Aussage eines Staatsanwalts bleibt unter Verschluss Gericht lehnt Antrag im Polanski-Fall ab

Seit 1977 läuft ein Verfahren gegen Roman Polanski wegen eines Sexualdelikts. Nun forderten Journalisten, eine Aussage zum mutmaßlichen Vorteil des Regisseurs herauszugeben. Doch das Gericht entschied erneut dagegen.
Regisseur Roman Polanski (Archivbild)

Regisseur Roman Polanski (Archivbild)

Foto: CHARLES PLATIAU/ REUTERS

Seit mehr als 40 Jahren ermittelt die US-Justiz gegen den Regisseur Roman Polanski (»Der Pianist«) wegen eines Sexualdelikts. Nun hat ein Gericht in Los Angeles erneut eine Entscheidung gefällt, die sich gegen den polnisch-französischen Filmemacher richtet. Eine bisher nicht veröffentlichte frühere Mitschrift einer Aussage bleibt nach richterlicher Anordnung weiter unter Verschluss, wie das Branchenblatt »Deadline.com« am Dienstag berichtete.

Zwei US-Journalisten hatten gefordert, dass die Aussage des damaligen US-Staatsanwalts Roger Gunson, der das Missbrauchsverfahren gegen Polanski im Jahr 1977 geleitet hatte, veröffentlicht werde. Gunson soll 2010 wichtige Äußerungen gemacht haben, die Polanskis Gesuch untermauern könnten, dass er seine Strafe in den USA bereits abgesessen habe. Schon 2017 hatte ein Richter gegen die Offenlegung der Dokumente gestimmt.

Polanskis Anwalt will Berufung einlegen

Die neuerliche Absage des Gerichts habe ihn nicht überrascht, teilte Polanskis Anwalt, Harland Braun, am Dienstag in einer Stellungnahme der Nachrichtenagentur dpa mit. Die Richter stünden unter Druck, das jahrzehntelange Fehlverhalten früherer Kollegen zu decken. Er werde Berufung gegen die Entscheidung einlegen, betonte Braun.

Polanski hatte 1977 zugegeben, Sex mit einer 13-Jährigen gehabt zu haben, den Vorwurf einer Vergewaltigung aber zurückgewiesen. Er verbrachte mehrere Wochen in einer Haftanstalt unter psychiatrischer Beobachtung. Im Gegenzug für sein Geständnis wollte der damalige Richter von einer längeren Freiheitsstrafe absehen. Unmittelbar vor der Strafmaßverkündung gab es aber Zweifel an dieser Zusage, Polanski floh nach Frankreich und betrat die USA seitdem nie wieder.

Das Gericht in den USA hat wiederholt verlangt, den inzwischen 88-jährigen Starregisseur auszuliefern. Polanskis Anwälte setzen sich dagegen für ein Ende der Strafverfolgung ein. Die Betroffene, eine heute 58 Jahre alte Amerikanerin, hat mehrmals öffentlich bekundet, dass sie nicht gegen den Regisseur vorgehen wollte.

ala/dpa
Mehr lesen über