Sex-Video-Affäre Jüdische Interessensverbände fordern Rücktritt von Formel-1-Boss Mosley

"Mad Max" in Bedrängnis: Die britische Zeitung "News of the World" will den Internationalen Automobilsport-Verbandschef Mosley in einem Film identifiziert haben, der Sexspiele mit Prostituierten zeigt. Dabei seien auch angeblich an Praktiken aus der Nazi-Zeit erinnernde Rollenspiele durchgeführt worden, was Mosley bestreitet - Vertreter jüdischer Verbände sind empört.

London - Er ist einer der mächtigsten Männer im Motorsport, doch nun sieht Max Mosley, 67, sich immer lauter werdenden Rücktrittsforderungen gegenüber. Der Grund: Die britische Zeitung "News of the World" hat am Sonntag ein Video veröffentlicht, das Mosley mit fünf Prostituierten bei einer Aktivität zeigen soll.

Demnach soll sich der Anwalt und Präsident des Internationalen Automobilsport-Verbandes (Fia) stundenlang in einer geheimen "Folter-Kammer" im Londoner Stadtteil Chelsea vergnügt haben. In dem Film, den das Boulevardblatt ausschnittsweise auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie eine Frau in einem schwarzen Jackett den Kopf eines unbekleideten älteren Mannes untersucht. "Mal sehen, ob sie dich sauber gehalten haben in der anderen Einrichtung", sagt sie dazu.

Der Mann in dem Film peitscht eine der Prostituierten, die Häftlingskleidung trägt, und wird auch selbst geschlagen. Er und die Prostituierten bellen Kommandos auf Deutsch. Nach der Orgie soll der Mann mit den Damen noch eine Tasse Tee getrunken haben. Umgerechnet 3100 Euro habe die widerwärtige Sitzung gekostet.

Laut "News of the World" handelt es sich bei dem Mann um den Multimillionär Mosley. Beweise oder Bestätigungen abseits des Videos gibt es jedoch bislang nicht. Weder ein Sprecher des Fia-Bosses noch Mosley selbst wollten sich gegenüber der Zeitung äußern.

"Das ist krank und verdorben", sagte Karen Pollock, Geschäftsführerin der Holocaust-Bildungsstelle, der "Times". "Ich bin entsetzt." Steven Smith, der Direktor des Holocaust-Zentrums: "So wie Mr. Mosley den Rassismus im Motorsport verdammt hat, sollte er sich auch privat an seine eigenen Maßstäbe halten. Dies ist ein Beleidigung für Millionen Opfer, Überlebende und ihre Familien. Er sollte sich entschuldigen und aus dem Sport ausscheiden."

Sir Stirling Moss, britische Motorsportlegende und Sohn eines jüdischen Vaters, sagte: "Ich sehe nicht, wie er weitermachen könnte. Ich hoffe, er kann, ganz ehrlich - weil er gut ist in dem, was er tut. Es ist ein absoluter Schocker."

"Ich kenne ihn sehr lange", sagte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone der "Times". "Wenn mir jemand dies ohne Beweis gesagt hätte, hätte ich es kaum glauben können." Selbst wenn die Vorgänge sich als wahr herausstellen sollten, seien sie Mosleys Privatsache. "Vielleicht ist das alles nur ein Witz."

Mosleys Vater Oswald hatte 1932 die faschistische Partei Englands gegründet und zählte zu den Bekannten Adolf Hitlers. Seine Eltern waren 1936 im Haus Joseph Goebbels' getraut worden. Zu den geladenen Gästen zählte seinerzeit auch Hitler. Während des Krieges wurde die Familie Mosley zeitweilig interniert. Zuletzt hatte sich der Fia-Chef sehr für den Formel-1-Piloten Lewis Hamilton eingesetzt, den einzigen schwarzen Fahrer im Elite-Rennzirkus.

jdl