Nachwuchs für William und Kate Komm schon, Baby

Offiziell soll das Kind von Prinz William und Herzogin Catherine Mitte Juli zur Welt kommen. Doch Paparazzi wittern ein Ablenkungsmanöver. Nun lauern sie zu Hunderten vor dem Krankenhaus. Auch der Rest der Insel ergeht sich bereits im Royal-Baby-Rausch.

Getty Images

Von Gesa Mayr


Hamburg/London - Auf dem Parkplatz des Londoner St. Mary Krankenhauses drängen sich rund 160 Fotografen und TV-Teams aus aller Welt. Es geht hart zur Sache. Unter den britischen Journalisten lacht man über die plumpen Methoden der amerikanischen Kollegen, die ihre Standorte rund um die Uhr von Security-Personal bewachen lassen und Taxifahrer anmieten, die Plätze für ihre Sendewagen freihalten sollen. Doch hier lässt sich jetzt niemand mehr wegmobben. Keiner will die wohl lukrativsten Bilder des Jahres verpassen.

Der Geburtstermin des Kindes von Prinz William und Herzogin Catherine ist zwar offiziell erst in zwei Wochen. Konkret gehe es um den 13. Juli, sickerte irgendwann durch. Doch die britischen Paparazzi gelten nicht umsonst als die hartnäckigsten ihrer Zunft. Das misstrauische Fotografenvolk witterte ein Ablenkungsmanöver. Man geht davon aus, dass ein späteres Datum genannt wurde, damit die Herzogin unbehelligt niederkommen kann. Diesen Trick wandte auch Diana an. Ihr erstgeborener Sohn William kam am 21. Juni zur Welt - und nicht wie angekündigt am 1. Juli.

Wann kommt das Kind? Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Zu viele offene Fragen, die niemand beantworten kann. Die Presse hangelt sich von Detail zu Detail in diesen letzten Tagen vor der Geburt. Aus jedem Türöffnen beim St. Mary's, jeder vorbeifahrenden Limousine, jeder noch so dahergesagten Äußerung wird ein Informationströpfchen gepresst.

Selbst konservative Medien wie der "Daily Telegraph" beteiligen sich am großen Kaffeesatzlesen. Angeblich soll der behandelnde Arzt, Marcus Setchell (bereits der Gynäkologe des Vertrauens der Queen), bei einem Kricketspiel am Wochenende auf sein Pint verzichtet haben - der Anruf aus dem Palast könne schließlich jeden Moment kommen, da müsse er nüchtern bleiben. Fast handfest wirkt da die Nachricht, dass das Krankenhaus selbst einige Parkplätze für ein nicht weiter benanntes "Event" reserviert hat.

Pappkarton als Muttergeschenk von der finnischen Regierung

Der Mangel an Informationen befördert die allgemeine Hysterie. Auf Twitter waren erste Enten und Verschwörungstheorien zu lesen, die Herzogin habe längst entbunden. Schuhdesigner beantworten gewissenhaft die Frage, ob Kate so hochschwanger noch Highheels tragen darf (Ja, weil sie es schließlich gewöhnt ist). Journalisten loten die Dauer der Anreise von Wales aus, wo sich Prinz William derzeit noch befindet. Wieder andere analysieren die Kompatibilität zwischen Kate und ihrem Arzt Setchell: Immerhin, sie spielen beide Tennis.

Der Royal-Babykult erstreckt sich nicht mehr nur auf die Insel. Australiens Ex-Premierministerin Julia Gillard strickt längst an einem roten Känguru für den königlichen Spross. Das nächste unkonventionelle Geburtsgeschenk kam aus Finnland. Die Regierung schickte Kate das landesübliche Mutterschaftspaket: Ein Pappkarton, der zur Krippe umfunktioniert werden kann, mit Babyprodukten und Kondomen. Eine sehr umsichtige Geste, hieß es diplomatisch aus dem Palast. Man sei "hoch erfreut und dankbar".

Gekrönt wird die Geburt mit einem Meer von Memorabilia. Einfache Souvenirhändler spülen bereits ihren üblichen Nippes auf die Straßen: Küchenhandtücher, Zierteller, Tassen. Richtig los geht es jedoch erst, wenn Geschlecht und Name des königlichen Nachwuchses bekannt sind. Geschirrhändler warten seit neun Monaten darauf, den Namen des neuen Windsors auf Teekannen und Zuckerdosen pinseln zu dürfen.

Gehobenere Souveniers holen zum Thema "Baby" weiter aus. Porzellan-Schaukelpferde, T-Shirts mit dem Aufdruck "Born to be Royal" und Töpfchen, die bei Benutzung königliche Fanfaren spielen. Selbst der Buckingham Palast lässt sich zu einer Kollektion für das Kleine hinreißen. Ein Strampler im Stil der royalen Garde ist bereits erhältlich. Die Windsors wollen eben auch etwas vom Kuchen abhaben.

80 Millionen Pfund für Souvenirs

Denn wenn die Briten in Feierlaune sind, lohnt sich das für die Kassen. Die Wirtschaft rechnet laut "Daily Mail" und "Telegraph" mit phänomenalen 243 Millionen Pfund, die das beseelte Volk in den kommenden zwei Monaten für Party-Zubehör und Champagner ausgeben wird. Rund 80 Millionen Pfund sollen dabei allein für Souvenirs draufgehen.

In der Hysterie gehen die kritischen Stimmen weitestgehend unter. Wie bei jedem royalen Großevent hat Anti-Monarchie-Aktivist Graham Smith von der Gruppe Republican seinen großen Auftritt. Zuletzt mokierte er sich über die Ausgaben der Windsors. Unlängst war bekannt geworden, dass die britischen Steuerzahler noch mehr für die Königsfamilie abdrücken müssen als bisher. Allein der Kensington Palast, das neue Domizil der jungen Familie, musste für rund 1,18 Millionen Euro renoviert werden.

"Es ist nicht ganz so ein PR-Desaster wie nach dem Tod von Prinzessin Diana, aber es zerstört viel von dem Positiven, das durch das Thronjubiläum, die Olympischen Spiele und die Sorge um die Gesundheit Prinz Philips aufgekommen ist", kommentierte dazu der "Evening Standard".

Eines hat sich in den vergangenen Jahren jedoch gezeigt: Das Bild des glücklichen Traumpaars kann so schnell nichts zerstören.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
MaxMeier 03.07.2013
1.
Systematische Überwachung der Bevölkerung...und die wichtigste Frage ist wann kommt endlich das putzige Baby...
fear_less 03.07.2013
2. Systematische Überwachung der Bevölkerung...
Zitat von MaxMeierSystematische Überwachung der Bevölkerung...und die wichtigste Frage ist wann kommt endlich das putzige Baby...
Die zweit wichtigste Frage dazu ist: Wann kommt endlich die Ablenkung... (LOL, wie passend: "Paparazzi wittern ein Ablenkungsmanöver")
Claudia_D 03.07.2013
3.
Zitat von MaxMeierSystematische Überwachung der Bevölkerung...und die wichtigste Frage ist wann kommt endlich das putzige Baby...
Von der Einladung zum Fünf-Uhr-Tee beim USA-Pudel letztens hört man auch nichts mehr...
mic_london 03.07.2013
4. Spiegel auf Gala-Niveau
"Auch der Rest der Insel ergeht sich bereits im Royal-Baby-Rausch.". Lebe in London und keine Spur von 'nem Rausch. Euer Schwenk hin zu immer mehr "Entertainment" ist ja nicht neu, aber da war wohl Gala der Pate des Artikels. Spiegel, wie tief bist du gefallen? Wieso immer diese Berichte von Hysterie und den ach so abgedrehten Royals. Who bothers?
SPONU 03.07.2013
5. Rupert Murdoch...
Zitat von MaxMeierSystematische Überwachung der Bevölkerung...und die wichtigste Frage ist wann kommt endlich das putzige Baby...
...hatte ja vor Monaten schonmal das Terrain sondieren und Telefonate von Promis mithören lassen. Man stelle sich vor was Paparazzi mit derlei Quellen anfangen würden. Ein Traum jedes tabloidista...
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