Streit um Fernsehbilder Victorias Hochzeit löst Debatte über Pressefreiheit aus

Ganz Schweden feierte - aber bei den Medien stieß Victorias Hochzeit auf Empörung. Weil Videos nur mit mehrstündiger Verspätung zugelassen waren, sagten die internationalen Nachrichtenagenturen ihre Berichterstattung ab - und protestierten beim Königshaus.

DPA

Stockholm - Die Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria hat am Samstag eine beispiellose internationale Debatte über Pressefreiheit ausgelöst: Die großen internationalen Nachrichtenagenturen Associated Press (AP), Reuters and Agence France-Presse (AFP) verzichteten wegen Auflagen des exklusiven Rechteinhabers, dem schwedischen Fernsehsender SVT, auf eine Berichterstattung in Wort und Bild.

Im Kern ging es um die Veröffentlichung von Fernsehbildern, die SVT weltweit mit Auflagen verknüpfte. Viele Zuschauer in Europa und den USA hätten Videos von der Hochzeit mit mehrstündiger Verspätung nach dem Jawort von Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling sehen können. Die drei internationalen Nachrichtenagenturen veröffentlichten gemeinsam eine an das Königshaus und SVT gerichtete Protestnote. Die Auflagen seien unzumutbar. Nachdem keine Lösung erzielt wurde, sagten die drei Nachrichtenagenturen die komplette Berichterstattung ab.

"Die Auflagen dieses nachrichtenwürdigen Ereignisses beziehen sich nur auf Video", erklärte AP-Chefredakteurin Kathleen Carroll. "Wenn aber die Video-Berichterstattung unzumutbar eingeschränkt wird, können wir über das Ereignis in keinem Format berichten. Keine Texte und keine Bilder."

Reuters erklärte, es sei wegen des Fernsehrechtestreits auf die Berichterstattung verzichtet worden. "Reuters bedauert diese Entwicklung. Reuters bleibt aber der Pressefreiheit verpflichtet und schützt die Interessen und Rechte auf Berichterstattung unserer globalen Kundschaft", hieß es in einer Erklärung. AFP teilte in einem Redaktionshinweis mit, dass eine Berichterstattung "wegen Beschränkungen des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehens SVT entfällt". Die schwedische Nachrichtenagentur TT zitierte die SVT-Pressechefin mit den Worten: "Die haben Nerven."

SVT hatte den exklusiven Zugang zur Trauung und wollte die Filmaufnahmen, die darüber außerhalb Schwedens gezeigt werden können, mit strengen Auflagen belegen. Die Nachrichtenagenturen erklärten, die Hochzeit sei ein Staatsereignis nationaler und gesellschaftlicher Bedeutung und sollte als Nachrichtenereignis behandelt werden - mit annehmbaren Zugang für ihre Journalisten. "Die königliche Hochzeit fällt nicht in die Kategorie von Sport oder Entertainment", erklärte Reuters-Sprecherin Nicole Courtney-Leaver. "Es ist ein Ereignis von historischer Bedeutung und die Berichterstattung darüber sollte mit Auflagen und kommerziellen Forderungen versehen werden wie private, von Sponsoren kontrollierte Ereignisse dieser Art (in Sport und Entertainment)."

SVT verbot umgehend den Nachrichtenagenturen, Filmaufnahmen von der Hochzeit an Privatfernsehsender in Europa und Nordamerika zu senden. Sie könnten aber eine kurze Zusammenfassung der Zeremonie 48 Stunden lang benutzen.

vme/apn

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