Scheidung von Cruise und Holmes Lärmende Stille

Die Scheidung des vermeintlichen Traumpaars Katie Holmes und Tom Cruise macht weltweit Schlagzeilen. Die überraschend schnelle Einigung verhinderte eine öffentliche Schlammschlacht - doch die Gerüchteküche kocht weiter.
Scheidung von Cruise und Holmes: Lärmende Stille

Scheidung von Cruise und Holmes: Lärmende Stille

Foto: REUTERS/Danny Moloshok

Es endete so überraschend schnell, wie es begonnen hatte: Nur zwei Wochen, nachdem Katie Holmes in New York die Scheidung von Tom Cruise eingereicht hatte, kamen die beiden zu einer außergerichtlichen Einigung. Der erwartete Rosenkrieg, das erhoffte öffentliche Waschen schmutziger Wäsche bleibt damit aus - so wie die Konfrontation mit der Scientology-Sekte, die zahlreiche US-Medien bereits herbeiorakelt hatten.

Seit mehr als einer Woche stand Katie Holmes unter schwerer Bewachung. Wenn sie in der Öffentlichkeit auftrat, war sie von einem Ring imposanter Bodyguards umgeben. Möglicherweise sollten die sie gegen ebenso stämmige Typen verteidigen, die vor einer Woche den New Yorker Zufluchtsort der Schauspielerin belagert hatten, Besucher fotografierten und belästigten. Von Cruise beauftragte Privatdetektive? Von Scientology entsandte Einschüchterer? Die Sekte hat das dementiert.

Holmes konnte seit Ende Juni Bodyguards gut gebrauchen, denn nicht nur diese Finstermänner bedrohten sie, sondern auch Dutzende Paparazzi verfolgten sie auf Schritt und Tritt.

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Tom Cruise und Katie Holmes: Vereinbarung unterzeichnet

Foto: ? Issei Kato / Reuters/ REUTERS

Doch was auch immer über eine angeblich drohende schmutzige Scheidung gemunkelt wurde, ist nun so oder so Makulatur: Die Einigung beendet Spekulationen. Katie Holmes bekam das "hauptsächliche" Sorgerecht für ihre Tochter zugesprochen, Tom Cruise umfangreiche Betreuungs- und Besuchsrechte. Gut ist diese Einigung wohl vor allem für die sechsjährige Suri. Damit ist alles so reibungslos gelaufen, wie es im Falle einer Scheidung wohl möglich ist.

Die Gerüchteküche verstummt deshalb noch lange nicht. Was die US-Medien interessiert, ist vor allem die Rolle, die Scientology bei all dem spielt. Tom Cruise ist einer der prominentesten Fürsprecher und Werber der Sekte.

In den vergangenen Tagen war der nun eingetretene Ausgang der Scheidungsaffäre vorhergesagt worden. Der prominente Scientology-Aussteiger Mark Rathbun hatte gemutmaßt, dass Scientology und Cruise alles daransetzen würden, eine negative Thematisierung von Scientology in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Denn schnell hatte es nach Holmes Scheidungsantrag geheißen, die Schauspielerin wolle damit vor allem ihre Tochter dem Einfluss der Sekte entziehen.

Cruise sei überrascht worden, hieß es

Holmes hat dazu nichts gesagt. Sie hat sogar versucht, ihre Privatsphäre zu schützen, indem sie den Scheidungsantrag anonym einreichte. In diesem forderte sie allerdings das alleinige Sorgerecht. Die Gesetzeslage in New York macht ihn zu einer Art Ultimatum: Sie sieht vor, dass ein Gericht das Sorgerecht an ein Elternteil gibt, wenn sich die Partner nicht einigen können.

Und Cruise? Drei dürre Äußerungen gab es in den vergangenen zwei Wochen - zwar nicht von ihm, aber aus seinem Umfeld:

  • Cruise sei vom Scheidungsantrag überrascht worden und "sehr traurig" (Quelle: ein namentlich nicht genannter Vertrauter)
  • Scientology habe nichts mit der Scheidung zu tun (Quelle: siehe oben)
  • Holmes habe eine "Medien-Kampagne" gegen Cruise initiiert, indem sie Scientology ins Gespräch gebracht habe (Cruise-Anwalt Bert Fields)

Ein erwartbarer Gemeinplatz und zwei Sätzchen, die wie Presseerklärungen von Scientology klangen. Der gesamte Rest der Berichterstattung beruhte auf Gerüchten und Mutmaßungen.

Die machten sich vor allem an Scientology fest. Der Sekte werden ruppige Methoden nachgesagt. David Miscavige, der Chef der in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachteten Vereinigung, gilt nicht nur als enger Freund von Cruise, er war auch sein Trauzeuge und für manche die "dritte Person in der Ehe" mit Holmes (Zitat: "The Sun"). Er war dabei, als das Paar in die Flitterwochen reiste.

Cruise selbst war es, der sein Image demontierte

Nach Bekanntgabe der Trennung kursierten zahlreiche Gerüchte. Holmes, hieß es da, soll sich in der Vergangenheit gegenüber Vertrauten darüber beschwert haben, dass die Sekte und ihr Führer in Cruises' Leben eine so große Rolle spielten, dass nie die Chance auf eine normale Ehe bestanden habe.

Es klang glaubhaft: Cruise selbst hat über die Jahre kräftig daran mitgearbeitet, sein einstiges Sonnyboy-Image mit bizarren öffentlichen Auftritten und kruden Äußerungen zu demontieren. Dass Scientology auch auf die Erziehung seiner Kinder einen Einfluss habe, hat er selbst schon 2005 in einem Interview bestätigt.

Lässt sich Holmes also nicht nur von Cruise scheiden, sondern auch von Scientology? In ihrer gemeinsamen, öffentlichen Stellungnahme zur Einigung betonen Holmes und Cruise, dass es ihnen vor allem um das Wohl des Kindes gehe. Sie nennen das alles eine private Familienangelegenheit, was natürlich stimmt: Eine Scheidung geht prinzipiell niemanden etwas an außer die Betroffenen.

Dass dies aber keine normale Scheidung ist, zeigt sich schon darin, dass die Streitenden ihre Einigung mit einer Presseerklärung bekanntgaben. Dass es nun keine Verhandlung geben wird, keine durchgereichten schmutzigen Informationen, ist für den Boulevard bedauerlich, für die Betroffenen hingegen gut.