Skandalbuch O.J. Simpsons makabere Beichte

Einer der prominentesten Mordverdächtigen der Welt macht mit einem skurrilen Schachzug von sich reden: Der einstige US-Footballstar O.J. Simpson beschreibt in einem Buch, wie er vor zwölf Jahren seine Ex-Frau und deren Liebhaber umgebracht hätte - rein hypothetisch, natürlich.

New York - Der US-Fernsehsender Fox teilte mit, Simpson werde per Interview erklären, wie er 1994 seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Geliebten Ronald Goldman umgebracht hätte, "wenn ich der Täter gewesen wäre". Das Interview wird am 27. und 29. November ausgestrahlt.

In einer Fox-Vorschau ist Simpson zu sehen, wie er befragt wird: "Sie haben geschrieben, 'Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Blut gesehen'", sagt die Interviewerin. Simpson antwortet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei Menschen umgebracht werden könnten, ohne dass jeder in Blut getränkt wäre."

Zeitgleich mit der Ausstrahlung erscheint ein Buch Simpsons mit dem Titel "If I Did It, Here's How It Happened" ("Wenn ich es getan hätte, wäre es so geschehen") - die Familien der Ermordeten sind entsetzt.

Nicole Browns Schwester Denise warf der Verlegerin Judith Regan vor, die Untaten eines Kriminellen zu fördern und kommerziell auszuschlachten. "Es ist unfassbar, dass O.J. Simpson sich entschieden hat, einen Alptraum wiederzubeleben", sagte sie.

Verlegerin Regan verteidigte sich: "Das ist ein historischer Fall, und ich betrachte das als sein Geständnis", sagte sie. Die Summe, die Simpson für das Buch bekommen hat, verriet sie nicht. Sie sagte aber, der ehemalige Football-Star sei mit der Idee auf sie zugekommen.

Nach Angaben der "New York Post" hat der Verlag dem Autor 3,5 Millionen Dollar für das Buch gezahlt. Das Blatt gehört zur Mediengruppe von Tycoon Rupert Murdoch - ebenso wie Fox TV, wo das Interview ausgestrahlt wird, und der Regan-Verlag, in dem das Buch erscheint.

Simpson wurde 1995 in einem Prozess freigesprochen, der in den USA Rassismusdebatten auslöste. In einem anderen, von der Goldman-Familie angestrengten Prozess befand das Gericht, er sei für den Tod der beiden Opfer verantwortlich. Seither hat Simpson, der die Tat stets bestritten hat, ein Leben zumeist abseits der Kameras geführt. Nach seiner Football-Karriere arbeitete Simpson als Schauspieler.

In dem Zivilprozess war Simpson dazu verurteilt worden, 33,5 Millionen Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer zu zahlen. Bislang hat er nichts bezahlt. Seine Rente, die noch aus seiner aktiven Sportlerzeit stammt, darf nicht gepfändet werden.

Laurie Levenson, Juraprofessorin und einstige Staatsanwältin, sagte, neuer Ärger mit der Justiz drohe Simpson durch das Buch wohl kaum. "Er kann so ziemlich schreiben, was er will. Solange er nicht zugibt, dass er jemand anderen umgebracht hat, kann er das wohl ungestraft tun", sagte sie.

Geschmacklos finden das Buch aber vermutlich viele, allen voran die Familie des toten Ronald Goldman. "Er ist bereit der Welt zu erzählen, wie er die Mutter seiner Kinder und Ron getötet hätte", sagte Vater Fred Goldman in der "Larry King Show" bei CNN. "Krank."

ffr/AP

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