Prozess um Körperverletzung Gericht reduziert Strafe für Ernst August

Sein Prügel-Zwischenfall in Kenia wird Welfenprinz Ernst August von Hannover 200.000 Euro kosten. Das entschied das Hildesheimer Landgericht und reduzierte damit die ursprüngliche Strafe aus einem früheren Verfahren - wegen gefährlicher Körperverletzung sollte er eigentlich 445.000 Euro zahlen.

AP

Hildesheim - Bei einer Auseinandersetzung in Kenia schlug Ernst August Prinz von Hannover dem Hotelier Josef Brunlehner ins Gesicht. Für die einfache Körperverletzung muss der Welfenprinz nun 200.000 Euro Strafe zahlen, urteilte das Landgericht Hildesheim.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Ehemann der monegassischen Prinzessin Caroline Anfang 2000 dem deutschen Gastronom nach einer Auseinandersetzung in Kenia mehrere Schläge versetzt hatte. Mit dem Urteil gilt Ernst August, der der Urteilsverkündung fernblieb, nicht als vorbestraft.

Der Chef des Welfenhauses hatte den neuen Prozess durchgesetzt, nachdem ihn das Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung zu 445.000 Euro Strafe verurteilt hatte. Nach 26 Prozesstagen kann der Adlige nun aufatmen, kommt er doch mit einer deutlich niedrigeren Strafe davon.

Ernst August hatte vor Gericht gestanden, Brunlehner im Januar 2000 auf der kenianischen Ferieninsel Lamu zwei Ohrfeigen versetzt zu haben. Der Geschädigte berichtete dagegen von Faustschlägen und erheblichen Verletzungen.

In dem neuen Prozess vor dem Landgericht Hildesheim bestätigten mehrere Zeugen, darunter Prinzessin Caroline, die Version des Prinzen, wonach er dem Hotelier nur zwei Ohrfeigen versetzt hatte. Dieser Darstellung folgte schließlich auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer. Sie hatte eine Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro wegen einfacher Körperverletzung gefordert.

"Nicht dezent, aber auch nicht hemmungslos brutal"

Richter Andreas Schlüter sagte in seiner Urteilsbegründung, es sei nicht möglich gewesen, die Vorgänge auf der kenianischen Insel in der Tatnacht im Januar 2000 vollständig aufzuklären. Er betonte aber, der Prinz müsse sich nicht weiter nachsagen lassen, dass er Brunlehner mit einem Schlagring angegriffen habe. Die Schläge des Adligen seien "nicht dezent, aber auch nicht hemmungslos brutal" gewesen, sagte der Richter.

Der Kammervorsitzende rügte nahezu alle Verfahrensbeteiligten. Sowohl der Prinz als auch das Opfer hätten in ihren Schilderungen überzogen und damit ihre eigene Glaubwürdigkeit infrage gestellt. Darüber hinaus hätten sowohl der Adlige als auch Prinzessin Caroline die Tendenz gehabt, den Angriff zu bagatellisieren.

Scharf rügte der Richter, dass der Prinz das Verfahren zu einer Frage der Ehre stilisiert habe. Umso erstaunlicher sei es, dass er nicht selbst die Chance ergriff, sich persönlich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. "Wenn es um die eigene Ehre geht, kann man dann nicht größeren persönlichen Einsatz verlangen?" Das Fazit von Schlüter zum Verfahrensausgang: "Es gibt keinen richtigen Sieger."

Verteidigung geht in Revision

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung hat die Verteidigung von Ernst August Revision angekündigt. Das Gericht habe sich vor der eindeutigen Entscheidung gedrückt, wer in dem Verfahren gelogen habe und wer nicht, sagte der Anwalt des Welfenprinzen, Hans Wolfgang Euler, am Dienstag.

ala/apn/AFP/dpa



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Sophie Amrain, 09.03.2010
1.
Zitat von sysop40 Tagessätze à 5000 Euro - so teuer soll den Welfenprinzen Ernst-August von Hannover sein Prügel-Zwischenfall in Kenia kommen. Ein gerechtes Urteil? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,682567,00.html
Ungefähr einen Monat Gehalt für eine Schlägerei kommt mir nicht sehr ungerecht vor...
prophet46 09.03.2010
2.
Zitat von sysop40 Tagessätze à 5000 Euro - so teuer soll den Welfenprinzen Ernst-August von Hannover sein Prügel-Zwischenfall in Kenia kommen. Ein gerechtes Urteil? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,682567,00.html
Carl 09.03.2010
3. Warum nicht?
Zitat von sysop40 Tagessätze à 5000 Euro - so teuer soll den Welfenprinzen Ernst-August von Hannover sein Prügel-Zwischenfall in Kenia kommen. Ein gerechtes Urteil? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,682567,00.html
Bei dem für Geldstrafen geltenden Tagessatzsystem drückt allein die Zahl der Tagessätze das Maß der Schuld aus. Der einzelne Tagessatz soll - Pi mal Daumen - dem Nettoeinkommen entsprechen, das der Verurteilte pro Tag hat. Bei unserem Welfenprinzen ist das Gericht also von einem Monatsnetto von ca. 150.000 Euronen ausgegangen. 40 Tagessätze sind nichts Dramatisches, und wer nur 1200 € netto verdient, wäre für die gleiche Tat mit 1600 € davongekommen. So what?
lemming51 09.03.2010
4. !
Teure Ohrfeigen, fürwahr ! Er wirds verschmerzen können.
Eppelein von Gailingen 09.03.2010
5. Prinz Ernst August und seine Prügeleinlagen-Schübe
Zitat von sysop40 Tagessätze à 5000 Euro - so teuer soll den Welfenprinzen Ernst-August von Hannover sein Prügel-Zwischenfall in Kenia kommen. Ein gerechtes Urteil? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,682567,00.html
Bei dem Welfen verstärkt sich langsam, wegen der Häufigkeit seiner Verfehlungen, die Vermutung auf ein unerkanntes, vererbtes Prügel-Gen. Das Urteil, frei nach dem Motto: Da wird schon ein bißchen Wahrheit dran gewesen sein, auch wenn das Opfer Brunlehner zu Übertreibungen neigt. Ein weiser Richterspruch. Prominenz kann nicht gleich so strafmildernd sein, dass am Ende der Freispruch stehen muss. Das Urteil ist auf jeden Fall gerecht, der Richter hat es sich bestimmt nicht leicht gemacht.
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