Rechtsstreit um Missbrauchsvorwürfe einem Geschworenenprozess stellen. Das geht aus einem Dokument hervor, das seine Anwälte am Mittwoch vor Gericht in New York einreichten. Dabei handelt es sich um eine formelle Antwort Andrews auf die Klage der US-Amerikanerin Virginia Giuffre, die US-Rechtsexperte Neama Rahmani zufolge so zu erwarten war. Eine außergerichtliche Einigung werde damit nicht ausgeschlossen.

Klägerin Virginia Giuffre wirft Andrew vor, sie als Minderjährige vor rund 20 Jahren mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie gibt an, zuvor Opfer eines von dem früher mit Andrew befreundeten US-Multimillionär Jeffrey Epstein und seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Andrew streitet alle Vorwürfe kategorisch ab.

In dem vor einem Bundesgericht in Manhattan eingereichten Dokument werden elf Gründe aufgeführt, warum die Klage abgewiesen werden sollte.

Der 61-Jährige war zuletzt mit dem Versuch gescheitert, die Zivilklage per Antrag zu stoppen. Die Queen hatte ihrem zweitältesten Sohn nach Forderungen aus dem Militär alle militärischen Dienstgrade und Schirmherrschaften entzogen und sich damit deutlich von ihm distanziert. Auch auf die Anrede »Königliche Hoheit« muss er verzichten. Andrew werde sich in dem US-Prozess als privater Bürger verteidigen und weiterhin keine öffentlichen royalen Aufgaben mehr übernehmen, teilte der Buckingham-Palast Mitte Januar mit.

Falls es zu einem Zivilprozess kommt, könnte dieser noch dieses Jahr stattfinden. Gegen Andrew gibt es bisher keine offiziellen strafrechtlichen Ermittlungen. Doch der Schaden für seinen Ruf – und den des Königshauses – ist schon jetzt beträchtlich. Bereits Ende 2019 legte Andrew seine öffentlichen Aufgaben für die Royals nieder. Organisationen, denen er als Schirmherr gedient hatte, distanzierten sich reihenweise von ihm.

Zuvor hatte er in einem BBC-Interview versucht, sich zu rechtfertigen – doch der Schuss ging nach hinten los. Seine Erklärungen klangen unglaubwürdig und verschlimmerten die Lage nur noch.

sol/dpa