Prinz Philip wird 85 Der König des Zwerchfells

Manche Männer kommen nur schwer damit klar, dass ihre Frau etwas mehr verdient. Ganz anders Prinz Philip, der jetzt seinen 85. Geburtstag feiert: Er trägt sein Schicksal als Gatte der Königin von England vorbildhaft - und mit legendärem Humor.

Von Brenda Strohmaier


Hamburg - "Ich bin ein knurriger alter Fiesling", hat sich Prinz Philip mal charakterisiert - und dabei wieder seinen typischen Humor bewiesen. Wenn Diana die Königin der Herzen war, dann ist Prinz Philip der König des Zwerchfells. Er traut sich wie kein zweiter, in aller Öffentlichkeit skrupellose Witze zu reißen. So verkündete er schon mal, dass er einen als Gastgeschenk überreichten Cowboyhut als Blumentopf zu benutzen gedenkt. Oder er erzählte nach einer Chinareise: "Wenn es vier Beine hat und kein Stuhl ist, werden die Kantonesen es essen."

Und immer wird genüsslich abgedruckt, was der Prinz da wieder Irrwitziges von sich gegeben hat - nun zu seinem 85. Geburtstag sogar in einem Buch. Der treffende Titel: "Duke of Hazard" - "Herzog von Risiko". Passender kann man den Herzog von Edinburgh kaum würdigen, schließlich ist es sein politisch oft gänzlich unkorrekter Humor, der einen starken Eindruck hinterlässt. Auch jenen, dass die Queen es nicht so schlecht getroffen hat mit ihrem Ehemann, der sie sogar "Würstchen" nennen darf. Das ist es doch, was Frauen in fast jeder Kontaktanzeige wünschen: Suche Mann mit Humor.

Mutiger Witzereißer

Wer Witze reißt wie Prinz Philip, muss Mut haben. Und wer eine angehende Königin heiratet, erst Recht. 1947 wagte er damit den Schritt in eine Karriere, für die es - wie er selbst sagt -  keine "verfassungsrechtliche Grundlage" gibt. Und er, der Austeiler, muss wegen seiner Interpretation des Amtes viel Häme von Journalisten einstecken. Einmal, als er sich unbeobachtet fühlte, raunte er seiner Frau angesichts einer Pressehorde zu: "Da sind sie wieder, die Reptilien."

"Phil the Greek" nennt die Klatschpresse ihn noch heute gerne, was allerdings nur bedingt zutrifft. So kam er zwar in Korfu auf einem Küchentisch als Sohn eines griechischen Prinzen zur Welt, der trug aber zugleich den Titel Prinz von Dänemark. Mütterlicherseits wiederum kommt Prinz Philip aus deutschem Hause, Mutter Alice von Battenberg stammte aus dem Geschlecht der Großherzöge von Hessen - weshalb seine Schwiegermutter Queen Mum ihn angeblich gerne "Philip, den Hunnen" nannte.

Es ist nicht leicht, der Mann der Queen zu sein, hinter der Philip bei offiziellen Anlässen immer drei Schritte her läuft. Für sie gab er nicht nur das Rauchen auf, sondern auch - nach ihrer Krönung 1953 - seinen Job bei der Marine. Und warum das alles? Aus Liebe, inklusive erotischer Anziehung, meinen Biografen wie Gyles Brandreth, der ein Buch über die Ehe der beiden schrieb. "Die Queen mag Sex, wie ich auch", wird der Prinz darin zitiert.

In jedem Fall fand Mountbatten, auf dessen Konto sich bei der Eheschließung gerade mal zwölf Pence befanden, im britischen Könighaus das Zuhause, das seine Familie ihm nie geben konnte: Seine Eltern mussten nach einem Staatsstreich im Jahr 1922 ins Exil nach Frankreich fliehen, wo ihre Ehe zerbrach. Der Vater zog nach Monte Carlo, begann zu spielen und zu trinken, die Mutter wurde erst depressiv und später sehr religiös. Sohn Philip wurde von Internat zu Internat geschickt, von Verwandten zu Verwandten. "Alle haben eine Familie, zu der sie zurückkehren können. Nur ich nicht", soll er mal in jungen Jahren gesagt haben.

Ehe-Tipps vom Prinzen

Angesichts dieses Starts scheint es beachtlich, dass der Herzog von Edinburgh seinen Job als Gatte seit nunmehr fast 60 Jahren zuverlässig erledigt. Und zwar mit einer geradezu modern anmutenden Rollenverteilung. So hat er sich um die Schulausbildung und die Erziehung der Kinder gekümmert, während die Queen das Land repräsentiert. Allerdings honorierten die Kinder das nur bedingt. In einer autorisierten Biografie klagte Sohn Charles einst über eine "wirklich unerfreuliche Kindheit". So habe er etwa darunter gelitten, dass sein Vater auch seine Pubertätspickel zum Anlass für humorige Betrachtungen nahm.

Seinem Ruf als "der letzte ideale Gatte", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ihn einmal nannte, tut das keinen Abbruch. Dazu hat Prinz Philip durchaus etwas beizutragen. "Das Geheimnis einer glücklichen Ehe ist es, unterschiedliche Interessen zu behalten", verriet der Royal erst kürzlich dem "Daily Telegraph". Seine ganz eigenen Hobbys: Er kann Flugzeugtypen aller Art fliegen und hat bereits einige Sachbücher über Vogelbeobachtung, Pferdekutschen und Naturschutz verfasst.

Auf ein pompöses Fest zu seinem morgigen Geburstag legt er keinen Wert. Schon vor fünf Jahren meinte er: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich es empfehlen kann, 80 zu sein. Es ist nicht so sehr das Alter, sondern vielmehr der Versuch, diese Feste zu überleben."



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