Kaum ist Prinz Harry, 28, von seinem zweiten Einsatz in Afghanistan zurück in England, deutet er gegenüber britischen Medien an, auf Taliban geschossen und sie getötet zu haben. Insgesamt vier Monate war er im südafghanischen Helmand stationiert, als Co-Pilot eines "Apache"-Kampfhubschraubers.
Über seinen Auftrag in der unruhigen Provinz sagte er der BBC: "Wenn da Leute sind, die unseren Jungs etwas Böses wollen, dann nehmen wir sie aus dem Spiel." Es sei darum gegangen, "ein Leben zu nehmen, um eines zu retten". Auf die Frage der Nachrichtenagentur Press Association, ob er als Bordschütze auch getötet habe, sagte er: "Ja, so wie viele andere auch." Wer versucht habe, seinen Kameraden etwas anzutun, sei "ausgeschaltet worden".
Die Taliban reagierten am Dienstag mit Spott auf die Interviews der Nummer drei in der britischen Thronfolge. "Prinz Harry ist ein jämmerlicher Feigling. Kein anständiger Krieger mit ein bisschen Ehre im Leib würde so prahlen", sagte ein afghanischer Taliban-Sprecher SPIEGEL ONLINE am Telefon. "Warum traut er sich eigentlich erst an die Öffentlichkeit, nachdem er zurück in seinem Palast ist?"
Tatsächlich wurde Prinz Harry mehrfach während seiner Zeit in Afghanistan von Journalisten interviewt. Die Gespräche durften aber aus Sicherheitsgründen erst jetzt veröffentlicht werden. Er hatte wiederholt betont, er werde "nicht anders behandelt" als alle anderen Soldaten.
Ein anderer Taliban-Kommandeur sagte SPIEGEL ONLINE, ihm fehlten die Worte "bei so viel Naivität". "Dass die Nato solche Leute nach Afghanistan schicken muss, zeigt, wie schlimm es um sie bestellt ist. Haben die keine besseren Leute?", höhnte er. Die Äußerungen des Prinzen seien derzeit "der Renner" unter den Taliban und würden "mit großem Gelächter" aufgenommen. Man würde sich die Zitate per SMS herumschicken. Sie bestätigten das Gefühl, dass die Nato "keinen blassen Schimmer von den Befindlichkeiten der Menschen in Afghanistan" habe.
"Der Einsatz in Afghanistan ist kein Spiel"
Auch bei der Nato stießen die Worte Prinz Harrys auf Kritik, vor allem seine Äußerung, er sei wegen seiner Leidenschaft für Computerspiele ein besonders guter Schütze gewesen. "Es ist ein großer Spaß für mich, weil ich einer jener Leute bin, die gerne Playstation und Xbox spielen. Deshalb glaube ich, dass ich einen recht brauchbaren Daumen habe", sagte Prinz Harry.
"Er mag das im Spaß gesagt haben, aber der Eindruck ist verheerend", sagte ein Bundeswehroffizier in Kabul. "Der mehr als zehn Jahre andauernde Einsatz in Afghanistan ist kein Spiel." Ein britischer Offizier im Nato-Hauptquartier in Kabul erklärte, es sei "problematisch", den Krieg in Afghanistan in irgendeiner Form mit Computerspielen zu vergleichen. "Das degradiert nicht nur die Leistungen der Soldaten im Einsatz. Es zeigt auch keinen Respekt vor den Afghanen, denen wir helfen wollen."
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Prinz Harry in Afghanistan: Fünf Monate war er in der Provinz Helmand im Einsatz.
Das britische Verteidigungsministerium veröffentlichte nun Bilder von Harrys Einsatz - zusammen mit der Meldung, dass der 28-Jährige wieder heil in seine Heimat zurückgekehrt ist.
Harrys 100 Mann starke Schwadron leistete Hubschrauber-Unterstützung für die internationale Schutztruppe Isaf und die afghanische Armee. Dazu gehörten Überwachungs- und Begleitflüge, aber auch Abschreckung und wenn nötig Kampfeinsätze.
Diese Aufnahme, die im Dezember 2012 in Afghanistan aufgenommen wurde, zeigt Prinz Harry an seinem Arbeitsplatz, einem "Apache"-Kampfhubschrauber.
Weitere Bilder zeigen, wie die Soldaten zwischendurch entspannen, aber immer in Bereitschaft sind und...
...im Fall eines Einsatzes aus dem Lager zu ihrem Hubschrauber rennen. Ingesamt 20 Wochen war Harry laut britischem Verteidigungsministerium in Camp Bastion im Süden Afghanistans stationiert.
Die nun veröffentlichten Bilder zeigen auch andere Seiten des Camp-Alltags: Harry mit einer Nikolausmütze am 12. Dezember. Eines der "besten" Dinge an dem Einsatz in dem vom Krieg gezeichneten Land sei gewesen, dass er "weit weg von all den Medien zu Hause" gewesen sei, sagte Harry nach seiner Rückkehr dem Sender ITV. Die Medien seien "einer der wirklich negativen Aspekte" Großbritanniens.
Im Dezember besuchten Journalisten Harry im Camp Bastion und machten diese Aufnahme von seinem "Privatbereich".
Zur Entspannung widmen sich "Captain Wales", wie Harry als Offizier genannt wird, und seine Kameraden Computerspielen.
Über seinen älteren Bruder William, der mit seiner Frau Catherine ein Kind erwartet, sagte Harry, dieser wäre ebenfalls gern nach Afghanistan gegangen.
So sieht Prinz Harry in zivil aus: Mitte Januar wurde der Dritte in der englischen Thronfolge von einem Magazin zum begehrtesten Junggesellen der Welt gewählt.
Während seiner Zeit in Afghanistan musste Harry als Co-Pilot "Apache"-Kampfhubschrauber fliegen.
Im Camp Bastion, wo Harry stationiert war, lebte er nach eigenen Angaben "so normal wie möglich".
Anfang September war Harry zu dem Einsatz berufen worden, kurz nach seiner Ankunft wurden diese Filmaufnahmen gemacht. "Captain Wales" war bereits 2008 in den Krieg am Hindukusch geschickt worden. Damals hatten aber britische Medien den eigentlich geheim gehaltenen Einsatz öffentlich gemacht, das Verteidigungsministerium holte ihn dann nach nur zehn Tagen zurück. Es war befürchtet worden, dass Harry und seine Einheit aus Propagandagründen zum Ziel von Taliban-Angriffen werden könnten.
Für ihn sei die Arbeit bei der Armee wie für jeden anderen auch, sagte Harry. "Ich bin einer der Jungs, ich werde nicht anders behandelt als die anderen."
Harry im November 2012 in Afghanistan: Diesmal hatte die britische Armee den Einsatz der Nummer drei in der britischen Thronfolge von Anfang an öffentlich gemacht. Nach dem ersten abgebrochenen Einsatz hatte sich der Prinz enttäuscht gezeigt und immer wieder den Wunsch geäußert, seinen Einsatz vollenden zu können.
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