Erschlichener TV-Scoop BBC entschädigt Hinweisgeber im Skandal um Diana-Interview

Das Gespräch entstand unter unlauteren Bedingungen, die Söhne übten später scharfe Kritik: Nach dem berüchtigten Interview mit Prinzessin Diana soll ein Mitarbeiter der BBC Geld bekommen – er hatte frühzeitig Alarm geschlagen.
Prinzessin Diana und Journalist Bashir: Denkwürdiges Interview

Prinzessin Diana und Journalist Bashir: Denkwürdiges Interview

Foto:

BBC / dpa

Die britische BBC hat im Skandal um ein berüchtigtes TV-Interview mit Diana erneut Konsequenzen gezogen. Der Sender entschädigt nach eigenen Angaben  einen Tippgeber, der die Führungsebene über Unregelmäßigkeiten informiert hatte. Man bitte Matt Wiessler um Verzeihung für die Art, wie die BBC ihn behandelt habe.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt war in der vergangenen Monaten heftig unter Druck geraten: Eine Untersuchung hatte ergeben, dass BBC-Journalist Martin Bashir gefälschte Dokumente eingesetzt hatte, um Zugang zu Prinzessin Diana zu erhalten.

Fehler vertuscht

Fingierte Kontoauszüge sollten beweisen, dass Diana von Menschen in ihrem Umfeld bespitzelt wurde. Später hatte die BBC das Fehlverhalten vertuscht.

Die gefälschten Kontoauszüge stammten von Wiessler selbst. Im »Guardian « hatte er erzählt, Bashir habe ihn angerufen und den Auftrag am Telefon erteilt. In hektischer Nachtarbeit habe er die Bilder erstellt, ohne zu wissen, welchem Zweck sie gedient hätten. Später schlug Wiessler bei der BBC-Leitung Alarm. Daraufhin wurde sein befristeter Vertrag nicht verlängert.

In der BBC-Einlassung ist die Rede von einer »angemessenen finanziellen Entschädigung«. Wie hoch diese ist, gab der Sender nicht bekannt. Die Zeitung »Telegraph « hatte im August von einer Entschädigung in Höhe von 750.000 Pfund berichtet. Das wären umgerechnet gut 884.000 Euro.

Journalist Bashir, mittlerweile 58, wurde dank des Interviews über Nacht zum Starreporter. Er wechselte später zu ITV und arbeitete dann jahrelang für die US-Sender ABC und MSNBC als Moderator.

2016 kehrte er zur BBC zurück, als Korrespondent für religiöse Fragen. Mitte Mai, also kurz vor Veröffentlichung des Berichts, wurde sein Rücktritt bekannt – aus gesundheitlichen Gründen, wie die BBC mitteilte.

»Furcht, Paranoia und Isolation«

Prinz William hatte nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts gesagt, das Interview habe maßgeblich zum Ende der Ehe zwischen seinen Eltern sowie zu »Furcht, Paranoia und Isolation« beigetragen, in der seine Mutter ihre letzten Lebensjahre verbracht habe.

Prinz Harry erklärte, die Folgen einer Kultur der Instrumentalisierung und unethischer Praktiken hätten seine Mutter letztendlich das Leben gekostet.

Anmerkung: Wir haben die Entschädigungssumme in Euro korrigiert.

jpz/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.