Royals auf dem Öko-Pfad Grünes Blut

Eine Kronprinzessin auf Tour in der Arktis, ein Königssohn als Biobauer: Die junge Generation des europäischen Hochadels hat die Umwelt entdeckt. Mit Öko-Stiftungen und Bio-Gütern suchen die Royals eine ökologische Wende. Dennoch bleiben Widersprüche.

AFP

Von Sebastian Knauer


Hamburg - Die Uno-Klimakonferenz von Kopenhagen findet vor seiner Haustür statt, aber Prinz Joachim von Dänemark, 40, zweitgeborener Sohn der Königin, hat offenbar ambitioniertere Ziele, als nur protokollarisch korrekt Hände zu schütteln.

Im November setzte der hager-sportliche Prinz per symbolischem Knopfdruck das hochmoderne Werk des Energieunternehmens Dong für die Produktion von Bio-Treibstoffen der zweiten Generation in Betrieb.

Bis zum Jahre 2040 will Dong 85 Prozent der Strommenge aus erneuerbaren Energien liefern. Und der Adelsspross liefert Stroh, Pflanzenreste und Ernteabfälle von seinem Bauernhof nahe der deutsch-dänischen Grenze in Jütland für Europas größte Anlage für Biosprit der zweiten Generation. Mais oder Korn, aus denen bislang Treibstoff gewonnen wurde, können damit der Nahrungskette vorbehalten bleiben.

Europas Royals haben das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz entdeckt. Das wird nicht erst in Kopenhagen dieser Tage deutlich, wo auch Prinz Charles und die schwedische Kronprinzessin Victoria Präsenz zeigten, sondern seit geraumer Zeit. So reisten die drei skandinavischen Thronfolger Victoria, 32, (Schweden), Haakon, 36, (Norwegen) sowie Frederik, 41, (Dänemark) im vergangenen Frühsommer gemeinsam in die Arktis.

"Überlege mir oft, ob ich mit dem Auto in die Stadt fahren soll"

In Begleitung von führenden Klimaforschern fuhren die Hoheiten auf der "H.D.M.S. Ejnar Mikkelsen" von der Westküste Grönlands in die nördliche Diskobucht - und inspizierten den rapide schmelzenden Gletscher bei Ilulissat, den schon im Jahr 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr damaliger Umweltminister Sigmar Gabriel besichtigten.

Während Victorias Vater König Carl XVI. Gustaf eher seiner Vorliebe für PS-starke Fahrzeuge frönt, schlägt seine Tochter andere Töne an: "Ich denke oft zweimal darüber nach, was ich esse und ob es lokal produziert wurde", sagt die Thronfolgerin laut "Welt", "und überlege mir oft, ob ich mit dem Auto in die Stadt fahren soll."

Auch in der königlichen Garage von Kronprinz Haakon stehen Hybridfahrzeuge und Elektromobile. Seinen Gutshof Skaugum südwestlich der norwegischen Hauptstadt Oslo wollen Haakon und seine Ehefrau Mette-Marit in einen ökologischen Musterbetrieb verwandeln.

Die skandinavischen Adelsgeschlechter scheren damit auf eine Linie ein, die Englands Thronfolger Prinz Charles, 61, schon in den achtziger Jahren zum Vorreiter hoheitlichen Öko-Bewusstseins hat werden lassen.

"Als Teil dieses Planeten leben"

Seinem Landsitz Highgrove ist ein ökologisch wirtschaftender Bauernhof angeschlossen. Und 1990 gründete er die zunächst sehr erfolgreiche Bio-Marke "Duchy Originals", deren etwas trockene Teekekse etwa auch in Deutschland zu haben sind. Der Markenumsatz mit Keksen, Konfitüren oder Suppen betrug zuletzt 50 Millionen Pfund (55 Millionen Euro). Beraten durch den früheren Präsidenten des Bonner Bundesamtes für Naturschutz, Hartmut Vogtmann, hat Prinz Charles sich als Umweltschutzpionier Verdienste erworben - wofür er kürzlich in Berlin den Deutschen Nachhaltigkeitspreis bekam. "Wir müssen einen Weg finden, wie wir als Teil dieses Planeten leben und nicht als Gegner einer Natur, deren Teil wir doch sind", betonte Prinz Charles im "Stern" im Mai 2009.

Dass er seinen Worten Taten folgen lässt, zeigt der Thronfolger auch mit seinem manchmal schrulligen Lebensstil. So kleidet sich Skifahrer Prinz Charles nach Beobachtung der Boulevardpresse angeblich seit über zehn Jahren mit dem gleichen Skianzug, wenn er des Winters im schweizerischen Klosters die Hänge hinabwedelt. Am vergangenen Dienstag stahl der Kämpfer für Regenwald und Artenschutz im Kopenhagener Bella-Center manchem grün gewendeten Politprofi die Schau.

So weit hat es Adelskollege Fürst Albert II. von Monaco noch nicht gebracht. Unverkennbar bemüht sich der Monegasse jedoch, sich als neuer Öko-Star an der Adelsfront zu positionieren. Bereits ein Jahr nach seiner Inthronisierung 2005 gründete er eine eigene Umweltstiftung. Das Ziel der mit geschätzten 20 bis 30 Millionen Euro Privat- und Staatsgeld ausgestatteten "Fondation Prince Albert II de Monaco" ist es ,"den nachhaltigen und gerechten Umgang mit den Naturschätzen zu fördern", aber auch "den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen."

"Da hat der Fürst ein Glaubwürdigkeitsproblem"

So berief der Fürst ein hochkarätiges Beratergremium, dem auch der ehemalige deutsche Umweltminister und Exekutivdirektor der Uno-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer, angehört. In Kooperation mit internationalen Partnern wie der kanadischen One-Drop-Foundation gegen Wasserverschwendung, dem US-amerikanischen Aspen Institut oder der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) kümmert sich die Fürsten-Stiftung um diverse Projekte - etwa um den Schutz des Blauflossen-Tunfischs und des Habichtadlers im Mittelmeerraum, um die Auswirkungen des Klimawandels für die Eisbären und um die Rettung der Westafrikanischen Giraffen in Niger.

Demnächst wird der 51-jährige Fürst in seinem Grimaldi-Palast, dessen Warmwasserversorgung für 235 Zimmer inzwischen auf Solarenergie beruht, einen Gast aus Hamburg empfangen. Der Vorsitzende des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), Maximilian Gege, ist zum Gegenbesuch und Fachgespräch eingeladen - Albert II. hatte im November in der Hansestadt den B.A.U.M.-Sonderpreis erhalten.

Ob der Monegasse solche Ehrungen tatsächlich bereits verdient hat, darüber ist sich die Öko-Szene indes keineswegs einig. Von einem grünen Musterstaat ist das mehr als 700 Jahre alte Fürstentum noch weit entfernt. Weder die Pläne für die Anlage einer Langlauf-Loipe auf der Formel-1-Strecke mit Kunstschnee, noch die fürstliche Unterstützung für die Olympiabewerbung der russischen Stadt Sotschi 2014, die auch Kritik der Umweltschützer hervorrief, passen zur Nachhaltigkeitsoffensive des Adeligen. "Da hat der Fürst ein Glaubwürdigkeitsproblem", urteilt der ehemalige Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weinzierl.

Zumal bekannt ist, dass Albert II. zum Skifahren in den Dolomiten auch schon mal den Luftweg genommen hat - mit dem Helikopter.



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