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09. April 2010, 08:44 Uhr

Sarkozys Vater

"Von einer Frau zur anderen gesprungen"

Ungarischer Casanova, arbeitswütiger Aufsteiger, neureicher Dandy: Der Vater des französischen Präsidenten Sarkozy hat seine Memoiren veröffentlicht - und beschert dem konservativen Sohnemann damit neues Ungemach. Geht es doch vor allem um Frauen.

Paris - Das hat dem französischen Präsidenten gerade noch gefehlt. Just in dem Moment, in dem Nicolas Sarkozy politisch stark unter Druck steht und privat im Tratsch-Tsunami zu versinken droht, veröffentlicht sein Vater die Schilderungen seines mehr als bewegten Lebens.

Der 81 Jahre alte Pàl Sarkozy porträtiert sich in dem Buch als ungarischer Casanova, arbeitswütiger Aufsteiger und neureicher Dandy - und spart nicht an pikanten Details. Auch wenn Sarkozy senior an der Erziehung des künftigen Präsidenten kaum beteiligt war, scheint er seinem Sohn einiges vererbt zu haben. Ihm und seinen vier weiteren Kindern ruft er in Erinnerung: "Die Hälfte eurer Wurzeln sind in der Puszta eingepflanzt, meine Engel."

Dass Pàl Sarközy de Nagy-Bocsa überhaupt in Frankreich landete, verdankt er der Fremdenlegion. Seine Familie war während des Zweiten Weltkriegs nach Österreich ins Exil gegangen. Pàl wollte nach Paris, bekam aber kein Visum und geriet in Baden-Baden an einen Anwerber der Legion. Er verpflichtete sich für fünf Jahre und sollte nach Indochina geschickt werden. Dem entkam er allerdings, weil ihn ein Arzt, der sein Landsmann war, untauglich schrieb. Pàl hatte das französische Motto früh verstanden: Freiheit, Gleichheit, Beziehungen.

Seine erste Nacht in Paris verbrachte der 20-Jährige im Schutz eines Metro-Ausgangs in der Nähe des Triumphbogens - keine 200 Meter von dem Luxusrestaurant Fouquet's entfernt, wo sein Sohn knapp 60 Jahre später seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Kreis von superreichen Geschäftsleuten feiern sollte. Dann fasste er Fuß in der ungarischen Exilgemeinde und arbeitete sich verbissen als Zeichner in der Werbebranche nach oben.

Vier Ehefrauen, fünf Kinder

Einen Großteil seiner Memoiren widmet Sarkozys Vater den Frauen in seinem Leben. "Um es zu sagen, wie es ist: Ich bin von einer Frau zur anderen gesprungen, wie man von einem Flugzeug ins nächste wechselt", schreibt er im Rückblick. Angefangen bei seinem Kindermädchen, dem er bei einer Gutenachtgeschichte angeblich unter den Rock fasste, über die Sekretärin seines Chefs bis zu seinen vier Ehefrauen. Die ersten drei verließ er samt deren Kindern jeweils für andere Frauen - mit der letzten ist er mittlerweile seit mehr als 40 Jahren verheiratet.

Seine erste Frau Dadou, Tochter eines griechischstämmigen konvertierten Juden, wurde die Mutter der ersten drei Söhne, unter ihnen der spätere Präsident. Für Pàl war es nicht einfach zu akzeptieren, dass seine Kinder eine andere Nationalität haben würden: "Dadou und ich waren uns einig, dass unsere Kinder sich völlig in meine neue Heimat integrieren sollten. Ich würde nicht ungarisch mit ihnen sprechen und ihnen so wenig wie möglich von meiner Heimat erzählen." Erst nach der Geburt des dritten Kindes war er selbst bereit, die französische Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Neue Karriere

Mit 76 Jahren hat Pàl Sarkozy eine neue Karriere als Maler begonnen. Gemeinsam mit Werner Hornung, einem deutschen Freund, produziert er seitdem großformatige Werke, teils gedruckt, teils gemalt, eine Mischung aus Pop-Art, Dalì und scheußlichem Kitsch. Seinen Sohn Nicolas zeigt er mit dem Kreuz der Ehrenlegion als Ohrring, dessen Frau Carla spärlich bekleidet an der Gitarre. Von Ende April an stellt er sie erstmals in Paris aus, nur wenige Schritte vom Präsidentenpalast Élysée entfernt.

Ab und zu gibt er seinem Sohn auch ungebetene Ratschläge: "Ich glaube, dass er ein viel ruhigeres und sehr viel angenehmeres Leben hätte, wenn er nicht wieder antreten würde", sagte er kürzlich mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2012. Sarkozy junior scheint derzeit allerdings wenig bereit, auf seinen Vater zu hören.

jdl/dpa

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