Sommerurlaub Obama, der Mann, der nicht abschalten kann

Er legt seinen Blackberry kaum aus der Hand, arbeitet an seinem Golf-Handicap und absolviert Termine: Barack Obama vermag im Urlaubsparadies Martha's Vineyard nicht zu entspannen. Auch der Plan, die Einheimischen möglichst nicht zu nerven, ging schief.

AFP

Martha's Vineyard - Man mag Barack Obama beneiden - um sein Charisma, seine Rednerkunst, seine liebreizende Familie. Aber in puncto Freizeitgestaltung ist der wichtigste Politiker der Welt nur zu bedauern.

Zurzeit urlaubt die First Family im Nobelferiendomizil Martha's Vineyard an der Ostküste der USA, eine Art Sylt Amerikas, wohin auch die Clintons gerne reisten, doch Mr. President vermag einfach nicht abzuschalten.

Das liegt zum einen am Heer von Journalisten und Fotoreportern, die jeden Schritt der Obamas dokumentieren - Radtouren mit den Töchtern Sasha und Malia, der Besuch eines Leuchtturms, Ausflüge zum Golfen.

Zum anderen ist der Präsident gezwungen, den Urlaub immer wieder für offizielle Termine zu unterbrechen, so bei der Nominierung des US-Notenbankchefs Ben Bernanke für dessen zweite Amtszeit und der Stellungnahme zum Tod Edward Kennedys.

Doch Barack Obama scheint ohnehin nicht zu wissen, was Tiefenentspannung bedeutet. So sei sein Blackberry auch im Urlaub ständig auf Empfang, wie sein Sprecher Bill Burton sagte.

"Freizeit", schreibt die "Washington Post", müsse offiziell auf Obamas Terminplan notiert werden, was den Entspannungscharakter gering erscheinen lässt. Der Präsident arbeite "sehr hart daran", die Dinge "locker anzugehen".

Der Präsident treibe Sport, er spiele Tennis mit seiner Frau und besuche ein Fitnessstudio. Ob seine Leseliste, darunter Titel wie "John Adams" von Pulitzerpreis-Gewinner David McCullough, schon abgearbeitet sei, wollte das Weiße Haus nicht bestätigen.

Dazu kommt, dass die Obamas das beschauliche Leben auf der Insel Martha's Vineyard gehörig stören. Als der Präsident unlängst im örtlichen Golfclub vorbeischaute, mussten einheimische Spieler draußen bleiben, weil plötzlich alle Carts von Präsidenten-Begleitern und Sicherheitspersonal belegt waren.

So kam auch Rentnerin Ronnie Lytle nicht dazu, ein paar Löcher zu spielen - der Andrang auf dem Platz war einfach zu groß. "Ich hoffe, ich habe euch nicht den Tag vergrützt", sagte Obama zu den Wartenden vor dem Golfclub. "Doch, haben Sie", antwortete Lytle. "Aber das war es wert."

Die Geschäftsleute versuchen, aus dem Trubel Kapital zu schlagen. Örtliche Souvenirshops bieten Touristen T-Shirts mit dem Aufdruck "Ich machte Urlaub mit Obama" an.

pad



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.