Prügelei mit Rihanna Chris Brown bricht sein Schweigen

Lange hat er zum Vorwurf geschwiegen, er habe seine damalige Freundin Rihanna verprügelt. Nun spricht US-Sänger Chris Brown erstmals über die verhängnisvolle Nacht - und deutet in einem Interview an, dass es noch eine andere Seite der Geschichte gibt.

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London - Die ganze Wahrheit wird man wohl nie erfahren. Dennoch gibt es Fakten: Am 7. Februar dieses Jahres kamen die Sängerin Rihanna ("Umbrella", damals 20) und der Sänger Chris Brown, damals 19, von der für ihren Glamour-Faktor legendären Pre-Grammy-Party von Star-Produzent Clive Davis in Los Angeles. Zwei junge, sehr erfolgreiche Popstars, schwer verliebt, hatten sich einen Abend lang unter Kollegen feiern und bewundern lassen. Doch auf der Fahrt in dem gemieteten Lamborghini kam es zum Streit. Die Grammy-Verleihung am nächsten Tag musste ohne die strahlenden Newcomer über die Bühne gehen. Stattdessen wurde Rihanna in der Nacht auf der Straße aufgegabelt und in ein Krankenhaus verfrachtet. Sie trug ein Abendkleid, ihr Gesicht war geschwollen und blutig.

Brown habe sie in den Schwitzkasten genommen und ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, war den offiziellen Polizeiberichten zu entnehmen. Ein Foto ihres misshandelten Gesichts kursierte alsbald im Internet, veröffentlicht vom Klatschdienst TMZ.com. Der Boulevard hatte seine Story: Der sanfte Soul-Sänger, bejubelt als möglicher Nachfolger Michael Jacksons, entpuppt sich als brutaler Schläger und beschädigt das makellose Antlitz der Pop-Prinzessin aus Barbados.

Brown habe auf der Fahrt von der Party eine SMS von einer anderen Frau bekommen, wollte es aber nicht zugeben, erzählte Rihanna der amerikanischen Fernsehjournalistin Diane Sawyer kürzlich in einem zweiteiligen Spezial der Sendung "20/20". Die Sängerin ist zurzeit viel in Talkshows unterwegs, um ihr neues Album "Rated R" zu bewerben, das gerade erschienen ist. Und natürlich ist dabei die Schlägerei mit ihrem Ex-Freund immer wieder ein Thema. Sie habe sich seine Lüge nicht gefallen lassen wollen, was wiederum ihn auf die Palme brachte. Eins kam zu anderen, und: "Es wurde hässlich", sagte Rihanna zu Sawyer. Sie sei aus dem Wagen geflüchtet und die Straße entlanggelaufen. "Ich war schlimm ramponiert und blutete."

"Häusliche Gewalt ist immer falsch, da gibt es keine Ausnahmen"

Nun hat auch Chris Brown in einem Interview mit der britischen "Times" erstmals über seine Version der verhängnisvollen Nacht gesprochen. Der Sänger war im August wegen häuslicher Gewalt zu fünf Jahren Haftstrafe auf Bewährung und 180 Stunden Sozialdienst sowie einer einjährigen Therapie verurteilt worden. Seiner Ex-Freundin darf er dank richterlicher Verfügung nicht näher als knapp 100 Meter kommen, bei öffentlichen Auftritten muss er sich zehn Meter entfernt halten.

100 Stunden Arbeitsdienst in sozialen Einrichtungen habe er seitdem laut "Times" bereits absolviert. Es scheint, als wolle er sich beeilen, um den dunklen Fleck in seiner Vita möglichst schnell zu tilgen. Aber warum hat er die ganze Zeit geschwiegen? Nun, parallel zu Rihannas neuer Platte ist auch Browns zweites Album "Graffiti" erschienen. Kaum ein Zufall also, dass sich der Sänger mit dem angekratzten Image ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit wendet.

Brown gibt sich demütig und bescheiden. "Die Situation", sagte er der Zeitung, "wäre noch weiter eskaliert, die Negativität hätte nie aufgehört. Wenn ich geredet hätte, hätten Leute ohnehin nur gedacht, ich wolle lediglich noch mehr Platten verkaufen. Ich habe mir das bei Michael Jackson angesehen, wie sich die Öffentlichkeit komplett gegen ihn gestellt hat. Also habe ich mich darauf konzentriert, die volle Verantwortung für die Fehler zu übernehmen, die ich gemacht habe - ohne öffentlich ins Detail zu gehen."

Einer exakten Schilderung der Ereignisse versperrt sich Brown - ebenso wie Rihanna - noch immer, doch seine Aussagen gegenüber der "Times" deuten darauf hin, dass er möglicherweise nicht der einzige Aggressor im Lamborghini gewesen sein könnte. "Häusliche Gewalt ist immer falsch, egal wie die Umstände sind, da gibt es keine Ausnahmen", sagte Brown der Zeitung, "aber viele Leute glauben, das sei eine einseitige Angelegenheit, dass zum Beispiel immer nur der Mann die Frau schlägt. Ich sage nicht, dass es das ist, was passiert ist, aber wenn eine Frau ihren Mann schlägt, dann wird er ausgelacht, weil er nicht Macho genug ist. Aber nehmen wir an, der Mann muss sich verteidigen oder schlägt zurück, dann gilt das in jeder Hinsicht als falsch. Zu so einer Situation gehören aber immer zwei, und ich finde, wenn beide Gewalt anwenden, dann haben auch beide einen Fehler gemacht."

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Nach dem Sturm der Entrüstung, der sich über Brown nach der unglückseligen Prügelei entlud, hat er sich mehrfach bei Rihanna entschuldigt. Das Paar war zwischenzeitlich sogar wieder zusammen. Doch die Sängerin beendete die Beziehung vor kurzem endgültig. Zu Diane Sawyer hatte Rihanna gesagt, sie habe Angst, ein falsches Signal an andere Frauen auszusenden, die es mit misshandelnden Männern zu tun haben.

Chris Brown, von dem seine Vertraute und Managerin Tina Davis sagt, er habe Rihanna stets "angehimmelt", ist beleidigt von dieser Aussage seiner Ex: "Wenn es das ist, was sie fühlt, okay. Aber letztlich ist das alles natürlich auch ein Geschäft, in dem Leute alles tun, um die Fans zurückzuerobern und wieder an die Spitze zu kommen. Ich sage nicht, dass es bei ihr so ist, aber ich zumindest habe nie gesagt: 'Yo, mein neues Album kommt heraus, und nebenbei: Tut mir leid, was passiert ist.' Ich glaube nicht, dass es ein falsches Signal gewesen wäre, zusammen zu bleiben", so Brown, bei aller enttäuschten Liebe wohl wissend, dass ein öffentlichen Bekenntnis Rihannas zu ihm einer Absolution gleichgekommen wäre.

Brown sagt, auch ihm gehe es vor allem um die Sache. Zusammen hätten die beiden viel mehr Bewusstsein für die Problematik häuslicher Gewalt schaffen können: "Wir hätten es größer machen können, indem wir gezeigt hätten: Seht her, wir arbeiten an unseren Problemen, wir gehen beide zur Therapie."

Nein, er habe keinen Liebeskummer mehr, erklärt Brown dem "Times"-Reporter. Vor allem Rihannas Auftritt bei Diane Sawyer habe ihm die Augen geöffnet, nun werde er sich vor allem auf sich selbst konzentrieren - und natürlich auf die Promotion seines neuen Albums.

Die ganze Geschichte sei jedoch sehr "demütigend", sagt Brown, "aber das ist letztlich gut so. Wenn man mit 15 in dieses Geschäft einsteigt, gleich mit dem ersten Album eine Nummer eins hat und sich daran gewöhnt, dass Leute deinen Namen kreischen, dann gerätst du schnell ins Reich der Arroganz. So wie ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden, ist gar nicht schlecht. Im Gegenteil: Dir wird wieder bewusst, wie viel Glück du gehabt hast."

bor



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Böser Nikolaus 06.12.2009
1. Die Kehrseite der Emanzipation
Chris Brown hat sicher Recht: Auch Frauen können gewalttätig sein, sie sind es, und wer sich als Mann wehrt, hat derzeit ganz schlechte Karten. Er hat in jedem Fall verloren, ganz egal, was er tut. Aus meiner persönlichen Erfahrung ist der Auslöser für die meisten Probleme schlicht der Alkohol. Ausserdem zuviel Zeit, um über das eigene Leben oder die eigene Beziehung reflektieren zu können.
TotalRecall 06.12.2009
2. Rich, bored, stupid
Prügelei im Lamborghini...Der Gipfel der Dekadenz.
Mo2 06.12.2009
3. Gähn
Der sog. Sänger und die sog. Sängerin - wen interessiert das eigentlich? Sind wir hier bei Gala-Online, BLÖD-Online oder wie?
jellicoe 06.12.2009
4. Für einen Zwanzigjährigen...
... eine erfreulich differenzierte Betrachtung. Aber ja, ich verstehe auch nicht ganz was dieses Thema auf SPON verloren hat.
_jadzia 06.12.2009
5. Voll auf den Leim gegangen...
... ist der Autor des Artikels der Argumentation eines Täters, der sich doch nur rechtfertigen will. 1.) Zur häuslichen Gewalt gehören immer zwei? --> Es kommt vor, dass sich Paare prügeln. Wenn einer hinterher so aus schaut, egal ob Mann oder Frau, ist der andere aus dem Ruder gelaufen 2.) Er lässt durchblicken, dass er sich nur verteidigt hat? --> Der muss sie fast k.o. schlagen, damit er sich von ihr befreien kann? Nicht sehr glaubhaft. Fazit: Man wird sicherlich noch Einschlägiges (gutes Wort!) von Chris Brown hören, bitte nicht mehr bei SPIEGEL ONLINE und nicht derart unreflektiert.
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