Kanadas First Lady Sophie Gregoires Personalprobleme

Zu wenig Personal, um alle Pflichten zu erfüllen: Sophie Gregoire, Frau von Kanadas Premierminister Justin Trudeau, klagt über fehlende Hilfe. Damit hat sie sich keinen Gefallen getan.

AP

Wenn sich privilegierte Personen beschweren, sind die Reaktionen vorhersehbar. Dass jemand wie die Frau des kanadischen Premierministers Justin Trudeau in diese Falle tappt, überrascht aber. Sophie Gregoire hatte der Zeitung "Le Soleil" ein Interview gegeben.

Darin sagte die 41-Jährige, sie fühle sich von der Vielzahl der Anfragen überfordert - man wolle sie als Rednerin oder als Botschafterin für einen bestimmten Zweck. Sie habe aber nur eine Assistenzkraft und müsse sich ja auch um ihre drei Kinder Ella Grace, Hadrien und Xavier kümmern.

Gregoires Aussage mag inhaltlich voll berechtigt sein. Sie kommt aber gar nicht gut an - und ist für die Opposition eine dankbare Vorlage, die ehemalige TV-Moderatorin als abgehoben darzustellen. Der konservative Abgeordnete Jason Kenney bemerkte, die Frau des ehemaligen Premierministers habe sich nie beschwert.

Kenneys Kollegin Candice Bergen fragte rhetorisch, wie man mehr Hilfe für Gregoire fordern könne, wenn manche kanadischen Familien Mühe hätten, über die Runden zu kommen. Andere Kritiker befanden, das Interview zeige, wie elitär Gregoire sei. Auf Twitter formierten sich die sarkastisch angehauchten Hashtags #PrayForSophie, #SophieStrong und #JeSuisSophie.

Der Versuch, die Sache zu erklären, machte es nicht unbedingt besser. Ein Sprecher Gregoires sagte, man wolle sicherstellen, dass die 41-Jährige bei offiziellen Auftritten unterstützt werde - und dass Anfragen an sie zeitnah beantwortet würden. Es sei Tradition, dass es hierfür Unterstützung gebe.

Gregoire setze sich für die kanadische Kunstbranche, ein Frauenfestival und Menschen mit Essstörungen ein. Zudem sei sie eine viel gefragte Rednerin und Repräsentantin wohltätiger Organisationen. Gregoire hatte Trudeau unter anderem zu einem Staatsbankett nach Washington begleitet.

Der Politikprofessor Nelson Wiseman von der Universität Toronto sagte, Gregoire habe sich die Sache zumindest teilweise selbst zuzuschreiben. Sie habe durch Interviews und ein "Vogue"-Fotoshooting mit ihrem Mann Aufmerksamkeit auf sich gezogen. "Deshalb bekommt sie so viele Briefe, dies oder das zu tun." Viele von Gregoires Vorgängerinnen hätten ihre Rolle zurückhaltender interpretiert. "Sie ist einfach zufällig mit dem Premierminister verheiratet."

Gregoire und Trudeau sind seit 2005 verheiratet. Im vergangenen Oktober wurde der unkonventionelle Liberalen-Politiker zum Premierminister gewählt.

ulz/AP



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