Russische Fußball-Schönheitskönigin Schön rechts

Hübsches Gesicht, hässliche Gedanken: Russlands Fußballliga hat einer Schönheitskönigin den Titel aberkannt, weil sie Hitler verehrt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Rassismus im russischen Fußball - und die Halbherzigkeit der Funktionäre.

Drei Jahre vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft sorgt ein Rassismus-Skandal in Russland für Schlagzeilen. Die russische Fußball-Liga hat einer jungen Moskauerin den Titel "Miss Charming" zuerkannt. Im Netz sorgte die Auszeichnung von Olga Kuskowa für Empörung. Kuskowa ist 21 Jahre alt, Anhängerin des Moskauer Armee-Clubs ZSKA und spielt selbst in einem Amateur-Team Fußball.

Antirassismus-Aktivisten hatten nach der Auszeichnung allerdings Hinweise darauf zusammen getragen, dass sich hinter Kuskowas hübschem Gesicht durchaus hässliche Gedanken verbergen. Auf Facebook machte die Gruppe "ZSKA-Fans gegen Rassismus" darauf aufmerksam, dass Kuskowa in sozialen Netzwerken Gedankengut von Neonazis verbreitet und Hass gegen Juden und Ausländer schürt. Daraufhin entzog die russische Fußball-Liga der 21-Jährigen den Titel wieder.

Auf Fotos des sozialen Netzwerks VK.com - einer russischen Facebook-Alternative - posiert sie etwa mit zum Hitlergruß gehobenen Arm. Eine andere Aufnahme zeigt sie mit einem Begleiter, der die Zahlen 14 und 88 als Tattoo trägt. Beides sind bei Neonazis beliebte Codes. 14 steht für "Fourteen Words", einen Glaubenssatz von Rassisten: "Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für die weißen Kinder sichern". Die Ziffer 88 ist eine Chiffre für "Heil Hitler".

Liga-Funktionär Sergej Tscheban sagte der Zeitung "Sport-Express", man bedauere den Vorfall. Er bat auch um "Verständnis" für Kuskowa: In jungen Jahren "haben wir alle Fehler gemacht. Wer ist schon ohne Sünde?"

Dem Profil im Internet nach zu urteilen wirkt das Weltbild der degradierten Schönheitskönigin allerdings durchaus fest gefügt. Ein Eintrag zeigt ein Foto von Krematorien mit dem Slogan: "Juden und Chatschis brennen gut im Ofen." Chatschi ist ein grobes Schimpfwort für Menschen aus dem Kaukasus. In einem anderen werden farbige Kinder in Afrika mit einem Schokoriegel verglichen. In einem Video sagt ein Russe zu Afrikanern: "Nur ein Weißer ist ein Mensch". "Hat er alles richtig gesagt", hat Kuskowa darunter geschrieben.

Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie weit verbreitet rechte Parolen im russischen Fußball sind. Im April verurteilte die Liga Spartak Moskau zu einer Geldstrafe, weil Fans ein rassistisches Banner im Stadion aufgehängt hatten. 2014 musste ZSKA vor leeren Rängen in der Champions League gegen Bayern München spielen, wegen rassistischer Ausschreitungen. Im Herbst 2013 ließen Spartak-Fans bei einem Auswärtsspiel in Jaroslawl eine Hakenkreuz-Fahne über den Rängen flattern und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Liga und Verband reagieren mitunter halbherzig. Vor allem Beleidigungen von Spielern anderer Hautfarbe sind in Russlands erster Liga nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Am vergangenen Freitag - 1. Spieltag nach der Sommerpause - beleidigten Fans von Spartak Moskau Emanuel Fripong vom Gastteam FC Ufa, einen englischen Spieler mit Wurzeln in Ghana.

Die Liga verhängte daraufhin eine Strafe - allerdings gegen den Spieler, der den Fans nach den Schmähungen den Mittelfinger gezeigt hatte.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.