Rätselhafter Tod Kindermädchen enthüllt erschütternde Details über Jackson

Bis zu acht Medikamente soll Michael Jackson in den Monaten vor seinem Tod wild durcheinander und hochdosiert zu sich genommen haben, sagt die langjährige Betreuerin seiner Kinder. Manchmal habe sie seinen Magen auspumpen müssen.


Los Angeles - Grace Rwaramba, 42, war wie eine Mutter für die Kinder Michael Jacksons. Mehr als zehn Jahre lang kümmerte sie sich um Prince, 12, Paris, 11, und "Blanket", 7, und reiste mit dem Popstar um die Welt, bis sie im Dezember vergangenen Jahres gefeuert wurde. Der britischen Zeitung "The Times" schilderte die aus Ruanda stammende Frau den zunehmend katastrophalen Zustand des "King of Pop", der am Donnerstag im Alter von 50 Jahren gestorben ist.

Laut Rwaramba nahm Jackson regelmäßig bis zu acht verschiedene Medikamente zu sich, darunter allein drei Schmerzmittel, zum Teil in hohen Dosierungen. Die Nanny, die in den kommenden Tagen als Zeugin von der Polizei vernommen werden wird, sagte der "Times": "Oft musste ich seinen Magen auspumpen, weil er immer so viel durcheinander genommen hat."

In einer Phase sei Jacksons Zustand so schlimm gewesen, berichtet Rwaramba, dass sie den Kindern verboten habe, ihren Vater zu sehen. Einmal habe sie Jacksons Mutter Katherine und Schwester Janet angerufen, um die Familie um Unterstützung zu bitten. Doch der Hilferuf sei zum Bumerang geworden, so die Kinderfrau. Jackson habe sich hintergangen und betrogen gefühlt. "Er wollte einfach nicht zuhören. Das war das erste Mal, dass er mich feuerte."

Die Nanny sagte zudem, dass Jackson in den Monaten vor seinem Tod ein Nomadenleben führte und zunehmend den Überblick über seine Finanzen und Verpflichtungen verloren habe. So habe der Sänger ihr gegenüber gesagt, dass er nur für zehn der 50 geplanten Londoner Konzerte zugesagt habe. "Er wusste nie, was er unterschrieb."

Auch über seinen Finanzstatus war der hoch verschuldete Sänger nicht mehr im Bilde. Einmal habe Jackson Rwaramba nach Florenz geschickt, um Antiquitäten im Wert von einer Million Dollar zu kaufen, "aber wir hatten zu der Zeit noch nicht mal ein Haus, also mussten wir die Sachen einlagern lassen".

Wenn Jackson Geld hatte, stopfte er es laut Rwaramba in schwarze Müllsäcke oder legte es in dem Mietshaus in Los Angeles unter den Teppich. Gleich am Freitag um 7 Uhr morgens, wenige Stunden nach dem Tod des Popstars, habe Katherine Jackson sie angerufen, um zu erfahren, wo das Geld sei. Wahrscheinlich habe sie Angst gehabt, es könnte in falsche Hände geraten.

Unklar ist, ob Grace Rwaramba Jackson auch dabei half, die Arzneimittel zu beschaffen. Die Polizei von Los Angeles berichtete am Samstag, Jackson sei in den letzten Monaten abhängig von dem starken Schmerzmedikament Oxycodon gewesen und habe eine Stunde vor seinem Tod noch eine Injektion mit Demerol bekommen, einem weiteren Schmerzmittel.

Wegen zunehmender Spekulationen um die Todesursache wurde die Leiche Jacksons auf Wunsch der Familie inzwischen ein zweites Mal obduziert, Ergebnisse wurden zunächst jedoch nicht bekanntgegeben. Eine erste Untersuchung war am Freitag ohne endgültiges Ergebnis geblieben. Die toxikologischen Gutachten werden in vier bis sechs Wochen vorliegen, hieß es. Hinweise auf Gewalteinwirkung gab es laut den Gerichtsmedizinern jedoch nicht.

Die Jacksons hatten sich zuvor unzufrieden mit den bisherigen Bemühungen um die Klärung der Todesursache gezeigt. "Uns gefällt nicht, was läuft", sagte Vater Joe Jackson dem US-Magazin "People". Der Leichnam des Sängers war am späten Freitagabend der Familie übergeben und an einen geheim gehaltenen Ort gebracht worden, wie Medien und Behördenvertreter mitteilten.

Das Misstrauen der Familie konzentriert sich vor allem auf Dr. Conrad Robert Murray, den Leibarzt Jacksons, der als einziger in der Stunde des Todes Jacksons anwesend war. Er sei der Familie verdächtig, weil er bislang so wenig erklärt habe. "Wann ist der Arzt gekommen? Was hat er gemacht? Hat er ihm eine Spritze gegeben und wenn ja, was für eine?", sagte der Bürgerrechtler Jesse Jackson, ein Freund der Familie, dem Sender ABC. Jackson war es auch, der den Angehörigen des Popstars zu einer zweiten Autopsie geraten hatte.

Murray wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Der Kardiologe werde von der Polizei nicht als Verdächtiger, sondern als Zeuge betrachtet, betonte eine Sprecherin Murrays am Samstag. Bei einer zweiten, rund dreistündigen Befragung durch die Polizei in Los Angeles sei es lediglich darum gegangen, "einige Ungereimtheiten" aufzuklären. Einem Pressebericht zufolge wurde Murrays vor Jacksons Haus geparkter BMW beschlagnahmt. Jackson hatte den 56 Jahre alten Arzt Berichten zufolge erst vor kurzem zu seinem Leibarzt gemacht. Der Mediziner sollte ihn demnach auch auf der geplanten Tournee begleiten.

Jackson-Familie ringt um Informationen

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

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In ihrer ersten ausführlichen Erklärung nach dem plötzlichen Tod von Michael Jackson hat die Familie des Musikers von ihrer tiefen Bestürzung berichtet. In dem Schreiben, das Jacksons Vater Joseph dem Magazin "People" am Samstag übermittelte, ist "von einem der dunkelsten Stunden unseres Lebens" die Rede. "Unser geliebter Sohn, Bruder und Vater von drei Kindern ist so unerwartet, auf so tragische Weise und viel zu früh von uns gegangen." Die Familie sei davon so "erschüttert und sprachlos", dass es ihr momentan fast unmöglich sei, darüber zu sprechen.

"Wir vermissen Michael unendlich, unser Schmerz ist nicht in Worte zu fassen. Aber Michael würde nicht wollen, dass wir jetzt aufgeben. Deshalb möchten wir allen treuen und loyalen Fans weltweit danken, euch, die Michael so sehr liebte", heißt es in der Erklärung weiter. Michael werde "in jedem einzelnen von euch weiterleben". Die Fans sollten seine "Botschaft" weiterverbreiten und so sein "Vermächtnis" unsterblich machen.

Nach dem Tod Jacksons hatten Jacksons Eltern und Geschwister zunächst jedoch keine Informationen, ob es ein Testament des "King of Pop" gibt und wer ihn in seinen letzten Tagen beraten hat. Laut "People"-Magazin verweigern zudem Jacksons Rechtsanwälte den Angehörigen das Testament. "Die Familie hat keine Ahnung, was sie tun soll. Sie wissen noch nicht mal, wann sie ihn beerdigen sollen", sagte ein Informant dem Magazin. "Sie bekommen keine Antworten von Michaels Anwälten."

Tatsächlich wird es in den kommenden Monaten um viel Geld gehen, denn Jacksons Alben schießen seit Freitag weltweit auf die Spitzenplätze der Charts und dominieren die Verkaufsrankings von Amazon bis iTunes.

Aber auch die Deutungshoheit über das Vermächtnis Jacksons ist ein kritisches Thema: Der Jackson-Clan erwägt daher, weltweit gleichzeitig mehrere Trauerfeiern für den "King of Pop" auszurichten. Über diesen, seinen Vorschlag wolle er am Sonntag mit der ganzen Familie sprechen, sagte der Priester und Bürgerrechtler Al Sharpton, ein langjähriger Freund der Jacksons. Zwei Brüder des mit 50 Jahren verstorbenen Musikers, Jackie und Jermaine Jackson, hätten ihn dazu eingeladen.

Die Familie wolle sicherstellen, so Sharpton, dass Jackson vor allem wegen seiner Leistungen für Musik, Tanz und Kultur in Erinnerung bleibe - und nicht wegen seiner Schulden, den früheren Vorwürfen des Kindesmissbrauchs oder wegen der Einnahme von Schmerzmitteln, worauf sich viele Medien konzentrierten, sagte Sharpton. Wenn auf der ganzen Welt gleichzeitig um den "King of Pop" getrauert würde, "dann müssten sich die Medien darauf konzentrieren, was Millionen Menschen für ihn fühlten", sagte Sharpton. "Michael Jackson war ein Genie und kein Freak."

bor/AFP/AP

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