Fotostrecke

Streit vor Gericht: Fritz gegen Atze

Foto: Angelika Warmuth/ picture alliance / dpa

Schauspieler Wepper gegen Comedian Schröder Lass es, Atze

Auf seine derbsten Witze über das Sexualleben des Schauspielers Fritz Wepper muss Atze Schröder künftig verzichten. Im Rechtsstreit der beiden Männer verurteilte das Münchner Oberlandesgericht den Comedian jetzt zur Unterlassung.

Nach allem, was amtlich oder landläufig bekannt ist, misst Fritz Wepper mehr als 1,50 Meter Körpergröße und trägt auch keine 40 Kilogramm Speck auf den Hüften. Man darf es zudem für unwahrscheinlich halten, dass der 72-jährige Schauspieler sein künstliches Gebiss zum Küssen aus dem Mund nehmen würde, sollte er ein solches haben.

Und trotzdem geht es an diesem Dienstag im Saal E.10 des Münchner Oberlandesgerichts auch um solche Fragen. Hier begegnen sich nämlich Wepper und der Comedian Atze Schröder - oder besser: die Anwälte der beiden. Wepper und Schröder haben es vorgezogen, nicht zu erscheinen. Die beiden mögen sich nicht sonderlich.

Ihnen blieben so Details ihres Rechtsstreits erspart, bei dem sich irgendwann zwangsläufig die Frage stellt, ob eine solche Auseinandersetzung ausschließlich in der Welt der Prominenten und Semi-Prominenten denkbar ist - oder auch bei Hinz und Kunz.

Wepper fühlt sich von dem Comedian beleidigt und in seiner Würde verletzt, der Beklagte beruft sich auf die Kunstfreiheit. Bei dem Streit geht es nicht nur um Weppers Körpergröße und ein künstliches Gebiss, sondern vor allem um die Beziehung, die Wepper einst mit der mehr als 30 Jahre jüngeren Kamerafrau Susanne Kellermann unterhielt - Anfang vergangenen Jahres wurde ihre gemeinsame Tochter geboren.

"Wer macht die Kinder in Deutschland?"

Das ist der Punkt, bei dem Atze Schröder ins Spiel kommt. Der Comedian war im November 2012 mit seinem Bühnenprogramm "Schmerzfrei" in Stuttgart zu Gast. Der Auftritt lief live im Fernsehen, einen Tag später folgte eine Wiederholung. Als Schröder in seiner Show zum Kapitel "Alte Säcke" gelangte, beschäftigte er sich mit der angeblich lethargischen jungen Generation, mit betagten Menschen im Allgemeinen, aber unter anderem auch mit Wepper oder dem früheren "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert.

"Wer macht die Kinder in Deutschland?", fragt Schröder in seinem Programm und liefert die Antwort gleich mit: "Die Alten." Die Vorsitzende Richterin Eva Spangler lässt dazu im Gerichtssaal eine DVD mit der entsprechenden Passage der ungekürzten Liveshow vorspielen. Wepper, sagt Schröder dann, müsse man sich so vorstellen: "1,50 Meter geballte Erotik, 40 Kilo zu viel auf der künstlichen Hüfte, die Dritten beim Knutschen schon mal in der Tasche."

Ein "Iiieeehhh" als Ausdruck des Ekels

Atze Schröder ist nicht als Freund des feinsinnigen Humors bekannt. Frei nach Atze Schröder könnte man sagen: Es müssen sich schon 40 Kilo Speck auf die Gehirnwindungen gelegt haben, damit man in seinen derben Sprüchen echten Witz entdeckt. In seiner Show jedenfalls geht es weiter mit Wepper, um das Kind von Wepper und der Kamerafrau, es wird immer intimer: "Wie ist denn da wohl die Zeugung abgelaufen? Da tauchen ja Bilder auf." Es folgt der Ausdruck von Ekel in Form eines lang gezogenen "Iiieeehhh".

Auf der DVD hört man Johlen und Gelächter, im Gerichtssaal ist es ziemlich ruhig: Wepper-Anwalt Norman Synek guckt ernst, als Teile des Comedy-Programms vorgespielt werden, Schröder-Anwalt Simon Bergmann lacht still in sich hinein, Richterin Spangler nestelt mal am Computerkabel herum, ansonsten schaut sie bemüht ins Leere.

Die beiden Anwälte haben naturgemäß eine sehr unterschiedliche Sicht der Dinge: Atze Schröder sei in Wahrheit "nicht im Bereich der Satire tätig", sagt Synek. Vielmehr wolle er "die Leute durch den Dreck ziehen". Was Schröder über seinen Mandanten sage, sei eine "Quasi-Abrechnung", es werde auf die Intimsphäre Weppers "eingeschlagen".

Bergmann spricht dagegen von einem "eindeutig satirischen Kontext". Niemand nehme für "bare Münze", was Schröder in seinem Programm über Wepper sage, die satirischen Übertreibungen seien als solche zu erkennen. Der Schauspieler habe zudem Homestorys über seine damalige Liebe und das neugeborene Kind zugelassen. "Hätte er sein Privatleben geschützt, wäre er auch nicht Bestandteil des satirischen Programms."

Die Kunst sei ein "unvergleichlich hohes Gut", sagt die Vorsitzende Richterin Spangler. Als Richterin stehe es ihr nicht zu, über "gute Kunst oder schlechte Kunst" zu urteilen. Vielmehr gehe es um die Abwägung zwischen der Kunstfreiheit und allgemeinen Persönlichkeitsrechten. Das Gericht kommt am Dienstag zu dem Ergebnis, dass die sogenannte Zeugungsszene "nicht mehr von der Kunst- beziehungsweise Satirefreiheit gedeckt ist" und verurteilte Schröder zur Unterlassung. Kein Problem sah das Gericht bei der sogenannten Duschszene, sie unterfalle noch der Kunst- bzw. Satirefreiheit. Schröder hatte in seinem Programm über Wepper gesagt: "Der ist doch vor zehn Jahren schon morgens aus der Dusche gekommen und hat zu seinem Mini-Wepper gesagt: 'Junge, wer hätte gedacht, dass du vor mir stirbst?'"

Mehr lesen über