Sarkozy und Bruni Die Nichts-ist-unmöglich-Hochzeit

Ein Zeitungsbericht elektrisiert Frankreich: Präsident Nicolas Sarkozy soll Carla Bruni geheiratet haben. Ganz geheim hätten sie vor vier Tagen im Elysée-Palast Ja gesagt. Aber wieso schweigt der Staatschef jetzt zu allen Spekulationen - und vor allem: Wieso trägt er keinen Ehering?

Von Henning Lohse, Paris


Hat er oder hat er nicht? Die Nichts-ist-unmöglich-Hochzeit von Nicolas Sarkozy mit Carla Bruni im Elysée kratzt noch ein bisschen mehr am Ansehen des französischen Präsidenten - um das es seit der öffentlichen Turtelei des Paares ohnehin nicht zum Besten steht.

Sarkozy bei Auftritt am Montag in Saudi-Arabien: Warum hat er keinen Ehering an der linken Hand - wo ihn die Franzosen traditionell tragen?
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Sarkozy bei Auftritt am Montag in Saudi-Arabien: Warum hat er keinen Ehering an der linken Hand - wo ihn die Franzosen traditionell tragen?

Seit die seriöse Regionalzeitung "L'Est Républicain" am Montagnachmittag ihren Bericht über die angebliche Geheimhochzeit am vergangenen Donnerstag veröffentlicht hat, überschlagen sich in Frankreich die Spekulationen. Parteifreunde und Opposition wollen sich offiziell noch nicht äußern. Allerdings kursieren in den Parteienbüros und an den Stammtischen die ersten bissigen Kommentare über die schnelle Hochzeit von Speedy-Sarko, der erst vor drei Monaten von Ehefrau Cécilia geschieden wurde - und seit zwei Monaten mit Bruni zusammen ist.

Die Pressestelle des Elysée-Palastes zeigt sich hilflos. Sprecher Franck Louvrier, er tourt gerade mit Sarkozy/ohne Bruni auf Staatsbesuchen durch die Golfregion, wurde mit Anfragen zur Geheimhochzeit bombardiert. Und teilte nur mit: "Das gehört zum Privatleben des Präsidenten, ich habe da keinen Kommentar abzugeben." Weiß der Kommunikationschef Louvrier nichts? Ist der Mann, der fürs Sprechen bezahlt wird, sprachlos wie der Rest der Republik? Oder hat der Präsident seinem langjährigen Vertrauten einen Maulkorb umgehängt? Und vor allem: Wieso soll die Nation plötzlich eine mögliche Hochzeit im Elysée-Palast nichts angehen, wenn sie doch in den vergangenen Wochen mit Turtelbildern des Paares geradezu überhäuft wurde?

Antworten liefert bisher allein der "L'Est Républicain". Die elsässische Zeitung erklärt die Blitzhochzeit mit den diplomatischen Verwerfungen, die das "Paar des Jahres" auf dem internationalen Parkett schon jetzt verursacht habe.

"Sarko ist doch alles zuzutrauen!"

Die saudische Regierung verbat sich, dass Bruni mit zum Staatsbesuch kommt. Und vor dem für den 24. Januar geplanten Staatsbesuch des französischen Präsidenten in Indien hatten sich auch dort Diplomaten ganz undiplomatisch geäußert. "Das Topmodel kann nicht genauso empfangen werden wie der Präsident selbst, weil eine Freundin eben keine Ehefrau ist", zitierte die Tageszeitung "Indian Express" einen Beamten des indischen Außenministeriums. Dabei will Sarkozy in Indien gute Stimmung machen und wichtige Aufträge für die französische Wirtschaft einheimsen. Unter anderem soll der Kauf von 197 Helikoptern besiegelt werden.

Eine Blitzhochzeit im kleinen Kreis zur Schadensbegrenzung auf globaler Ebene? Wer den als Macher und Pragmatiker auftretenden Sarkozy kennt, kann sich eine solche Vermischung von Privatem und Politischem vorstellen. Viele Franzosen tun es ohnehin: "Sarko ist doch alles zuzutrauen!", sagte ein Hörer im französischen Radio - und es war nicht ganz klar, wie viel Anerkennung da mitschwang.

"L'Est Républicain" gilt bei Sarkozys Herzensangelegenheiten als seriöse Quelle, seit die Zeitung im Oktober die Scheidung des Präsidenten angekündigt hatte. In ihr meldete sich auch Cécilia Sarkozy in einem Exklusivinterview zu Wort, um der etwas fassungslosen Nation die Gründe für ihren Abschied von Mann und Macht mitzuteilen.

Vielen Franzosen erscheint die öffentliche Turtelei des Paares als peinlich. Ségolène Royal, Sarkozys sozialistische Kontrahentin im Kampf ums Präsidentenamt 2007, kritisiert Sarkozys Auftreten als frischverliebtes Staatsoberhaupt massiv. "Er benimmt sich ein bisschen wie der Sonnenkönig Ludwig XIV.", sagte sie kurz vor dem Bekanntwerden der Hochzeitsgerüchte. "Nicolas Sarkozy hat entschieden, die Vorgänge in seinem Privatleben zu öffentlichen Ereignissen zu machen. Wie in einer Monarchie, wie unter dem Sonnenkönig."

Die Kritik wächst auch bei Parteifreunden. Am Wochenende kam es beim Parteitreffen von Sarkozys Partei UMP zum ersten Mal zu massiven Unmutsäußerungen. "Ein Kollege erzählte, dass seine Mutter nicht mehr für ihn stimmen würde", verriet ein UMP-Abgeordneter anonym. "Sich drei Monate nach einer Scheidung neu zu verheiraten mit einer Dame, die erklärtermaßen gegen Monogamie ist (...) - wann kommt die nächste Scheidung?"

Als Ehrengast und persönlicher Freund Sarkozys war der britische Ex-Premierminster Tony Blair nach Paris gereist. Er trat als Sonnyboy auf und baute in seine Rede einen Bruni-Scherz ein: "Ihr Präsident ist sehr energiegeladen, und das in allen Bereichen", verkündete er. Während Sarkozy in der ersten Reihe laut lachte, blieb vielen Abgeordneten das Lachen im Halse stecken. Unklar ist, wie weit Blair mit seinem Scherz gehen wollte. Bezog er sich auf die weltweit beachteten Weihnachtsferien in Ägypten? Oder wusste Blair, dass Sarkozys Energie schon bis zum Traualtar gereicht hatte?

In der Neujahrspressekonferenz im Elysée-Palast in der vergangenen Woche erbat sich Sarkozy zwar mehr Respekt für seine Liebesbeziehung mit dem weltberühmten Ex-Mannequin. "Wenn Sie uns nicht im Urlaub erleben wollen, schicken sie keine Fotografen", schulmeisterte er die versammelten Journalisten. Doch er unterschlug, dass er selbst mit einem spektakulären Disneyland-Auftritt den Medien-Hype in Gang gesetzt hatte. Und - war das Zufall? - damit die bissigen Kommentare zum verheerenden Gaddafi-Besuch in Paris auf die hinteren Seiten verbannt hatte.

Bei seinem soeben beendeten Staatsbesuch in Saudi-Arabien war Sarkozy jedenfalls wortgewaltig wie immer. Er pries die enorme Bedeutung der verschiedenen Religionen im Zusammenleben der Völker: "Ich warne vor einem Krieg der Religionen und einem Schock der Zivilisationen", sagte er vor der politischen und religiösen Führung des Landes.

Dabei trug er, so haben es Reporter beobachtet, keinen Ehering an der linken Hand, wo ihn die Franzosen traditionell tragen. Ist der französische Präsident also doch noch nicht verheiratet?

Macht nichts. Bis zum Staatsbesuch in Indien ist ja noch Zeit.



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