SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. April 2010, 15:30 Uhr

Strafzettel

Erykah Badu tanzt nackt am Ort des Kennedy-Attentats

Aufregung in den USA: Soulsängerin Erykah Badu zeigt sich in ihrem neuesten Musikvideo nicht nur nackt, sondern genau an der Stelle, an der John F. Kennedy erschossen wurde. Nun hat die 39-Jährige sogar Ärger mit der Polizei.

Hamburg - Erykah Badu ist eine gefeierte Soulsängerin. Sie wurde mit "Grammys" und anderen Preisen geehrt, ihre Alben werden millionenfach gekauft. Und sie gilt als selbstbewusste Musikerin, die mit ihren Songs ihre politischen, philosophischen und soziologischen Gedanken, aber auch ihre Emotionen offen zum Ausdruck bringt.

Meist gefällt's. Doch ihr neuestes Musikvideo polarisiert: Ausgerechnet am Tatort des Attentats auf John F. Kennedy hat sich die 39-Jährige ausgezogen und nachgespielt, von einem tödlichen Schuss getroffen zu sein.

In dem fünfeinhalb Minuten langen Video zu dem Song "Window Seat" spaziert Badu in Zeitlupe durch die Straßen von Dallas und entblättert sich vor den Augen der teils staunenden, teils gelangweilten Touristen. Auf ihrem Rücken steht "Evolving" ("Entfaltung"), die intimen Stellen der nackten Sängerin sind gepixelt. Plötzlich ertönt ein Schuss, die Sängerin zuckt wie getroffen und bricht zusammen - auf dem Dealey Plaza, auf dem ein weißes Kreuz an den tödlichen Schuss auf Kennedy erinnert. Blaues "Blut" fließt aus Badus Kopf.

Kennedy war am 22. November 1963 auf einer Tour durch Texas ermordet worden. Mehrere Schüsse des verwirrten Attentäters Lee Oswald aus einem Lagergebäude am Dealey Plaza trafen Kennedy und den ihn begleitenden Gouverneur John Connally in dem offenen Wagen. Der Präsident starb eine halbe Stunde später auf dem Operationstisch.

Seit Badus Video am Montag bei YouTube erschienen ist, wird darüber diskutiert - in Tageszeitungen, Radiosendungen, Blogs. "Es ist geschmacklos", sagte ein Mann laut "The Dallas Morning News". Eine Frau sei mit ihren zwei kleinen Kindern dort gewesen und habe sich belästigt gefühlt.

Badu selbst erklärte dem Blatt in einem Interview am Montag, das Video sei ein Protest, es gehe um Selbstbefreiung. Sie vergleiche das Kennedy-Attentat mit der Tötung, die jemand durchlebe, wenn er sich komplett entblöße. "Genau das wollte ich zeigen", so Badu. Eine Drehgenehmigung habe sie nicht gehabt. "Das war eine Guerilla-Aktion", zitiert das Blatt die Sängerin.

Nun hat Badu Ärger mit der Polizei: Sie bekommt eine Verwarnung wegen Belästigung der Allgemeinheit, berichtete die "Dallas Morning News" am Samstag. Demnach muss die Grammy-Gewinnerin 500 Dollar (360 Euro) Strafe zahlen - oder sie zieht vor Gericht.

Wie auch immer, eines ist klar: Die Publicity kommt zum perfekten Zeitpunkt. Gerade ist Badus neues Album "New Amerykah Part Two: Return of the Ankh" erschienen.

siu/dpa

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung