Vernachlässigte Pferde Der Schlachtplan von Prinzessin Anne

Viele britische Pferdehalter kümmern sich zu wenig um ihre Tiere. Prinzessin Anne hat eine Idee, wie sich das ändern könnte: Die Briten sollten sich dem Verzehr von Pferdefleisch öffnen. Manche Tierschützer keifen nun. Und bringen die Hunde der Queen ins Spiel.

DPA

London - Nach Schätzungen von Experten sind derzeit 7000 Pferde in Großbritannien gefährdet, da ihre Halter sie vernachlässigen, womöglich drohe den Tieren in diesem Winter die Aussetzung. Was also tun? Prinzessin Anne hat eine Idee: Pferdebesitzer würden ihre Tiere wohl besser behandeln, wenn ihnen das etwas einbrächte. Und wie macht man Tiere zu Geld?

In Großbritannien ist das Essen von Pferdefleisch ein Tabu. Nicht nur dort: Im Frühjahr hatte ein Skandal um beigemischtes Pferdefleisch in Fertiggerichten in zahlreichen europäischen Ländern für Aufregung gesorgt.

Nun stellt Prinzessin Anne das Tabu öffentlich in Frage. Die Tochter von Queen Elizabeth II. und frühere erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin sagte am Donnerstag bei einen Treffen der Tierschutzorganisation World Horse Welfare in London, dass sich die Einstellung der Briten "zum Handel und zum Wert von Pferdefleisch" ändern müsse.

Pferdebesitzer würden vermutlich besser für ihre Tiere sorgen, wenn sie deren Fleisch verkaufen könnten, sagte Anne, Nummer elf der britischen Thronfolge. Die Briten müssten darüber nachdenken, ob die Zahl vernachlässigter und misshandelter Pferde nicht gesenkt werden könne, wenn ihr Wert durch eine mögliche Schlachtung steige.

Nach Angaben von Jeannette Allen, Chefin des Horse Trust, einer Art Tierheim für Pferde, sind ausgediente Pferde fünf bis zehn Pfund wert, sechs bis zwölf Euro. Sie begrüßte den royalen Debattenanstoß, auch wenn sie selbst nicht sicher sei, ob sie Pferdefleisch essen möchte.

"Was kommt als nächstes?"

Jenny MacGregor, Vorsitzende der Organisation Welfare of Horses and Ponies, nannte die Prinzessin mutig, da eine Kontroverse wahrscheinlich sei. Es gebe eine realistische Chance, dass Pferdefleisch zu einem Nahrungsmittel werde. "Prinzessin Anne hat etwas zur Sprache gebracht, das umsetzbar ist und auf lange Sicht von großem Wert sein kann", so MacGregor zur BBC.

Andere Tierschützer reagierten dagegen, als sei der Prinzessin der Gaul durchgegangen. Ein Sprecher der Organisation People for the Ethical Treatment of Animals sagte dem "Guardian": "Wenn sie sich wirklich um das Wohlergehen der Pferde sorgt, würden wir vorschlagen dass sie eine Kampagne startet für ein Ende der brutalen Pferderennen-Industrie." Diese Industrie zwinge die Pferde, "in halsbrecherischem Tempo auf harten Strecken" zu laufen. Oft transportiere sie Pferde auch ins Schlachthaus, wenn sie nicht mehr teilnehmen können. "Dort werden sie zu billigem Hundefutter verarbeitet."

Der Vorsitzende von Animal Aid, Andrew Tyler, sagte dem "Daily Express", andere Tiere wie Hühner, Schweine und Kühe würden geschlachtet und trotzdem "misshandelt und malträtiert". Pferde sollten, schon aufgrund ihrer sozialen Anlagen, gepflegt und wertgeschätzt werden. Prinzessin Anne aber wolle sie behandeln wie gewöhnliches Vieh. "Was kommt als nächstes? Die Corgis der Queen?"

Zu den Corgis sollte man wissen, dass sie der Königin liebste Tiere sind. Zwei Hunde dieser Rasse hat die Queen. Und vor kurzem schlug der britische Hundezüchter-Verband Alarm: Es gebe so wenige, dass die Rasse bald als bedroht geführt werden müsse.

Die Prinzessin wollte eine Debatte und bekam sie.

bim/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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Dr.Fuzzi 15.11.2013
1. Och Joh!
Der Vorschlag von Anne Battenberg ist reichlich abstrus und völlig abgehoben, gleichwohl auch Pferdefleisch durchaus wohlschmeckend sein kann, wobei der echte rheinische Sauerbraten ein gutes Zeugnis abliefern kann. Sie hat allerdings völlig recht, wenn sie aussagt, das viele Pferdebesitzer ihre angeblichen Lieblinge völlig vernachlässigen. Aus meiner Sicht langt es absolut nicht, diese wohlversorgt in irgendeinen Stall zu stellen und 1-2 mal in der Woche für 1 Stunde bei diesen zu erscheinen und zu meinen wie toll es denen doch geht. Ich kann nun nicht erwarten, das es die Masse der Pferdebesitzer uns gleichtut und jeden morgen und abend, also mindestens 2-mal am Tag, bei seinem Pferd zu erscheinen und sich mit diesem zu beschäftigen - aber wenigstens an 50% der Wochentage doch bitte einmal. Auch diese Tiere benötigen Ansprache. Leider erfolgt dies auch hierzulande in den allerwenigsten Fällen, wie unsere Erfahrungen der letzten 25 Jahre deutlich beweisen. Hauptsache der Gaul funktioniert auch bei Nacht und Nebel und wenn nicht, dann eben der nächste für das lieb Töchterlein!
feuercaro1 15.11.2013
2. Verlogen
Wenn man sich einmal grundsätzlich entschlossen hat, Fleisch zu essen, dann ist jegliche Tabuisierung verlogen. Kühe haben "beste Freunde", Schweine sind an Intelligenz anderen Haustieren mindestens ebenbürtig - aber wir haben keinerlei Hemmungen, sie zu mästen, unter schlimmsten Bedingungen zu transportieren und abschließend unwürdig zu töten. Um die Hauskatze und den Haushund aber wird ein Zirkus veranstaltet, dass es einen grausen könnte. Sicher, diese Aussage pauschalisiert - bringt es aber auf den Punkt: Nur weil wir eine Gruppe von Tieren als Nutztiere bezeichnen und eine andere als des Menschen treueste Gefährten, bedeutet das nicht, dass Nutztiere etwa weniger Rechte auf ein würdevolles und artgerechtes Leben hätten. Tiere sind Mitgeschöpfe. Wer sie verspeisen will, möge dies tun. Nur: bei Pferden und Hunden aufzujaulen und bei Kühen und Schweinen dann nicht - das ist verlogen.
7eggert 15.11.2013
3.
So geht das ja nun garnicht! Unwürdig! Nur ein Krematorium in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt und danach ein letzter Aufenthalt auf der Müllkippe sind eines Pferdes würdig ...
oldtimerfan 15.11.2013
4. Das sind Rückentwicklungen in die Steinzeit....
Zitat von sysopDPAViele britische Pferdehalter kümmern sich zu wenig um ihre Tiere. Prinzessin Anne hat eine Idee, wie sich das ändern könnte: Die Briten sollten sich dem Verzehr von Pferdefleisch öffnen. Manche Tierschützer keifen nun. Und bringen die Hunde der Queen ins Spiel. http://www.spiegel.de/panorama/leute/prinzessin-anne-will-briten-pferdefleisch-schmackhaft-machen-a-933866.html
um 1 kg Fleisch zu erzeugen benötige ich 6 kg Getreide. Die Welt hungert und die Menschen essen Fleisch. Wenn ich vorher auf dem Pferd geritten habe, schmeckt der Braten dann besonders gut und den Hund kann ich auch gleich mit verspeisen. Es geht aber auch viel billiger: Auf einen Menschen, kommen drei Ratten, die können ganz leicht lebendig gefangen werden und sind ein gutes Mahl. Ansonsten, lassen sich die Ratten nicht bekämpfen, denn die sind so intelligent, dass die Führung Vorkoster haben und unangreifbar sind. Vergiften auch mit Gerinnungshemmenden Präparaten bringen nichts. Mit großen Lebendfallen wäre das Fleischproblem der Menschen billig gelöst und die Pferde könnten auf dem Genadenhof fröhlich weiter wiehern. PS: Schweine leben heute nur noch 3- 4 Monate. Das sind Schweinekinder die gegessen werden.
oldtimerfan 15.11.2013
5. Seit Einführung des Euro.....
Zitat von sysopDPAViele britische Pferdehalter kümmern sich zu wenig um ihre Tiere. Prinzessin Anne hat eine Idee, wie sich das ändern könnte: Die Briten sollten sich dem Verzehr von Pferdefleisch öffnen. Manche Tierschützer keifen nun. Und bringen die Hunde der Queen ins Spiel. http://www.spiegel.de/panorama/leute/prinzessin-anne-will-briten-pferdefleisch-schmackhaft-machen-a-933866.html
sind alle Lebensmittelpreise explodiert, nur Fleisch aus Massentierhaltung nicht, ganz gleich um welche Fleischart es sich handelt, es ist zu billig. Getreideprodukte sind teurer als Fleischprodukte, was soll das ? Das ist an Perversität nicht in 2013 noch zu überbieten. Das ist das Beweis genug: Fleisch macht süchtig !!!!!
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