Staatsanwalt ermittelt Dutzende Profikicker sollen Führerschein gekauft haben

Promiservice der besonderen Art: 50 deutsche Fußballprofis sollen Führerscheine erhalten haben, ohne auch nur eine Fahrstunde genommen zu haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen Fahrlehrer und fünf mutmaßliche Komplizen.


Berlin - Mehr als 50 vorwiegend aus Südamerika stammende Fußballprofis haben der Staatsanwaltschaft Braunschweig zufolge für Geldzahlungen und ohne ordnungsgemäße Prüfungen einen deutschen Führerschein erhalten.

Die Polizei habe umfangreiche Korruptionsermittlungen gegen einen Fahrlehrer aus Bad Gandersheim und dessen fünf mutmaßliche Komplizen vorerst abgeschlossen, sagte am Freitag in Braunschweig ein Sprecher der Ermittlungsbehörde und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Eine Entscheidung über eine Anklage wolle man im Laufe des Jahres treffen.

"Spieler bekamen einen Führerschein, ohne je einen deutschen Fahrschulwagen von innen gesehen zu haben", zitiert die "Bild"-Zeitung den Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Joachim Geyer.

Bremens Superstar Diego sagte dem Blatt zufolge bei der Polizei aus, er habe in der Fahrschule keinen Theorieunterricht gehabt. Praxisunterricht mit den Prüfern habe es ebenfalls nicht gegeben. Auf seine Frage an die Prüfer, ob das nicht notwendig sei, wäre gleich der Führerschein ausgehändigt worden. Er habe 2900 Euro in bar übergeben.

Spielmacher Marcelo dos Santos vom VfL Wolfsburg erklärte, er habe einige Fragen bei der Theorieprüfung nicht beantworten können. Der Prüfer habe ihm gesagt, das sei kein Problem.

"Bild" zufolge ermittelt die Anklagebehörde nun wegen Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit gegen einen Fahrlehrer aus dem niedersächsischen Northeim. Auch ein Regionalleiter und zwei Fahrprüfer des TÜV Nord in Göttingen sind demnach ins Visier der Polizei geraten. Ebenfalls unter Verdacht stehen ein Optiker und ein Erste-Hilfe-Prüfer.

In einem 96-seitigen Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft sollen unter anderem die Fußball-Profis Diego, Naldo und Frings (Werder Bremen), David Odonkor (Betis Sevilla), Marcelinho (VfL Wolfsburg), Diego Klimowicz (Borussia Dortmund) und weitere Spieler der Vereine Bayer Leverkusen, 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Hertha BSC Berlin und Hamburger SV genannt sein.

Gegen die Spieler wird aber laut Staatsanwaltschaft "derzeit nicht ermittelt". Fußballer hätten zum Teil bereits einen ausländischen Führerschein besessen, sagte Staatsanwalt Geyer. "Ein vorsätzlicher Verstoß gegen deutsche Gesetze ist nur schwer nachweisbar", betonte er.

David Odonkor sagte der "Bild": Ich habe meinen Führerschein ganz normal gemacht - und das schon vor sechs Jahren." Auch sein Kickerkollege Torsten Frings erklärte: "Ich habe meinen Führerschein ganz regulär gemacht, mir nichts vorzuwerfen."

ala/AP/ddp



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