Show in Los Angeles Stars und Familie zollen Michael Jackson Tribut

"Ich wünschte, er wäre hier, um das zu sehen": Eine Veranstaltung schwarzer Künstler im US-Fernsehen wurde zu einem emotionalen Tribut für Michael Jackson. Sein Leibarzt schilderte inzwischen der Polizei, in welchem Zustand er den Star kurz vor dessen Tod fand.


Los Angeles - Im berühmten Shrine Auditorium von Los Angeles haben schwarze Künstler dem verstorbenen Michael Jackson in der vergangenen Nacht auf emotionale Weise Tribut gezollt.

Die Veranstalter der "BET Awards" (Black Entertainment Television) hatten nach der Nachricht vom Tod des Sängers vergangenen Donnerstag spontan beschlossen, die Show dem verstorbenen "King of Pop" zu widmen.

Auch Angehörige wie Jacksons Schwester Janet und sein Vater Joe nahmen an der Gala teil - letzterer betonte nochmals, dass die Familie Aufklärung über die genauen Todesumstände des Stars fordert. "Was da passiert ist, gefällt mir nicht", sagte Joe Jackson dem TV-Sender CNN, "es gibt eine Menge offene Fragen. Aber darauf kann ich jetzt nicht genauer eingehen".

Von der Anteilnahme der Fans zeigte sich Joe Jackson bewegt: "Im Moment ist er ein größerer Star denn je. Ich wünschte, er wäre hier, um das zu sehen. Ich wünschte, die Welt hätte ihm die gebührende Anerkennung gezollt, als er noch lebte."

Einer der Moderatoren war Oscar-Preisträger Jamie Foxx. Er war in eine rote Lederjacke gekleidet, wie Jackson sie im "Thriller"-Video trug, und versuchte sich im "Moonwalk". "Es gibt keinen Grund, traurig zu sein", sagte Foxx. "Wir wollen diesen Schwarzen feiern."

Foxx betonte Jacksons epochale Bedeutung für die moderne Popmusik: Wenn es ihn nicht gegeben hätte, so Foxx, "dann würden Leute wie Justin Timberlake heute irgendwo in der Pampa Fritten verkaufen".

Gegen Ende der Sendung trat auch Jacksons Schwester Janet vor das Publikum: "Die gesamte Familie wollte heute Abend hier sein", sagte Jackson. "Aber es war einfach zu schmerzhaft. Für Sie ist Michael eine Ikone. Für uns ist er ein Familienmitglied. Er wird für immer in unseren Herzen leben."

Die Beisetzung für Michael Jackson ist, wie es in Medienberichten heißt, für den kommenden Mittwoch geplant, Details wurden vorerst nicht bekannt. Die Familie wollte den Termin nicht bestätigen.

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

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Jacksons Leibarzt Conrad Murray, der in seinen letzten Stunden an Jacksons Seite war und versuchte, den bewusstlosen Künstler wiederzubeleben, ist mittlerweile von der Polizei befragt worden.

Murray habe Jackson am Donnerstag bewusstlos im Schlafzimmer seines Hauses vorgefunden, sagte der Anwalt des Arztes, Edward Chernoff, der "Los Angeles Times": "Er prüfte seinen Puls. Der Puls in seiner Oberschenkelarterie war schwach. Er begann mit der Herz-Lungen-Reanimation." Murray selbst habe der Jackson-Familie die Autopsie des Leichnams vorgeschlagen. "Er kann sich nicht erklären, warum Michael Jackson gestorben ist", sagte Chernoff demnach.

Berichte über die Gabe eines starken Schmerzmittels kurz vor Jacksons Tod seien "absolut falsch", so Chernoff weiter. "Es gab kein Demerol. Kein Oxycodon." Die Polizei geht nicht davon aus, dass Murray irgendetwas vorzuwerfen sei.

Die Zweifel der Familie bleiben. "Sie waren seit Jahren besorgt wegen Michaels Medikamenten-Abhängigkeit", sagte der Jackson-Biograf Stacy Brown, der sich als Freund der Familie bezeichnet. "Es war kein Geheimnis, dass sie versucht haben, ihm irgendwie Hilfe zu verschaffen." Wer Jackson in den letzten Monaten maßgeblich mit Medikamenten versorgte und ob er gesundheitlich überhaupt in der Lage gewesen wäre, die ab Juli in London geplanten 50 Konzerte zu geben, ist weiterhin Anlass von Spekulationen.

Eine frühere Angestellte des Popstars berichtete, sie habe Michael Jackson wegen seiner gefährlichen Drogencocktails regelmäßig den Magen auspumpen müssen. "Es gab eine Zeit, da war es so schlimm, dass ich die Kinder von ihm fernhielt", sagte Grace Rwaramba der britischen "Sunday Times". Sie hat eigenen Angaben zufolge über ein Jahrzehnt für Jackson gearbeitet, zuletzt als Kindermädchen, war aber im Dezember 2008 entlassen worden.

pad/AP/AFP

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