Streit über Heinos Liederabend Wie deutsch ist das denn?

Sänger Heino will einen »deutschen Liederabend« in Düsseldorf veranstalten. Unter diesem Titel wollte die Tonhalle das Konzert erst nicht bewerben – ruderte nach Einschalten des Bürgermeisters jedoch zurück.
Heinos Manager: »Es ist absurd, welche Dimension diese politische Korrektheit angenommen hat. Das Wort ›deutsch‹ gehört allen Deutschen.«

Heinos Manager: »Es ist absurd, welche Dimension diese politische Korrektheit angenommen hat. Das Wort ›deutsch‹ gehört allen Deutschen.«

Foto: Ina Fassbender/ dpa

Sänger Heino (82) und die Düsseldorfer Tonhalle streiten sich über einen »deutschen Liederabend«. Das Konzerthaus kritisierte den Namen der Veranstaltung und wollte die Werbeplakate des Musikers nicht aufhängen. »Wir stören uns an dem etwas tümelnden Untertitel«, sagte eine Sprecherin des Konzerthauses am Montag auf Anfrage. Deswegen wollte die Tonhalle diesen Abend mit diesem Untertitel nicht selbst bewerben. Die für 8. Oktober in der Tonhalle geplante Veranstaltung könne aber natürlich stattfinden. Heino erwäge inzwischen allerdings, die Location zu wechseln, wie sein Manager Helmut Werner der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Am Abend widersprach der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU): »Ich sehe in dem Plakat von Heino keinerlei nationalistische oder ähnliche Tendenzen und teile die Kritik daran nicht.« Deshalb habe er mit dem Tonhallen-Intendanten besprochen, dass Heinos Tourneeplakat doch aufgehängt werde, sagte Keller. Die »Bild«-Zeitung  hatte zuvor berichtet.

»Welches absurde Gedankengut muss man haben, um sich am Wort ›deutsch‹ zu stören?«, so Werner. Der Sänger habe sich in einem Interview 2019 sogar für ein Verbot der AfD ausgesprochen. Heino hat 2018 Schlagzeilen gemacht, als er der NRW-Heimatministerin eine Liedersammlung schenkte, die Titel aus dem »Liederbuch der SS« beinhaltete. Bereits in den Jahren zuvor wurde Heino eine unkritische Haltung zu rechtslastigem Liedgut vorgeworfen.

Die Tonhalle bestätigte, dass man Heinos Management auf eine städtische Richtlinie hingewiesen habe, an die man gebunden sei: »Städtische Räume sind kein Ort für Hetze«. Heino-Manager Werner stieß das besonders auf: »Alleine eine Verbindung mit dem Wort deutsch, Heino und Hetze herzustellen, entbehrt jeglichen klaren Verstand.« Die Stadt stellte dazu klar, dass der Text dieser Richtlinie mit der Formulierung final noch gar nicht genehmigt sei. Tonhallen-Intendant Michael Becker sagte dagegen: »Es geht hier um die Bezeichnung eines Liederabends als deutsch. Das bezieht sich dann auf die Form des Konzerts und nicht auf den Inhalt.« Das sei fachlich wie politisch nicht korrekt. Man habe in der Tonhalle auch keine deutschen Symphoniekonzerte, wenn nur Brahms und Beethoven gespielt werde.

»Heino ist ein deutscher Sänger, der deutsche Lieder singt. Wenn das Wort ›deutsch‹ jetzt schon rechtspopulistisch ist, schafft Deutschland seine Identität ab«, sagte Werner. »Es ist absurd, welche Dimension diese politische Korrektheit angenommen hat. Das Wort ›deutsch‹ gehört allen Deutschen.«

Ursprünglich habe der Abend »Heino goes Klassik – mit großem Orchester« heißen sollen. Wegen der Coronapandemie wird aber ein großes Orchester absehbar nicht auf Tournee gehen können. Daher habe man den Untertitel ändern müssen. Keine der übrigen 17 Konzerthallen habe daran Anstoß genommen, so Werner.

kim/dpa