Royals zeigen Hitlergruß Kleine Queen und großer Diktator

Ein Video, in dem die Queen als Mädchen den Hitlergruß zeigt, empört die Briten. Waren die kleine Elizabeth und ihre Mutter so fasziniert von den Nazis wie der spätere König Edward VIII.?

Hitlergruß vor Familiensitz: Die heutige Queen Elizabeth II. mit ihrer Mutter
Screenshot Video www.thesun.co.uk

Hitlergruß vor Familiensitz: Die heutige Queen Elizabeth II. mit ihrer Mutter


Mit ernstem Blick steht sie da, den rechten Arm um 45 Grad angehoben, die kleine Hand glatt ausgestreckt: Ein mehr als 80 Jahre altes Video mit Queen Elizabeth II. sorgt derzeit für Gesprächsstoff nicht nur in Großbritannien.

Das Boulevardblatt "The Sun" veröffentlichte die nur 17 Sekunden lange Aufnahme aus dem Privatarchiv der Royals. Darauf zu sehen: die etwa siebenjährige Elizabeth, die mit ihrer Schwester Margaret über den Rasen tobt, tanzt und mit dem Hund spielt. Ebenfalls im Bild sind ihr Onkel, der spätere König Edward VIII., sowie die Mutter Elizabeth, die als Erste die Hand zum Hitlergruß hebt und von den anderen imitiert wird.

Dem Blatt zufolge wurde das Filmchen im Jahr 1933 oder 1934 auf Schloss Balmoral in Schottland gedreht. Es ist offenbar noch nie gezeigt worden.

Jetzt ist die Diskussion entbrannt: Warum diese unsägliche Geste? War es ein Witz, politische Überzeugung oder gar beides? Edward, der 1936 wegen seiner Heirat mit der geschiedenen US-Bürgerin Wallis Simpson abdankte, hegte Sympathien für Hitler und die Nazis. Ein Foto aus dem Jahr 1937 zeigt ihn mit seiner Frau bei einem persönlichen Treffen mit Hitler in Bayern.

Im Oktober 1937 reisten der Herzog und die Herzogin von Windsor nach Deutschland, um Adolf Hitler zu treffen, der sie auf dem Obersalzberg empfing
DPA

Im Oktober 1937 reisten der Herzog und die Herzogin von Windsor nach Deutschland, um Adolf Hitler zu treffen, der sie auf dem Obersalzberg empfing

Der Palast werde ungern an Edwards politische Vorlieben erinnert, kommentierte der Königshaus-Korrespondent der BBC, Peter Hunt: "Ein Mann, der kurz König war, und dessen Faszination für das nationalsozialistische Deutschland gut dokumentiert ist."

Der Biograf Hugo Vickers nahm Edward in Schutz: Er habe mit seinem Besuch bei dem deutschen Diktator zwar seine Familie und die Briten vor den Kopf gestoßen, aber die Absicht gehabt, einen weiteren Krieg zu verhindern. Die Mutter der Queen habe die Nazis gehasst und die Deutschen noch abgelehnt, als die Briten sich nach dem Krieg längst wieder mit ihnen versöhnt hätten. Sich über die Nazis lustig zu machen, sei durchaus üblich gewesen in den frühen Dreißigerjahren.

Diese These stützt auch Fraser Nelson vom britischen "Spectator": "Es ist ein bemerkenswertes Foto", schreibt er. "Aber jeder weiß, dass es damals nicht dieselbe Bedeutung hatte wie heute." Die Machtergreifung durch Hitler im Jahr 1933 sei von den meisten Briten noch als seltsame Phase in der Geschichte des Landes betrachtet worden, die schnell überwunden werden würde. Die nationalsozialistischen Symbole und der NS-Habitus wurden demnach mit Faszination und Grauen, aber auch mit Spott betrachtet, wie etwa Jahre später in dem US-Film "Der große Diktator" mit Charlie Chaplin.

Nicht nur Edward habe mit den NS-Ideen sympathisiert, sondern auch "eine beunruhigend Zahl von Briten". So habe etwa der konservative Außenminister Lord Halifax erklärt, dass Hitler "sehr aufrichtig" sei und sein Minister ohne Geschäftsbereich, Hermann Göring, "offengesagt attraktiv".

Auch im "Telegraph" werden die Royals gegen jede Schmach verteidigt: "In den Dreißigern haben Briten überall Hitler veräppelt", schreibt der konservative Kolumnist Simon Heffer. Im Jahr 1933 habe niemand, und schon gar nicht eine Siebenjährige, eine Ahnung von Hitlers zerstörerischem Potenzial gehabt. "Es ist der wahrscheinlich billigste Angriff, den man gegen jemanden in der Öffentlichkeit fahren kann, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was er oder sie in der Kindheit getan hat", empörte er sich.

"Das Material schadet der königlichen Familie natürlich", sagte Graham Smith von der antimonarchistischen Gruppe Republic der Zeitung "Guardian". Die Royals hätten immer ihr "Märchen-Image" gepflegt, das über einen fragwürdigen familiären Hintergrund hinwegtäusche. Ein Verdacht, die Queen habe selbst mit den Nazis sympathisiert, lasse sich aus dem Video aber nicht ableiten, da sie ein Kind gewesen sei. Zahlreiche Kommentatoren riefen dazu auf, das Video im historischen Kontext zu sehen.

Die "Sun" betonte, die Veröffentlichung richte sich nicht gegen Elizabeth II. oder ihre Mutter, sie gebe jedoch "faszinierende Einblicke" in das Weltbild Edwards. An das Video sei die Zeitung "auf legitime Art" gekommen, sagte der leitende "Sun"-Redakteur Stig Abell dem Sender BBC Radio 4.

Der frühere Pressesprecher der Queen, Dickie Arbiter, mutmaßte gegenüber Sky News, dass das Filmmaterial versehentlich mit harmlosen Aufnahmen herausgegeben worden sein könnte.

Der Buckingham-Palast hatte mit Befremden auf die Veröffentlichung der Aufnahmen reagiert. Dass sie an die Öffentlichkeit gelangt seien und derart ausgeschlachtet würden, sei bedauerlich. Die "Sun" machte ihre Samstagsausgabe auf mit dem Bildmaterial und dem Titel "Their Royal Heilnesses" - einer Verballhornung der royalen Anrede "Their Royal Highnesses, "Ihre Königliche Hoheiten".

ala/dpa/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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Ribisel 18.07.2015
1. Erbärmlich.
Adolf Hitler described Queen Elizabeth as "the most dangerous woman in Europe". http://crht.ca/queen-elizabeth-the-queen-mother/ Gefährlich für A.H. weil sie von Beginn an entschieden gegen ihn auftrat. Sie machte sich zudem über ihn und die Deutschen lustig, indem sie ihn unter anderem auch parodierte, was alle zum Lachen brachte. Und dieses Heben des rechten Arms war 1933 noch unter ganz anderen Namen bekannt. Zum Beispiel 'Olympischer Gruß' oder 'Ballamy Salute'. Deutscher Gruß wurde er erst später genannt. Schauen sie sich doch mal Bilder aus amerikanischen Klassenzimmern an, aus dieser Zeit. Da stehen Kinder genau so da, rechte Hand erhoben. Fahneneid. Alles ganz ohne deutsche Nationalsozialisten, ganz ohne A.H. Es ist ziemlich erbärmlich, aus diesem Filmschnitzelchen einen Skandal produzieren zu wollen. Das läßt mich nicht gut über die englische Presse denken.
graf.koks 18.07.2015
2. Au weia!
Von mir existiert ein altes Familienfoto, auf dem ich Mitte der 50er Jahre mit Baskenmütze, schwarzer Kniebundhose und Flanellhemd abgebildet bin (tatsächlich wahr!). Glücklicherweise hat bisher niemand herausgefunden, daß ich schon als Funfjähriger mitten in West-Berlin verdecktes Mitglied des baskischen Widerstandes war! Au weia!
gandhiforever 18.07.2015
3. Bellamy Salute
Zitat von RibiselAdolf Hitler described Queen Elizabeth as "the most dangerous woman in Europe". http://crht.ca/queen-elizabeth-the-queen-mother/ Gefährlich für A.H. weil sie von Beginn an entschieden gegen ihn auftrat. Sie machte sich zudem über ihn und die Deutschen lustig, indem sie ihn unter anderem auch parodierte, was alle zum Lachen brachte. Und dieses Heben des rechten Arms war 1933 noch unter ganz anderen Namen bekannt. Zum Beispiel 'Olympischer Gruß' oder 'Ballamy Salute'. Deutscher Gruß wurde er erst später genannt. Schauen sie sich doch mal Bilder aus amerikanischen Klassenzimmern an, aus dieser Zeit. Da stehen Kinder genau so da, rechte Hand erhoben. Fahneneid. Alles ganz ohne deutsche Nationalsozialisten, ganz ohne A.H. Es ist ziemlich erbärmlich, aus diesem Filmschnitzelchen einen Skandal produzieren zu wollen. Das läßt mich nicht gut über die englische Presse denken.
Bis 1942 war es ueblich, dass Schulkinder in den USA so ihren Schultag begannen. http://usgovinfo.about.com/od/uscongress/fl/Why-Americans-Once-Gave-the-lsquoBellamy-Salutersquo.htm Doch dann verabschiedete sich das Land davon.
tweet4fun 18.07.2015
4. Äußerst seltsam!
Und diese Nicht-Nachricht aus der britischen SUN, dem niveaulosesten Klatschblatt für gelangweilte Unterschichtshausfrauen ohne jeglichen Intellekt, ist dem SPON mittlerweile zwei Artikel wert? Oder soll hier der "Olympische Gruß" rechtzeitig wieder hoffähig gemacht werden? Ich wundere mich und frage ja nur.
milpark 18.07.2015
5. Vergangenheit ?
Keinesweg! Heutige Hitler-Grüßer findet man z.B. beim eifrigen Jungvolk der Terrororganisation Hisbollah (siehe Foto hier http://www.tagesspiegel.de/politik/aufnahme-auf-eu-terrorliste-willkommen-im-hisbollah-freizeitpark/8537300.html ). Diese Truppen marschieren mit dem Ziel der Vernichtung Israels alle Jahre beim Quds-Marsch mit ihren Fahnen durch Berlin. Polizei und Innensenator fanden auch in diesem Jahr nichts zu beanstanden.
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