Royal an der Front Prinz Harry zieht in den Irak-Krieg

Der lang gehegte Wunsch von Prinz Harry geht in Erfüllung: Er darf in den Krieg ziehen. In wenigen Monaten wird der Leutnant zusammen mit seinem "Blues-and-Royals-Kavallerieregiment" im Süd-Irak stationiert. Dort soll er einen Zwölf-Mann-Trupp in Erkundungsfahrzeugen anführen.


London - Als Party-Prinz und Rebell hat Prinz Harry bislang auf sich aufmerksam gemacht. Doch nun wird man sich an seinen Aufzug in Armeeuniform und Tarnfleck gewöhnen müssen - denn er darf und wird in den Krieg ziehen. Heute Mittag hat das britische Verteidigungsministerium die Gerüchte bestätigt und bekanntgegeben: Prinz Harry, der jüngere der beiden Söhne des britischen Thronfolgers Prinz Charles, zieht mit seinem Regiment in den Irak.

Prinz Harry in Tarnfleck:
AP

Prinz Harry in Tarnfleck:

Der 22-jährige Prinz, der an dritter Stelle in der Thronfolge steht, ist Leutnant im "Blues-and-Royals"-Kavallerieregiment, das in mehreren Ländern der Welt im Einsatz ist. Das Regiment soll voraussichtlich im Mai oder Juni für sechs bis sieben Monate im Irak eingesetzt werden.

Mit Harrys Einsatz im Süd-Irak wird nach 25 Jahren erstmals wieder ein Mitglied der englischen Königsfamilie in einem Kriegsgebiet stationiert. Harrys Onkel Andrew, der Duke of York, diente vor 25 Jahren im Falklandkrieg in der britischen Armee als Helikopterpilot. Harrys Urgroßvater, König Georg VI., nahm am Ersten Weltkrieg teil.

Der Prinz hatte schon mehrfach betont, er wolle an vorderster Front kämpfen und seine Einheit bei einer Verlegung in den Irak anführen. Der 22-Jährige soll sogar mit einem Austritt aus der Armee gedroht haben, sollte ihm dieser Wunsch verwehrt werden. "Es geht nicht, dass ich die Militärakademie Sandhurst durchmache und dann nur zu Hause auf dem Arsch sitze, während meine Jungs draußen für ihr Land kämpfen", hatte er bereits an seinem 21. Geburtstag am 15. September 2005 gesagt. Und Harrys Freundin Chelsy Davy hatte sich nach Angaben der britischen Zeitung "Sun" bereits besorgt bei Freunden geäußert, dass Harry sich "auf in den Krieg" mache.

Seit der Prinz an einem Spezialtraining teilgenommen hat, verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Sohn von Prinz Charles und Diana wirklich in den Krieg geschickt werden würde - auch wenn eine Ministeriumssprecherin entsprechende Berichte noch vor wenigen Tagen als "vollständig spekulativ" abgetan hatte.

Zu dem Spezialtraining gehörte eine Einweisung in die irakischen Sitten und in andere spezifische Lebensbedingungen. Dabei lernte Harry auch ein wenig Arabisch.

Vom Prügel- und Party-Prinz zum pflichtbewussten Soldaten

Im Gegensatz zu seinen pflichtbewussten Äußerungen war Harry in der Vergangenheit vor allem durch Trinkfreudigkeit aufgefallen. Erst Anfang Februar war er durch mehrere Londoner Klubs gezogen und angeblich mit einer attraktiven Brünetten verschwunden. Dabei hatte es eine Zeit lang den Eindruck gemacht, dass die Zeiten vorbei seien, in denen er betrunken durch die Straßen zog, sich auch mal eine Prügelei mit Fotografen lieferte und in einer Nazi-Uniform zu einem Kostümfest erschien.

An der Front im Irak werde Harry die Rolle eines "regulären Truppenführers" haben, teilte das Verteidigungsministerium in Absprache mit Clarence House, dem Amtssitz von Prinz Charles, mit. Harry soll einen Zwölf-Mann-Trupp in Erkundungsfahrzeugen anführen. Wo der Leutnant genau eingesetzt wird, wurde aus Sicherheitsgründen nicht bekannt. Britische Zeitungen spekulieren über einen Einsatz an der Grenze zum Iran.

"Es war eine militärische Entscheidung, ihn zu entsenden", sagte Armee-Chef General Sir Richard Dannatt heute. Prinz Harry sei "überglücklich", verriet ein Kamerad anschließend. Für den 22- Jährigen ist der Einsatz in einem Krisengebiet Wunsch und Pflichterfüllung zugleich.

Auch Harrys Onkel, Prinz Andrew, war 22 Jahre alt, als er 1982 an die Front ging. Er flog während des Kriegs mit Argentinien um die Hoheitsrechte über die Falklandinseln einen Armeehubschrauber. Die britische Öffentlichkeit hatte damals große Bedenken gegen diesen Einsatz. Seine Mutter und Harrys Großmutter, Königin Elizabeth II., bestand jedoch darauf, dass er seinen Einsatz trotz der Risiken fortsetzen sollte.

Großbritannien gehört im Irak zu den engsten Verbündeten der USA, die dort rund 138.000 Soldaten stationiert haben. Nach den USA stellte Großbritannien in den vergangenen Jahren die größten Truppenkontingente. Gestern kündigte Regierungschef Tony Blair jedoch an, in den kommenden Monaten mit dem Abzug der Truppen zu beginnen. 1600 Soldaten kommen nach Hause, nach Großbritannien.

fba/AFP/Reuters/dpa

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