Prinz Harry über das royale Leben »Wie eine Mischung aus ›Truman Show‹ und Zoo«

2020 zogen sich Harry und Meghan aus dem britischen Königshaus zurück. Nun berichtet der Prinz von Versteckspielen beim Einkaufen – und dass er schon viel früher einen Ausstieg erwog.
Prinz Harry beim Wohltätigkeitskonzert »Vax Live« Anfang Mai: Einkäufe mit Meghan in unterschiedlichen Gängen stehend per SMS diskutiert

Prinz Harry beim Wohltätigkeitskonzert »Vax Live« Anfang Mai: Einkäufe mit Meghan in unterschiedlichen Gängen stehend per SMS diskutiert

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Jordan Strauss / dpa

In Großbritannien hat der Ruf von Prinz Harry und Herzogin Meghan nach einem Interview über angeblichen Rassismus in der britischen Königsfamilie bereits schwer gelitten. Doch der 36-Jährige, der sich mit seiner Frau vor etwas mehr als einem Jahr von seinen royalen Pflichten verabschiedete, packt weiter über die Schattenseiten des Lebens als Enkel von Queen Elizabeth II. aus.

Er sei froh, dass er nach dem Umzug in die USA wieder ein weitgehend normales Leben führen könne, sagte Harry in einer neuen Folge des Podcasts »Armchair Expert« . Es sei eine schwere Bürde, Teil der königlichen Familie zu sein.

Sein Leben als Mitglied der Royal Family in Großbritannien sei »wie eine Mischung aus ›Die Truman Show‹ und einem Zoo« gewesen, sagte er. Im Film »Die Truman Show« aus dem Jahr 1998 weiß die von Jim Carrey gespielte Hauptfigur nicht, dass sie Teil einer Fernsehserie ist und ihr Leben seit ihrer Geburt von Schauspielern in einer Kulisse begleitet wird.

Mit seiner heutigen Ehefrau Meghan Markle habe er anfangs im Supermarkt so getan, als kannten sie sich nicht, erzählte Harry. Einkäufe habe er mit der heute 39-Jährigen, in unterschiedlichen Gängen stehend, per SMS diskutiert. Er sei oft mit gesenktem Kopf und Mütze unterwegs gewesen, um möglichst unerkannt zu bleiben.

»Ich will diesen Job nicht«

In seiner neuen Heimat Kalifornien könne er nun freier leben, er sei nicht mehr so angespannt und er könne mit seinem zweijährigen Sohn Archie auf dem Fahrrad herumfahren. In Großbritannien, so Harry, »hätte ich nie die Chance gehabt, das zu tun. Hier zu leben bedeutet, dass ich meinen Kopf heben kann und mich tatsächlich anders fühle.«

Harry berichtete, er habe bereits in seinen Zwanzigern darüber nachgedacht, sich von seinen royalen Pflichten zurückzuziehen. Er und Meghan sind diesen Schritt schließlich vor etwas mehr als einem Jahr gegangen – und verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Kalifornien. Sie erwarten im Sommer ein weiteres Kind, ein Mädchen.

Der Prinz betonte, er wolle bei der Erziehung der Kinder den Kreislauf von »Schmerz und Leiden« beim Aufwachsen durchbrechen. Das habe er selbst erlebt, ebenso wie seine Eltern. Der Umzug in die USA sei nicht geplant gewesen. »Aber manchmal muss man Entscheidungen treffen und seine Familie an die erste Stelle setzen und seine geistige Gesundheit an die erste Stelle setzen.«

Er habe befürchtet, dass seine schwangere Frau und sein Sohn genauso im Rampenlicht stehen und darunter leiden würden wie seine 1997 mit nur 36 Jahren bei einem Autounfall in Paris gestorbene Mutter, Prinzessin Diana. Sie war vor dem Unfall von Paparazzi verfolgt worden. »Ich will diesen Job nicht, ich will nicht hier sein, ich will das nicht machen«, sagte Harry. »Schauen Sie, was es meiner Mutter angetan hat.«

Nach dem Rückzug von seinen royalen Pflichten hat das Königshaus dem Paar laut Prinz Harry den Geldhahn zugedreht. Weil seine Mutter ihm Geld hinterlassen habe, hätten sich die beiden den Ausstieg leisten können. Nun versuchen Harry und die frühere Schauspielerin Meghan unter anderem, medial durchzustarten. Prinz Harry etwa mit einer neuen Dokuserie zusammen mit Oprah Winfrey, in der Privatpersonen und internationale Stars über ihre ganz persönlichen Herausforderungen im Leben sprechen sollen.

apr/dpa/AP