Botschaft-Leaks Spanische Beschützer plaudern Details über Assange aus

WikiLeaks-Gründer Julian Assange war bei seinen Gastgebern nicht wirklich beliebt. Nach seinem Abschied aus der ecuadorianischen Botschaft in London verrieten sie einer spanischen Zeitung Einzelheiten.

WikiLeaks-Gründer Assange nach der Festnahme: schlechte Angewohnheiten
Jack Taylor/ Getty Images

WikiLeaks-Gründer Assange nach der Festnahme: schlechte Angewohnheiten


Ihren Schützling nannten die für Assanges Sicherheit zuständigen spanischen Wachleute intern "den Gast" oder auch "El Juli", eine Verkürzung seines Vornamens, aber auch Name eines berühmten Toreros. Der jahrelang in der Botschaft Ecuadors in London festsitzende WikiLeaks-Gründer Julian Assange pflegte spät schlafen zu gehen und spät aufzustehen. Auch wenn er die Botschaft nicht verlassen konnte, empfing er jede Menge Besucher, darunter Lady Gaga, Yoko Ono und ihren Sohn Sean Lennon oder die Modedesignerin Vivienne Westwood, die ihm Essen brachte.

Die Mitglieder der "Leibgarde" blieben immer im Hintergrund, bekamen dabei aber offensichtlich viele Details mit. Einige davon steckten sie jetzt der spanischen Tageszeitung "El País", die in ihrer Sonntagsausgabe darüber berichtet. Sie gehörten zu einer im südspanischen Cádiz ansässigen Firma, die direkt von einem Geheimdienst in Quito, Hauptstadt Ecuadors, bezahlt wurde.

Exzentrisches Benehmen

Die Spanier beobachteten demnach auch das exzentrische Benehmen Assanges. TV-Interviews habe er in Unterhosen gegeben, angezogen sei er nur vom Gürtel aufwärts gewesen, also dem auf dem Bildschirm sichtbaren Teil seines Körpers. Er habe sich gehen lassen und die Toilette nach Benutzung nicht gespült, so der Bericht von "El País" weiter.

Die Botschaftsmitarbeiter störte es auch, wenn er in einem kleinen Raum auf einer elektrischen Herdplatte kochte. Die lange Zeit in der Botschaft vertrieb er sich manchmal mit Skateboard fahren oder Ball spielen im Flur.

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Die wohl skurrilste Anekdote betrifft eine Reparatur der Toilette: Dafür sei 2016 eigens ein Installateur aus dem spanischen Valencia eingeflogen worden. Die Sicherheitsleute befürchteten nämlich, dass ein lokaler Klempner das Klo verwanzen könnte. Kosten des viertägigen Einsatzes: 4000 Euro. Der Einsatz des spanischen Sicherheitsteams endete 2017, als in Quito der linke Präsident Rafael Correa von dem gemäßigten Lenín Moreno abgelöst wurde.

In der vergangenen Woche hatte Ecuador Assange den diplomatischen Schutz entzogen, woraufhin er von der britischen Polizei festgenommen wurde. Ihm droht die Auslieferung in die USA.

Videoanalyse zu Julian Assange: "Er wusste, dass es nicht gut ausgehen würde."

CNN; SPIEGEL ONLINE

mik/dpa



insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
-su- 14.04.2019
1.
So wird Stimmung gegen Assange gemacht.
norbertbrummer 14.04.2019
2. Immer wieder interessant...
... wie schnell der Wind sich dreht. Erst der Held der die geheimen Machenschaften aufdeckt und dafür fliehen muss, jetzt macht man Witze über sein aussehen bei der Festnahme und berichtet über den Toilettengang. Undank ist der Welten Lohn....
user124816 14.04.2019
3.
Ich nehme mal an, das Verwahrlosung ein Merkmal von langer Haft ist, und nicht ein Wesenszug von Assange. Ich erinnere mich an einen Bericht über Langzeitinhaftierte oder Sicherheitsverwahrte bei denen das ganz genau so war - Spon darf in die Richtung gerne mal recherchieren.
tailspin 14.04.2019
4. Immerhin
war Assange beliebt genug, dass er Besucher hatte. Mich haben Yoko Ono oder Lady Gaga noch nie besucht. Wahrscheinlich passiert dem Artikel Schreiber das alle paar Tage, und wird daher als selbstverstaendlich wahrgenommen.
modemhamster 14.04.2019
5. Immer wenn man glaubt,
der Fäkalienjournalismus könnte nicht mehr tiefer sinken, dann tut er es plötzlich doch. Gab es schon ein Leckerli aus Übersee?
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