Fotostrecke

Schwedens König: Der Kampf um die Bilder

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images

Rotlicht-Skandale König Carl Gustaf soll Stellung beziehen

Angesichts anhaltender Skandalberichte gerät Schwedens König Carl XVI. Gustaf unter Zugzwang. Der Ruf nach einer Stellungnahme des Monarchen und rechtlichen Konsequenzen wird immer lauter. Jetzt hat der Palast ein Exklusivinterview angekündigt.

Stockholm - Die Aktien stehen schlecht: Der mit Bordellbesuchen und angeblichen Rotlicht-Kontakten in die Bredouille geratene König Carl XVI. Gustaf ist bei seinen Landsleuten derzeit so unbeliebt wie nie zuvor. Bei einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage sprachen sich nur noch 44 Prozent der befragten Schweden für seinen Verbleib auf Schwedens Thron aus. Immerhin 41 Prozent wären demnach für seine Abdankung zugunsten der 33-jährigen Kronprinzessin Victoria.

Zwar absolviert der König derzeit seine Pflichttermine, das Lächeln fällt ihm aber zusehends schwer. Während Thronfolgerin Victoria mit Ehemann Prinz Daniel souverän ihren Deutschland-Besuch in München und Berlin absolvierte, floh ihr Vater buchstäblich vor der Öffentlichkeit - jedenfalls, wenn sie mit der Anwesenheit von Journalisten verbunden war.

Carl Gustaf war erst in der vergangenen Woche erneut in die Schlagzeilen geraten. Ein langjähriger Bekannter von ihm soll versucht haben, kompromittierende Fotos des Königs bei einem Stockholmer Nachtclubbetreiber mit zweifelhaftem Ruf zu erwerben. Ein Telefonat zwischen den beiden Männern wurde mitgeschnitten und im Rundfunk veröffentlicht.

Der Ehemann von Königin Silvia, 67, hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert - was der Sache wenig dienlich scheint. Es sei "ein großes Problem, dass niemand nachprüfen kann, was da passiert ist, und keiner weiß, was wahr ist", sagte der sozialdemokratische Vorsitzende des Verfassungsausschusses im schwedischen Reichstag, Sven-Erik Österberg, am Montag in der Zeitung "Aftonbladet". Er forderte nach Berichten über Kontakte mit Unterweltgrößen rechtliche Konsequenzen. "Ich plane dazu eine Initiative", sagte Österberg. Auch die oppositionelle Linkspartei will offizielle Rechenschaft vom König verlangen.

Im vergangenen Herbst hatte ein Biograf in dem Buch "Der widerwillige Monarch" über "Herrenabende" des Königs und seiner Freunde mit bezahlter Damenbegleitung berichtet. Auch Striplokale sollen die Herren besucht haben, hieß es. "Die Königin und ich haben beschlossen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte Carl Gustaf nach den Enthüllungen. Und schwieg dann.

Als der reiche Geschäftsmann Anders Lettström jetzt die auf Band aufgenommenen und im Rundfunk abgespielten Verhandlungen über den Kauf der angeblichen Sex-Fotos zugab, sagte Carl Gustaf, es sei gut, dass jemand die Verantwortung übernehme. Er selbst würde nie mit Kriminellen verhandeln.

Jetzt scheint zumindest das Umfeld des Monarchen die Brisanz der Lage erkannt zu haben: Am Montag hieß es, Gustaf werde sich in einem Interview zu den Berichten äußern. Hofsprecher Bertil Ternert bestätigte in Stockholm, dass noch am Abend ein Exklusivinterview des Königs mit der schwedischen Nachrichtenagentur TT veröffentlicht werden sollte.

Wie lange Königin Silvia noch Contenance bewahren wird, darf mit Spannung beobachtet werden. Zu einem offiziellen Termin erschien die gebürtige Heidelbergerin vergangene Woche ohne Ehering. Nein, das sei kein Statement, ließ sie Hofsprecher Ternert unverzüglich erklären. Sie habe nur eine Schwellung am Ringfinger gehabt.

ala/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel