Verstorbener Ehemann der Queen So läuft die Beerdigung von Prinz Philip ab

Großbritannien verabschiedet sich von Prinz Philip. An den Details der Trauerfeier hatte der Ehemann der Queen mitgeplant. Im Fokus der Öffentlichkeit dürften auch seine Enkel Harry und William stehen.
Windsor Castle im Morgennebel: Hier wird am heutigen Samstag Prinz Philip beigesetzt

Windsor Castle im Morgennebel: Hier wird am heutigen Samstag Prinz Philip beigesetzt

Foto: Chris Jackson / Getty Images

Eine Schweigeminute, ein nach den Vorstellungen des Verstorbenen umgebauter Land Rover als Leichenwagen sowie ein Trauerzug und ein spezieller Dresscode: Etwas mehr als eine Woche nach seinem Tod nimmt Großbritannien Abschied von Prinz Philip. Der Ehemann von Königin Elizabeth II. wird am Nachmittag in einer Zeremonie auf dem königlichen Schloss Windsor nahe London beigesetzt. Wegen der Coronaregeln nehmen nur 30 Gäste an der Trauerfeier teil, allesamt Familienmitglieder. Sie müssen die Abstandsregeln befolgen und Masken tragen. Der Prinzgemahl war am 9. April im Alter von 99 Jahren gestorben.

Der Ablauf

Trauerfeier und Beisetzung finden komplett auf Schloss Windsor statt. Auf eine öffentliche Zeremonie wird wegen der Coronapandemie verzichtet. Es handelt sich auf Philips Wunsch nicht um ein pompöses Staatsbegräbnis. Der Sarg wird um 15.40 Uhr (MESZ) aus dem Schloss getragen, daraufhin setzt sich der Zug zur Kapelle St. George's in Bewegung. Vertreter verschiedener Militärformationen säumen den Weg, und Salutschüsse werden abgefeuert. Bei Ankunft am Hufeisenkloster wird die Nationalhymne gespielt, bevor um 16 Uhr eine nationale Schweigeminute ansteht. Der Gottesdienst soll rund 50 Minuten dauern.

»No fuss«: Auf Wunsch von Prinz Philip wurde auf ein pompöses Staatsbegräbnis verzichtet

»No fuss«: Auf Wunsch von Prinz Philip wurde auf ein pompöses Staatsbegräbnis verzichtet

Foto: Alastair Grant / dpa

Der Trauerzug

Außer der Queen folgen zehn enge Verwandte dem Sarg. In der ersten Reihe gehen die beiden ältesten Kinder des Königspaares, Thronfolger Prinz Charles und Prinzessin Anne. Ihnen folgen ihre jüngeren Geschwister, die Prinzen Andrew und Edward. Dahinter gehen Philips Enkel William, Harry und Peter Phillips, der Sohn von Prinzessin Anne. Dann folgen Annes Ehemann Sir Timothy Laurence sowie David Armstrong-Jones, Earl of Snowdon und Sohn der gestorbenen Queen-Schwester Margaret. Den Schluss bildet die Queen in ihrer Staatslimousine.

Aufsehen erregte vor allem, dass zwischen den Brüdern William und Harry ihr Cousin platziert wird. Damit, so spekulierten Medien, will die Königin sichtbare Spannungen zwischen den Brüdern vermeiden. Deren Beziehung hatte zuletzt stark unter dem Umzug von Harry und dessen Frau, Herzogin Meghan, in die USA sowie Rassismusvorwürfen des Paares gegen den Palast gelitten.

Der Gottesdienst

In der St.-Georgs-Kapelle in Windsor sind insgesamt 30 Gäste zugelassen. Zusätzlich zu den Mitgliedern der Prozession gehören etwa Charles' Ehefrau Herzogin Camilla sowie Williams Ehefrau Herzogin Catherine dazu. Auch die Queen-Enkelinnen Zara Tindall sowie Beatrice und Eugenie sind mit ihren Partnern dabei. Alle müssen die coronabedingten Abstandsregeln einhalten, die Queen wird allein sitzen. Bei der 30er-Regel nicht mitgezählt werden die Geistlichen – der Erzbischof von Canterbury und der Dekan von Windsor – sowie der vierköpfige Chor. Eine Hofdame, die die Queen begleitet, wird sich im Hintergrund aufhalten, ebenso wie Philips Privatsekretär Archie Miller Bakewell.

Die Gäste aus Deutschland

Mehrere Angehörige des Verstorbenen aus Deutschland sind bei der Trauerfeier dabei: Bernhard Prinz von Baden ist ein Enkel von Philips Schwester Theodora, Philipp Prinz zu Hohenlohe-Langenburg ein Enkel der Schwester Margarita. Heinrich Donatus Prinz von Hessen schließlich ist Oberhaupt des Hauses Hessen, in das Philips jüngere Schwestern Cecilia und Sophie einheirateten.

»No show«: Herzogin Meghan bleibt der Beerdigung fern

»No show«: Herzogin Meghan bleibt der Beerdigung fern

Foto: Andrew Milligan / dpa

Die Abwesenheiten

Am auffälligsten ist das Fehlen von Herzogin Meghan, der Ehefrau von Philips Enkel Harry. Der Schwangeren sei von ihrem Arzt von der Reise aus den USA abgeraten worden, hatte ein Sprecher des Palasts mitgeteilt. Ebenfalls nicht dabei sind unter anderem die zehn Urenkel des Königspaares. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fehlen ebenfalls. Premierminister Boris Johnson hatte auf einen Platz verzichtet, um einem weiteren Angehörigen die Teilnahme zu ermöglichen.

Der Dresscode

Die königliche Familie und ihre Gäste tragen zivile Trauerkleidung – Uniformen hat die Queen nicht zugelassen. Damit will die Monarchin womöglich vermeiden, dass Harry der einzige Royal aus dem engeren Familienkreis in Zivilkleidung gewesen wäre. Er musste seine militärischen Titel nach seinem Abschied aus dem Königshaus abgeben. Britische Medien berichteten, dass auch der angebliche Wunsch von Queen-Sohn Prinz Andrew, in Admiralsuniform zu erscheinen, die Entscheidung der Königin beeinflusst habe. Andrew hat sich wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Unternehmer Jeffrey Epstein aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Männer sollen nun einen sogenannten Morning Coat oder Cutaway tragen, das Gegenstück zum Frack, der nur für abendliche Anlässe vorgesehen ist.

Der Leichenwagen

Am Design des Fahrzeugs, das seinen Sarg transportieren wird, hat Prinz Philip selbst mitgewirkt. Über 16 Jahre soll sich der Prinzgemahl immer wieder um die Gestaltung des Land Rovers vom Typ Defender TD5 130 gekümmert haben. Der Wagen wurde auf Wunsch von Philip im grünen Militärdesign lackiert, außerdem entwarf er ein offenes Heck sowie Vorrichtungen, um den Sarg am Platz zu halten. Das robuste und zweckmäßige Fahrzeug mit Hochleistungsrädern und eckiger Struktur wurde 2003 im Land-Rover-Werk Solihull gebaut und gilt als Verkörperung der praktischen Natur des Prinzen und seiner Leidenschaft für funktionales Design und Technik.

Das Begräbnis

Schloss Windsor ist neben dem Buckingham-Palast die wichtigste Residenz der britischen Monarchie. Philips Beerdigung ist die erste hier seit 16 Jahren – damals war Sir Angus Ogilvy, Ehemann der Queen-Cousine Prinzessin Alexandra, beigesetzt worden. In der Stiftskirche St. George's Chapel fand 2002 die Trauerfeier für Prinzessin Margaret statt, die Schwester der Queen – exakt 50 Jahre nach der Beisetzung ihres Vaters König Georg VI. an gleicher Stelle. Insgesamt liegen in der gotischen Kapelle aus dem 15. Jahrhundert zehn Monarchen begraben, darunter Heinrich VIII. Doch die königliche Gruft in der Kirche wird nicht die letzte Ruhestätte für Prinz Philip sein. Nach dem Tod der Queen werden seine sterblichen Überreste umgebettet an ihre Seite in der kleinen König-Georg-VI.-Gedenkkapelle. Dort ruhen die engsten Angehörigen der Königin: ihr Vater Georg VI., ihre Mutter und ihre Schwester Margaret. Das Nebengebäude aus hellem Stein wurde 1969 an der Nordseite der Kapelle angebracht und der Sarg von König Georg VI. dorthin umgebettet.

Die Titel

Der bekannteste Titel von Prinz Philip war Herzog (Duke) von Edinburgh, zu dem ihn 1947 sein Schwiegervater ernannte. Irgendwann wird der jüngste Sohn des Königspaares, Prinz Edward, den Titel erhalten – doch erst, wenn auch die Queen tot ist. Zunächst führt Thronfolger Charles den Titel in Personalunion mit seiner Bezeichnung Prinz von Wales. Wenn Charles nach dem Tod seiner Mutter den Thron besteigt, kann der Titel neu vergeben werden – an Edward, wie bereits bei dessen Hochzeit 1999 angekündigt wurde. Philip war der sechste Royal, der den Titel hielt. Der erste war Prinz Friedrich Ludwig von Hannover, der den Titel 1726 von seinem Vater König Georg II. erhalten hatte.

Die Übertragungen der Trauerfeier

Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1, Welt und NTV werden am Nachmittag über Trauerfeier und Beisetzung berichten.

bbr/dpa