Seth Rogen bereut Filmszene "Ich möchte nicht, dass jemand sich scheiße fühlt"

Erinnern Sie sich noch an "Jungfrau (40), männlich, sucht..."? Eine Szene der Kultkomödie würde Seth Rogen lieber vergessen. In ihr reißt der Schauspieler minutenlang ätzende Witze auf Kosten einer Minderheit.

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Manchmal blickt man auf die Person zurück, die man vor zehn, zwanzig Jahren war und merkt: Was man da damals gesagt oder getan hat - dieser eine alberne Spruch, der Seitenhieb, die peinliche Aktion -, würde man sich heute sparen. Weil man sich verändert, weil sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat. Für die meisten Menschen ist das leicht. Man macht was, man lernt daraus, man macht es anders, fertig.

Schauspieler haben es da schwerer. Denn manchmal ist ihr Fehler eine Kultszene in einem Kultfilm.

Erinnern Sie sich noch an "Jungfrau (40), männlich, sucht ...…"? Steve Carell als der 40-jährige Nerd, der eine Sammlung original verschweißter Actionfiguren hat - aber keine Freundin. Und Seth Rogen, der seinen etwas asozialen Kumpel spielt, der den Nerd bei jeder Gelegenheit aufzieht, weil er noch nie mit einer Frau geschlafen hat?

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Komödienstar Seth Rogen: Keine Pointen mehr über Minderheiten

Die Komödie war ein großer Erfolg, albern und anarchisch, wie Komödien sein sollen. Und zugleich etwas Neues: Denn die Protagonisten, ihre Gefühle, ihre Fehler und Erlebnisse berührten wie selten zuvor. Statt nur über einen Witz zu lachen, identifizierten wir uns mit den Figuren. Wir erkannten uns in ihnen wieder, aus ihren Schwächen und Fehlern lernten wir etwas über unsere eigenen Schwächen und Fehler.

Axthiebe und Quatschgelaber

15 Jahre nach dem Filmstart meldet sich nun Seth Rogen, weil er findet, dass er damals einen Fehler gemacht hat. In dem Magazin "GQ" erinnert er sich daran, wie einige Fans wegen einer Szene wütend waren. "Leute kamen zu mir und sagten: 'Als ich im Kino saß und alle darüber lachten, habe ich mich gefühlt wie Scheiße.'"

Wer den Film gesehen hat, wird sich an die Szene erinnern: Seth Rogen und ein Kumpel spielen "Mortal Kombat", ein ziemlich blutiges Prügel-Videospiel. Und während auf dem Bildschirm Axthiebe ausgeteilt und Köpfe abgerissen werden, machen die beiden, was auch viele Normalos beim Videospielen tun: Sie reden jede Menge Müll. So weit so normal. Doch bei dem albernen Dialog geht es darum, dem anderen zu erklären, warum man weiß, dass er schwul ist.

"Weißt du, warum ich weiß, dass du schwul bist?", geht es minutenlang hin und her. Schon damals nervte die Szene ein bisschen, weil sie so kindisch und blöd ist. Aber sie nervte eben auch deshalb, weil die Schauspieler sich genauso kindisch und blöd benehmen, wie viele Videospieler im Eifer des Gefechts (der Autor dieses Artikels, ebenfalls früher begeisterter Gamer, nimmt sich da selbst nicht aus).

Ob sich an den Spielerdialogen in den letzten Jahren etwas geändert hat, wissen nur die Spieler und Spielerinnen selbst. Seth Rogen jedenfalls werden wir wohl nicht noch mal sehen, wie er auf der Leinwand minutenlang Pointen auf Kosten von Minderheiten abspult. Aus einem ebenso simplen wie guten Grund: "Ich möchte nicht, dass jemand sich scheiße fühlt, wenn er unsere Filme sieht."

bma

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
DaHomm 23.05.2019
1. Nicht Seth Rogen...
... sondern das Autorenteam und der Regisseur sind doch wohl Schuld an der Szene, oder? Rogen erledigt seinen Job, für den er bezahlt wird. Es ist natürlich nachvollziehbar, wenn er selbst sich nun dafür mies fühlt; ankreiden sollte man ihm die Szene allerdings nicht. Nicht "der Schauspieler" reißt minutenlang Witze, sondern Cal.
Gerdd 23.05.2019
2. Na ja, vielleicht ...
Zitat von DaHomm... sondern das Autorenteam und der Regisseur sind doch wohl Schuld an der Szene, oder? Rogen erledigt seinen Job, für den er bezahlt wird. Es ist natürlich nachvollziehbar, wenn er selbst sich nun dafür mies fühlt; ankreiden sollte man ihm die Szene allerdings nicht. Nicht "der Schauspieler" reißt minutenlang Witze, sondern Cal.
... hat er uns gerade gestanden, dass er die Szene damals mit voller Ueberzeugung gespielt hat und das heute bedauert. Kann ich so akzeptieren.
SusiWombat 23.05.2019
3. Ziel erreicht
Ich habe die Schlagzeile gelesen und erinnere mich an einen längst vergessenen Film und eine längst vergessene Person. Ich denke, das wird das Ziel der Person gewesen sein - denn der Film ist ja nun wirklich nicht wert, dass man sich daran erinnert.
Newspeak 23.05.2019
4. ....
Was glauben die Produzenten eigentlich, wie sich Leute mit dem gleichen Problem gefühlt haben? Soll es ja auch geben. Diese Art von Humor ist immer ausgrenzend und beleidigend. Ist aber bei genauerer Betrachtung von modernen Hollywoodfilmen, speziell Komödien, nicht unüblich. Der ernsthafte Held z.B. ist immer schlank, höchstens sein komischer Sidekick ist dick. Und wer bekommt wohl die Frau am Ende?
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