Sexuelle Belästigung Al Gore im Visier der US-Polizei

Es geht um "ungewollten sexuellen Kontakt": Die Polizei im US-Bundesstaat Oregon hat Ermittlungen gegen Friedensnobelpreisträger Al Gore aufgenommen. Eine Masseurin beschuldigt den 62-Jährigen, sie in einem Hotel sexuell belästigt zu haben. Gore dementiert die Vorwürfe "nachdrücklich und unmissverständlich".

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore: "Nachdrückliches und unmissverständliches Dementi"
AP

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore: "Nachdrückliches und unmissverständliches Dementi"


Portland - Es gibt einen 73 Seiten langen, vertraulichen Bericht, den die Behörden im US-Bundesstaat Oregon am 23. Juni veröffentlichten. Darin wirft eine 54-jährige Masseurin dem früheren Vize-Präsidenten der USA vor, sie in einem Zimmer des Lucia Hotels während einer Behandlung im Oktober 2006 sexuell belästigt zu haben.

Gore habe sie mit offenen Armen und einer Flasche Bier in der Hand empfangen und gesagt: "Nennen Sie mich Al". Dann habe er sie begrapscht, geküsst und auf ein Bett geworfen, sagte die Frau im Jahr 2009 der Polizei. Sie habe Gore gesagt, er benehme sich "wie ein verrückter Sex-Pudel", was diesen aber nicht abgehalten habe, sie weiter zu belästigen. Mehrmals habe sie den Ex-Vizepräsidenten aufgefordert, aufzuhören. Aus Angst vor Konsequenzen habe sie sich nicht gewehrt, so die Masseurin.

"Ich fürchtete, dass, wenn ich zur Tür laufen würde, um rauszukommen, mich die Sicherheitsleute angreifen würden", berichtete die Frau. "Ich war mir sicher, dass auch die kleinste Beschwerde von ihm gegen mich mein Ansehen im Hotel zerstören würde."

"Jede weitere Ermittlung kann nur vorteilhaft sein"

Am Mittwoch brach Al Gore erstmals sein Schweigen und ließ seine Sprecherin zu dem Fall Stellung nehmen: "Jede weitere Ermittlung kann nur vorteilhaft sein für Herrn Gore", sagte Kalee Kreider. "Die Gores können nicht jede verunglimpfende, irreführende und ungenaue Geschichte in den Boulevardmedien kommentieren." Der "National Enquirer" hatte als erstes Blatt von der angeblichen sexuellen Belästigung berichtet. Gore habe die Anschuldigungen "eindeutig und nachdrücklich" von sich gewiesen, und das bereits vor drei Jahren, als sie erstmals formuliert wurden, sagte seine Sprecherin. "Er steht zu diesem Dementi."

Die Polizei in Portland erklärte, man habe die Ermittlungen in dem Fall erneut aufgenommen. Zuvor eingeleitete Nachforschungen waren daran gescheitert, dass die Klägerin sich geweigert hatte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten: "Man sagte uns, dass die Frau nicht befragt werden wollte und auch kein Interesse an der Fortführung der polizeilichen Ermittlungen habe", sagte der Bezirksstaatsanwalt von Multnomah County. Michael Schrunk hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass Gore Ende 2006 und Anfang 2007 wegen "ungewollten sexuellen Kontakts" angezeigt worden war.

Al Gore, Friedensnobelpreisträger 2007, hatte Anfang des Monats bekanntgegeben, dass er sich nach vier Jahrzehnten von seiner Ehefrau Tipper trennen werde.

ala/apn



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