RTL-Dschungelcamp Sendung mit der Mausi

Ödnis im Dschungelcamp: Die meisten Insassen sind so farblos, dass es nicht mal den einfallsreichen RTL-Radau-Dramaturgen gelingt, ihnen Leben einzuhauchen. Den TV-Göttern sei Dank, dass es im Team eine hasswürdige Giga-Bitch und zwei bestens aufgelegte Moderatoren gibt.


Hamburg - Es funzt nicht. Jedenfalls nicht so richtig. Seit fünf Tagen tummeln sich die Teilnehmer des vierten RTL-Dschungelcamps im australischen Gesträuch, aber der Zickenkrieg im Lager - seit jeher das A und O des Trashformats - kommt nicht auf Touren.

RTL hat ein Problem, ein dramaturgisches: Der Sender tut sich mittlerweile so schwer, auf Deutschlands VIP-Resterampen noch Brauchbares zu orten - körperliche Fitness ist Bedingung, intellektuell darf es gern ein bissl weniger sein - , dass man diesmal sogar gezwungen war, auf Alte, Kranke und Österreicher zurückzugreifen.

Die dürfen sich den akrobatischeren Dschungelprüfungen jedoch gar nicht aussetzen - und so kommt es, dass die sehr blonde Oberzicke Giulia Siegel ("Meine Nerven sind ganz blank"), die der Zuschauer so gern leiden sähe und quieken hörte, von vielen Foltergängen ausgenommen ist. Ebenso wenig dürfen Mausi Lugner oder die herrlich knarzige 77-jährige Ingrid van Bergen antreten.

Bezogen auf die an dümmlicher Selbstüberschätzung leidende XXL-Bitch Siegel ("Auch wenn ich 'nen Müllsack anhabe, ist es irgendwo sexy") bedeutet dies: Das direkt von den römischen Arenen des Altertums auf den heutigen TV-Bildschirm übertragene Prinzip, wonach immer der Loser oder meistgehasste Protagonist durch Votum des Publikums den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird, geht nicht mehr auf.

Abhilfe ist nicht in Sicht: Der gesträhnte thüringische Ex-Friseur Nico Schwanz zum Beispiel ist ein unterhaltungstechnischer Totalausfall. Der in pubertärer Gesinnung kalkulierte Kicher-Effekt seines albernen Namens nutzte sich bereits nach fünf Sendeminuten ab.

Der kraftvolle Günther Kaufmann dagegen verfiel nach fulminantem Beginn in tiefe Lethargie, offenbar angesichts der trostlosen Charisma-Bilanz seiner Mitstreiter. Und manche der Camper, wie der völlig farblose Soap-Muskelprotz Michael Meziani (merken Sie sich den Namen nicht, Sie werden ihn nie wieder hören!) wurden ohnehin nur mitgenommen, um die Pritschen überhaupt mit irgendetwas belegen zu können.

Anfangs galt Heulsuse Lorielle London (merken Sie sich den Namen nicht, ... ) als des Zuschauers bevorzugtes Hassobjekt - doch seitdem das vom Mann zur Frau operierte leidenssüchtige Sensibelchen sich nicht entblödete, selbst lebende Würmer, stinkenden Eidotter und Känguru-Penis mit Todesverachtung zu verzehren, ist sie für den Dschungel-Fan tabu. Welchen Spaß macht es schließlich, ein Opfer zu quälen, wenn dieses sich nicht wehrt?

Wenigstens das Moderatoren-Team Bach/Zietlow ist bestens aufgelegt. Dessen Comedy-Timing ist hervorragend, mit größerem Staunen kann auch ein Zuschauer das Treiben der traurigen Dschungel-Gestalten nicht kommentieren.

Nach der Prüfung Lorielle Londons, die dumm und brav lebendes Gewürm verputzt hatte, bilanzierte Bach: "Ich geh jetzt brechen."

pad



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