Skandalschwestern Spears "Es geht um Selbstachtung"

Ihre ältere Tochter torkelt von Skandal zu Skandal, die jüngere ist 16 und bekommt ein Kind: Kein Wunder, dass nun Mutter Lynne Spears in die Kritik gerät. US-Erziehungsexperten werfen ihr vor, pädagogisch auf ganzer Linie versagt zu haben.


New York - Als Britney Spears in diesem Jahr von einer Katastrophe in die nächste schlingerte, sah die Welt das als Eskapaden einer aus den Fugen geratenen Pop-Prinzessin, gestressten Mutter und Ehefrau an. Jetzt, da die Meldung von der Schwangerschaft ihrer 16-jährigen Schwester Jamie Lynn weltweit Schlagzeilen machte, wird die Frage nach der Rolle der Mutter immer lauter gestellt.

Lynne Spears: Eine noch schlechtere Mutter als Britney?
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Lynne Spears: Eine noch schlechtere Mutter als Britney?

Lynne Spears nämlich wollte zum nächsten US-Muttertag am 11. Mai eigentlich ihre Memoiren als "Pop Culture Mom" (Popkultur-Mama) veröffentlichen. Nach der Schwangerschaftsnachricht von der minderjährigen Britney-Schwester stoppte ihr Verlag umgehend die Veröffentlichung.

Als Vorbild mag sie nicht mehr erscheinen, und ätzende Kommentare in Online-Medien dürften das Unternehmen in seiner Entscheidung bestärkt haben. "Ist Lynne eine noch schlechtere Mutter als Britney?" fragte etwa "Star"-Magazin-Chefredakteurin Bonnie Fuller. Fuller warf Mutter Spears vor, mit ihren Töchtern offenbar nie über Empfängnisverhütung gesprochen zu haben.

Als sich Britney Spears den Schädel rasierte, eine Entziehungskur begann und gleich wieder abbrach, unten ohne fotografiert wurde und im Rosenkrieg um ihre beiden Söhne aus dem Rahmen fiel, leuchtete Jamie Lynn als adretter und skandalfreier TV-Star.

Nun hat sie nicht nur die in vielen Kommentaren unverhüllte Häme über ihre "unerwartete" Schwangerschaft zu ertragen, sondern auch noch mit dem Verdacht zu kämpfen, sie könnte die Geschichte an das Magazin "OK!" verkauft haben, das bekanntermaßen regelmäßig für Enthüllungsgeschichten bezahlt. Zum Fall Jamie Lynn Spears wollte sich das Magazin diesbezüglich nicht äußern.

Die Prominenten-Beobachterin der Illustrierten "US Weekly", Janice Min, spricht von einer vertrackten Lage: Nachdem die zweite Tochter einen dicken Skandal produziert habe, beginne man eben nun, das Problem bereits bei der Mutter zu sehen. Sicherlich sei Lynne nicht das erste Elternteil, dem eine unzureichende Wertevermittlung bei der Erziehung vorgeworfen werde. Es gibt ja auch noch die gelegentlich mit Britney feiernden Lindsay Lohan und Paris Hilton.

Familiengefüge aus den Fugen

Min sieht das Problem in Hollywood- und Popstarkarrieren, in dem die Kinder sehr früh das Einkommen ihrer Eltern um ein Vielfaches übertreffen. Das ganze Familiengefüge gerate damit aus den Fugen. In manchen Fällen seien die Verlockungen von Reichtum und Ruhm einfach nur ansteckend und die Eltern würden in einen Strudel gezogen, in dem man einfach nur noch alles mitnehmen will, was plötzlich möglich ist.

Der Fall Spears ist für Min aber extrem: Da schreibe eine Frau ein Buch darüber, wie man Töchter großzieht, während diese von einer persönlichen Katastrophe zur nächsten stolperten. Die Experten von Elternzeitschriften sehen in der Spears-Tragödie aber nicht nur einen Einzelfall.

Probleme dieser Art könnten eine Folge des Wunsches vieler Eltern sein, bester Freund oder beste Freundin ihrer Kinder zu sein, anstatt die Elternrolle auszuüben. "Ich denke, das ist das Problem Nummer eins in der heutigen Erziehung", sagt die Chefredakteurin des Magazins "Parenting", Janet Chan.

"Ein Freund kann Ihrem Kind beibringen, wie man Pups-Geräusche macht. Eltern legen Regeln fest, sind Vorbilder", so Chan. Viel zu oft hätten Eltern ein schlechtes Gewissen, weil sie zu viel arbeiteten und zu wenig Zeit für ihre Kinder hätten. Sie irrten dann in der Annahme, das ausgleichen zu können, indem sie sich zum besten Freund ihrer Kinder zu machen versuchen.

Bei all dem Gerede über die Sexualaufklärung im Hause Spears weist Chan auf ein nach ihrer Ansicht gravierendes Problem hin: der Vermittlung eines Selbstwertgefühls. "Warum hat sie mit ihren Töchtern nicht über Selbstbewusstsein gesprochen und ihnen beigebracht, sich selbst anzunehmen und auch Nein sagen zu können? Hier geht es nicht um Kondome. Es geht um Selbstachtung. Und das beginnt in der Kindheit."

Jocelyn Noveck, AP

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