Putin und die Frauen Scheidung im Februar, Hochzeit im Juni?

Wandelt Wladimir Putin auf Sarkozys Spuren? Ein russisches Blatt berichtet, der Noch-Präsident habe sich von seiner Frau getrennt - und sei bereits wieder in festen Händen. Seine Angebetete soll die Ausnahmesportlerin Alina Kabajewa sein, eine Heirat im großem Stil sei geplant.

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Hamburg - Egal, was sie in die Hände nimmt, ob Keulen, Reifen oder das Schicksal russischer Jugendlicher - die erst 24 Jahre alte Olympiasiegerin Alina Kabajewa glänzt mit vollendeter Eleganz und sportlichen Höchstleistungen. Von ihren Landsleuten wird sie hymnisch verehrt. Dass sie auch Präsident Putin den Kopf verdreht hat, ist ein Gerücht, das derzeit in Moskau für Aufregung sorgt.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich Putin bereit erklärt hat, die Führung der Regierungspartei Einiges Russland zu übernehmen, drängt sein bisher wie ein Staatsgeheimnis gehütetes Privatleben in die Schlagzeilen.

Der ehemalige KGB-Spion soll sich bereits im Februar in aller Stille von seiner Frau Ljudmila getrennt haben und angeblich planen, die blutjunge Sportlerin zu heiraten. Gerüchten zufolge soll dies schon am 15. Juni geschehen - im Konstantinow-Palast im Petersburger Vorort Strelna, in dem vor zwei Jahren das G8-Treffen stattfand.

Aus "Kreisen, die dem Petersburger Establishment nahe stehen" will der "Moskowskij Korrespondent" erfahren haben, dass auch in Russland das "Sarkozy-Syndrom" Fuß gefasst hat: "Wladimir Putin ist bereits seit zwei Monaten geschieden und frei von familiären Verpflichtungen", sagte ein Informant dem Blatt, das dem Mitbesitzer von Michail Gorbatschows "Nowaja Gaseta", Alexandr Lebedew, gehören soll. Einen Vermerk über die vollzogene Scheidung habe ein Standesamt in Sankt Petersburg bereits im Februar in Putins Pass eingetragen, hieß es.

Die Quelle soll ein "enger Freund" des Besitzers einer Veranstaltungsagentur sein, die sich um die Ausrichtung der Hochzeit des Noch-Präsidenten bewerbe.

"Es wäre uns eine große Ehre"

Die in diesem Zusammenhang genannte Moskauer Veranstaltungsfirma "Karnaval-Stil" dementierte gegenüber SPIEGEL ONLINE jede wie auch immer geartete Verbindung mit einer angeblichen Hochzeit Putins: "Wir haben davon genau wie Sie aus dem Internet erfahren", sagte Direktor Sergej Tylkin am Dienstag. "Es wäre uns natürlich eine große Ehre, ein solches Fest auszurichten, aber das Ganze ist Unsinn." Es handele sich um unseriöse Informationen, so der Event-Manager.

Der Kreml wiederum schweigt eisern. Auch Alina Kabajewas Sprecher dementierte die Meldungen über eine Liaison vehement. Marat Kabajew, Vater der jungen Dame, weiß nichts von einer Hochzeit - findet eine solche Verbindung aber prinzipiell positiv, wie er den "Moskowskij Korrespondent" wissen ließ.

Der Autor des fraglichen Artikels gibt sich dagegen wohlinformiert: "Wenn ich eine solche Nachricht unter meinem Familiennamen und nicht unter Pseudonym veröffentliche, dann können Sie davon ausgehen, dass sie zu 75 Prozent stimmt", ereifert sich Sergej Topol im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Redakteur des "Moskowskij Korrespondent" ist für seine Publikation von zahlreichen Lesern gescholten worden, aber von seiner Mission überzeugt. "Moskau hat schon immer von Gerüchten gelebt. Wir wissen: Egal welches Gerücht aufkommt - früher oder später erweist es sich als wahr."

In politischen Kreisen der Hauptstadt sei ohnehin jedem alles bekannt. Schon die Autorin und Journalistin Jelena Tregubowa habe in ihrem Buch "Die Mutanten des Kreml" über die Avancen des scheidenden Präsidenten geschrieben. Dennoch würden die Menschen im Land solche amourösen Verstrickungen lieber in der eigenen Küche diskutieren, als über sie in der Zeitung zu lesen, räumt Topol ein.

Warum die amouröse Nachricht ausgerechnet jetzt lanciert wurde, darüber mag der Journalist nicht spekulieren: "Diese Frage müssen Sie jemand anderem stellen." Ob die Liaison mit der attraktiven Sportlerin zu einer noch größeren Popularität des scheidenden Präsidenten und zukünftigen Ministerpräsidenten führen könne, sei schwer zu beantworten.

"Perfekter Körper, Gesicht wie eine Gazelle"

Die italienische Presse übt sich derweil bereits in überschwänglichen Lobeshymnen auf Putins mutmaßliche Liaison. Die ursprünglich aus Usbekistan stammende Kabajewa sei "fast eine Legende", schreibt die "Gazzetta dello Sport". Immerhin hat die Sportlerin im Jahr 2004 bei Olympia in Athen Gold in Rhythmischer Gymnastik geholt, vier Jahre vorher in Sydney Bronze. Zweimal war sie Weltmeisterin, fünfmal Europameisterin.

"Einen perfekten Körper, ein Gesicht wie eine Gazelle, zwei leicht orientalische Augen und sehr lange braune Haare", schwärmt die italienische "Repubblica" von Kabajewas Äußerem und sieht bereits den Stern der russischen Tennis- und Sex-Ikone Scharapowa sinken.

An der russischen Heimatfront sieht man das bisweilen anders. Ein unfreundlicher Besucher des Blogs auf der Seite des "Moskowskij Korrespondent" pöbelte gegen "die dickliche und schlecht erzogene provinzielle, dumme Gans, Tochter eines Fußballspielers und einer Basketballerin".

Gleichwohl fehlt es der junge Dame nicht an Ehrgeiz und Esprit: An ihre sportliche Karriere schloss sie nahtlos eine politische an: Seit dem 2. Dezember ist sie Abgeordnete des Parlaments für die Regierungspartei Einiges Russland - der Partei, deren Vorsitz Putin jetzt übernommen hat.



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