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St. Petersburg: Prozess gegen Madonna wegen "Schwulenpropaganda"

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

Angebliche Schwulenpropaganda St. Petersburg macht Madonna den Prozess

Ein Gericht in St. Petersburg prüft derzeit eine Schadensersatzklage gegen US-Popstar Madonna. Die Künstlerin soll auf einem Konzert "Schwulenpropaganda" verbreitet und religiöse Gefühle verletzt haben. Kostenpunkt: umgerechnet etwa 8,2 Millionen Euro.

Petersburg - In einem Petersburger Bezirksgericht fand am heutigen Donnerstag die erste Sitzung im Prozess gegen US-Sängerin Madonna statt. Sie muss sich dem Vorwurf stellen, während eines Auftritts im März "homosexuelle Propaganda" betrieben und damit gegen ein in der Newa-Metropole geltendes, heftig umstrittenes Gesetz verstoßen zu haben.

Außerdem soll die US-Künstlerin religiöse Gefühle gläubiger Konzertbesucher verletzt haben, als sie während der Performance auf ein orthodoxes Kreuz trat. Die neun Kläger fordern insgesamt 333 Millionen Rubel (etwa 8,2 Millionen Euro) von der Künstlerin und den Veranstaltern - für die entstandenen "kolossalen moralischen Schäden", wie es Darja Dedowa von der Interessengruppe "Gewerkschaft der Bürger Russlands" formulierte. Die in dem Gesetz vorgesehenen Bußgelder liegen zwischen 5000 Rubel (124 Euro) und 500.000 Rubel (12.400 Euro).

Im Rahmen ihrer Welttournee MDNA war die Sängerin am 9. August 2012 in St. Petersburg aufgetreten. Sie ließ rosa Armbänder als Zeichen der Toleranz und Solidarität verteilen und forderte "Respekt, Toleranz und Liebe" für Schwule und Lesben in St. Petersburg. Auf ihrem Rücken prangte der Schriftzug "Keine Angst".

Schon vor dem Konzert hatte es Proteste gegeben. Nur wenige Tage zuvor hatten radikale Orthodoxe bei einem Konzert in Moskau Fotos der Künstlerin verbrannt, nachdem sie die Punk-Gruppe Pussy Riot und deren Aktionen unterstützt hatte.

Erst vor zwei Tagen hatte der Oberste Gerichtshof Russlands entschieden, dass das Gesetz verfassungsgemäß ist. Mehrere schwul-lesbische Gruppen hatten zuvor dagegen geklagt. In dem Gesetz wird Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt. 270.000 Menschen hatten dagegen eine Petition unterschrieben. Initiator des europaweit kritisierten Gesetzes ist der Abgeordnete Witali Milonow von der Putin-Partei "Einiges Russland".

ala
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