Ruby auf dem Opernball "Geschmacklos, peinlich, ein Abstieg"

Kaum hat Berlusconis Gespielin Ruby Rubacuori dem berühmten "Mörtel"-Lugner ihre Zusage für den Wiener Opernball gegeben, da regt sich Unmut in der Alpenrepublik: Die größte Peinlichkeit sei der Auftritt der zwielichtigen Dame, ein Abstieg, pietätlos und gemein, so der Tenor.

AP

Wien - Am Montag wurde gemunkelt, dass Karima al-Mahroug, alias Ruby Rubacuori, die Herzensbrecherin, den 78-jährigen Unternehmer Richard Lugner zum Wiener Opernball begleiten könnte. Nun scheint der Deal perfekt zu sein: "Wir haben gerade den unterzeichneten Vertrag bekommen", sagte "Mörtel" am Dienstag der österreichischen "Presse" zufolge.

Demnach ist die große Inszenierung mit der so unverhofft zu fraglichem Ruhm gekommenen Premiers-Gespielin schon durchgeplant: Eine große Pressekonferenz soll es geben, außerdem natürlich eine Autogrammstunde. "Ich habe Angst, dass uns die Leute die Türen einlaufen. Der Trubel um sie ist enorm", freut sich Lugner über den Erfolg seiner diesjährigen Bemühungen, möglichst viel Luxuskörper für möglichst wenig Geld zu buchen. Intellekt spielte noch nie eine Rolle - beim "Mörtel"-Lugner" zählt die Hülle.

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Österreich ist entsetzt angesichts der "Variante Ruby", die immerhin schon die vierte Anwärterin dieses Jahr ist. "Die Liebschaft eines kriminellen Politikers am Opernball - was soll das?", fragte der Ex-Musicalstar Marika Lichter in der Zeitung "Österreich".

"Ich bin ein bisschen traurig, dass man unser Fest verderben will", jammerte Staatsoperndirektor Dominique Meyer am Dienstag in Wien. Auch Opernball-Chefin Desiree Treichl-Stürgkh distanzierte sich "vehement" von der Dame. "Ich finde, es ist die größte Peinlichkeit, die der Opernball bisher erlebt hat", wetterte die Organisatorin.

"Geschmack- und pietätlos" sei das Vorgehen von Herrn Lugner. Eine schlaflose Nacht habe sie verbracht, nachdem sie von den Plänen des Bauunternehmers gehört habe, sagte Treichl-Stürgkh laut ORF. Sie habe zuerst gehofft, dass die Gerüchte nicht wahr seien und der Vertrag nicht zustande komme. Dem sei aber leider nicht so. Weil Lugner seine Loge rechtmäßig gekauft habe, könne sie ihm diese nicht mehr wegnehmen: "Wenn ich es könnte, würde ich es sofort tun", so die Opernball-Leiterin.

Sie habe mit Lugner telefoniert und versucht, ihn umzustimmen. Der aber habe nur gemeint, Ruby Rubacuori sei eine "fesche Oide" und da gebe es nichts mehr zu besprechen. Schon vorher hatte sich Lugner gegen Kritik verwahrt. "Sie ist eine wunderschöne Frau. Sie war auch keine Prostituierte, sondern bei einem Escort-Service", betonte er. "Und überhaupt: Wenn ein Mann so etwas macht, ist er der tolle Hecht und über eine Frau zieht man her. Das Ganze ist verlogen", polterte der Unternehmer.

"Prostituierte sind auch Menschen"

Trotz der Empörung werden Gäste aus Kunst und Politik so zahlreich wie eh und je auf dem Ball vertreten sein. Neben Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) wollen auch Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) und zahlreiche ihrer Kollegen das Tanzbein schwingen.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will der Veranstaltung fernbleiben. Eine gute Entscheidung angesichts der Aussage des "Benimmpapstes" ("Wer grüßt, weckt Sympathien") und ehemaligen Zeremonienmeisters des Opernballs, Thomas Schäfer-Elmayer. Er erklärte, der Auftritt der umstrittenen Marokkanerin sei "ein Abstieg" - und fügte gönnerhaft hinzu: "Allerdings sind Prostituierte auch Menschen und wer weiß, wie viele davon sonst am Ball sind."

In Italien beschäftigt sich derzeit die Justiz mit Rubys Verbindungen zu Regierungschef Silvio Berlusconi: Die gebürtige Marokkanerin soll als minderjähriges Call-Girl die berüchtigten "Bunga-Bunga"-Partys des Ministerpräsidenten in seiner Villa in Arcore bei Mailand besucht haben.

Die dortige Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Premier wegen Förderung der Prostitution Minderjähriger. Aber auch wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs muss sich der Cavaliere verantworten: Er soll seine Stellung und Autorität genutzt haben, um Rubacuori aus einer Polizeiwache zu holen, wo sie wegen mutmaßlichen Diebstahls verhört wurde.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Thomas Schäfer-Elmayer als Zeremonienmeister des Opernballs bezeichnet. Diese Position hat er jedoch nicht mehr inne. Wir haben den Text entsprechend korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ala/dpa

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