Protest vor Sudans Botschaft George Clooney in Washington festgenommen

Seit langem prangert George Clooney die humanitäre Katastrophe im Sudan an, nun beteiligte er sich gemeinsam mit seinem Vater an einem Protest vor der sudanesischen Botschaft in Washington. Er warnte vor einer schlimmen Krise - bis er in Handschellen abgeführt wurde.


Washington - US-Schauspieler George Clooney und sein Vater Nick wurden am Freitag bei einer Demonstration vor der sudanesischen Botschaft in Washington festgenommen. Polizeibeamte führten sie in Handschellen ab. Die beiden und weitere Protestierende waren zuvor drei Mal davor gewarnt worden, eine Polizeiabsperrung vor der Botschaft zu übertreten.

Die Demonstranten beschuldigen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, mit der Blockade von Nahrungs- und Hilfslieferungen die humanitäre Lage in der Region an der Grenze zum Südsudan zu verschärfen.

Clooney forderte vor den Kameras zahlreicher Fernsehteams die Regierung in Khartum auf, grünes Licht für internationale Hilfen im Süden des Landes zu geben, bevor die Lage "zur schlimmsten humanitären Krise auf der Erdoberfläche" werde. Das Baschir-Regime müsse aufhören, "sein eigenes Volk umzubringen, zu vergewaltigen und auszuhungern", erklärte der Schauspieler auf den Stufen der Botschaft.

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George Clooney: Festnahme in Washington
Nach mehreren Stunden in Haft wurden Clooney und sein Vater, der von Beruf Journalist ist, wieder freigelassen. "Es ist meine erste Verhaftung", sagte der Kino-Held anschließend. "Und lasst uns hoffen, dass es meine letzte war." Er nahm den kurzen Arrest offenbar mit Humor: "Wir waren alle in einer Zelle zusammen, es war schön". Er habe eine Strafe für "bürgerlichen Ungehorsam" gezahlt und müsse nun wohl mit einem Eintrag in seinem Führungszeugnis leben, meinte er.

Der Schauspieler und Regisseur hatte kürzlich heimlich Südkordofan besucht, einen Bundesstaat im Süden des Sudans, in dem Kämpfe zwischen der Armee in Khartum und Rebellen zu einer schweren Hungersnot geführt haben. Bei seiner Rückkehr in die USA warf Clooney den Regierungstruppen vor, mit der Verfolgung unschuldiger Zivilisten in dem Gebiet Kriegsverbrechen zu begehen.

Am Mittwoch hatte Clooney bei einer Anhörung im US-Senat vor einer humanitären Krise in dem Grenzgebiet gewarnt. Bei seinem Besuch in der Krisenregion sei er selbst unter Raketenbeschuss geraten, erzählte er. Ein neunjähriger Junge habe bei einem Angriff beide Hände verloren.

Der Schauspieler ist auch Initiator des Satellite Sentinel Project (SSP): Die US-Organisation wertet Satellitenbilder aus dem Sudan nach Hinweisen auf Menschenrechtsverstöße aus.

bim/ler/dpa/AFP/dapd



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