SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

16. Mai 2019, 15:14 Uhr

Erfolgreiche Klage

Fotos von Schlafzimmer veröffentlicht - Agentur zahlt Prinz Harry Entschädigung

Ein Haus von Prinz Harry und Herzogin Meghan liegt abgeschieden, Paparazzi haben keinen Zutritt. Einer Agentur gelang es trotzdem, Fotos von dem Anwesen zu veröffentlichen. Nun muss sie dem Paar eine Entschädigung zahlen.

Sie flogen mit einem Helikopter über das Anwesen und veröffentlichten Fotos des Zuhauses: Prinz Harry ist gegen eine Agentur vorgegangen, die gegen die Privatsphäre seiner Familie verstoßen hat.

In einem Statement, das der Buckingham Palace veröffentlichte, teilte der Anwalt des Prinzen mit, dass Harry die angebotene Entschädigung und Entschuldigung der Agentur akzeptiert habe. Wie hoch die Summe ist, wurde nicht mitgeteilt.

Der Anwalt machte darauf aufmerksam, welche Auswirkungen die Fotos auf das Leben der Familie hätten. Vor eineinhalb Wochen brachte Harrys Frau, Herzogin Meghan, den gemeinsamen Sohn Archie zur Welt.

Im Januar waren Mitarbeiter der Agentur über das Anwesen von Prinz Harry und Meghan in Oxfordshire geflogen und hatten Fotos davon gemacht. Mit der Veröffentlichung der Fotos sei die Sicherheit und der Schutz des Prinzen und seines Zuhauses untergraben worden, sagte der Anwalt. "Sie werden nicht länger in diesem Anwesen wohnen können."

Dabei sei das Anwesen ausgewählt worden, um Prinz Harry und seiner Frau ein hohes Level an Privatsphäre zu ermöglichen. Das Haus, welches das Paar zeitweise bewohnte, liege abgeschieden, umgeben von Farmland, zu dem Fotografen keinen Zugang hätten. Inzwischen leben Harry und Meghan mit ihrem kleinen Sohn Archie in Frogmore Cottage auf dem Gelände von Schloss Windsor.

Die Agentur, welche die Fotos des Anwesens sowie Bilder vom Esszimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer des Paares veröffentlicht hatte, kündigte Konsequenzen an. Man habe Schritte eingeleitet, damit Vorfälle wie diese sich nicht mehr wiederholten.

Spätestens seit der Bestätigung ihrer Beziehung werden Prinz Harry und Herzogin Meghan von den Medien verfolgt. Schon damals wehrte sich der Prinz gegen die Einmischung der Medien in sein Privatleben. "Seine Freundin Meghan Markle ist Opfer einer Welle von Beschimpfungen und Belästigungen geworden", heißt es im November 2016 in einem Statement von Harrys Sprecher. Es sei eine rote Linie überschritten worden. Reporter hätten versucht, in die Wohnung Markles einzudringen, hätten ihren Ex-Freunden Geld für Informationen geboten, hätten nahezu jeden Freund und Arbeitskollegen mit Anfragen bombardiert.

Die Hochzeit des Paares und die Ankündigung, dass es ein Kind erwarte, erhöhte das Interesse der Medien weiter. Vor allem die Boulevardmedien verbreiteten jede Menge Gerüchte. Das kritisierte auch George Clooney. "Sie verfolgen Meghan Markle einfach überall", sagte der Schauspieler dem australischen "Who"-Magazin im Februar. "Sie ist eine Frau, im siebten Monat schwanger, und sie wurde gejagt und verunglimpft und verfolgt auf die gleiche Weise wie Diana", sagte der 57-jährige Schauspieler demnach. "Die Geschichte wiederholt sich."

Harry und sein älterer Bruder William, der Zweite in der britischen Thronfolge, haben von jeher eine angespannte Beziehung zur Presse. Ihre Mutter, Prinzessin Diana, starb 1997 in Paris bei einem Autounfall, als sie von Paparazzi auf Motorrädern verfolgt wurde.

Auch Prinz Williams Frau, Herzogin Catherine, ging bereits gegen ein Klatschmagazin vor. "Closer" hatte im Sommer 2012 Fotos der Herzogin veröffentlicht, die sie nur mit einem Bikinihöschen bekleidet auf der Terrasse eines luxuriösen Privatanwesens in der südfranzösischen Provence zeigen. Im September 2017 wurden zwei Verantwortliche des Magazins zu Zahlungen von jeweils 45.000 Euro verurteilt. Das Gericht sprach Catherine und ihrem Ehemann zudem wegen Verletzung ihrer Privatsphäre jeweils mehr als 50.000 Euro Schadensersatz zu.

sen/AP/Reuters/dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung