Schweigegeld Unternehmerpaar soll Berlusconi erpresst haben

Ein Unternehmen soll von Silvio Berlusconi Geld erpresst haben - und den italienischen Regierungschef dafür aus Ermittlungen herausgehalten haben. Berlusconi sagt, er habe mit den Zahlungen lediglich einem verzweifelten Mann helfen wollen und dafür keine Gegenleistung erwartet.

Italienischer Regierungschef Berlusconi: Erpresst von "Frauen-Beschaffer"
AFP

Italienischer Regierungschef Berlusconi: Erpresst von "Frauen-Beschaffer"


Rom - Er hat zugegeben, für Partys in Silvio Berlusconis Häusern Frauen beschafft zu haben: Die italienische Polizei hat am Donnerstag einen Geschäftsmann festgenommen. Giampaolo T. und seine Ehefrau Angela D. seien am Morgen in Rom verhaftet worden, teilte die Polizei in Neapel mit. T. soll Schweigegeld von Berlusconi erpresst haben. Im Gegenzug habe der Festgenommene den Ministerpräsidenten aus Ermittlungen herausgehalten, in die der heute 34-Jährige nach einer Festnahme 2009 wegen Korruption, Drogenhandels und Prostitution geraten war.

Damals hatte T. zugegeben, zwischen 2008 und 2009 über 30 Prostituierte für Partys in den Villen des Regierungschefs organisiert zu haben. Damals sagte T., Berlusconi habe nichts davon gewusst. Derzeit wird in Bari gegen T. wegen Förderung der Prostitution ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft in Neapel geht davon aus, dass T. Berlusconi gedrängt hat, als Gegenleistung für seine Kooperation für die Anwalts- und Unterbringungskosten seiner Familie aufzukommen. Die Vereinbarung habe offenbar vorgesehen, dass sich T. um eine Verständigung im Strafverfahren bemühen sollte, um einen öffentlichen Prozess zu vermeiden, sagte Staatsanwalt Francesco Greco. Damit sollte wohl verhindert werden, dass für Berlusconi kompromittierende Abhörprotokolle von Telefongesprächen zwischen den Prostituierten veröffentlicht werden.

Wie viel Geld Berlusconi für seine Kooperation an T. gezahlt hat, sagte Greco nicht. Das Magazin "Panorama" hatte in der vergangenen Woche berichtet, es seien einmalig 500.000 Euro und weitere monatliche Zahlungen geflossen.

In diesem Fall werde nicht gegen Berlusconi ermittelt, er werde vielmehr als Opfer betrachtet, sagte eine Polizeisprecherin in Neapel. Der Ministerpräsident erklärte hingegen, er fühle sich nicht als Opfer und habe lediglich einer bedürftigen Familie helfen wollen. "Ich habe eine Familie mit Kindern unterstützt, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befand", wurde Berlusconi in "Panorama" zitiert. "Ich habe einem verzweifelten Mann geholfen, ohne irgendetwas im Gegenzug zu erwarten."

Gegen Berlusconi läuft derzeit in Mailand ein Prozess, weil er ein damals 17-Jähriges Mädchen für Geschlechtsverkehr bezahlt haben soll. Sowohl er als auch die junge Frau bestreiten die Vorwürfe.

ulz/dapd/dpa



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